Millionenprojekt

Berliner Eissportler beziehen neue Halle

In Berlin-Charlottenburg kann endlich wieder Eishockey gespielt werden. Drei Jahre mussten die Sportler des Bezirks auf ein eigenes Stadion verzichten - und auf unbequeme Wanderschaft gehen. Dafür erwartet sie jetzt eine Halle der technischen Superlative.

Foto: Christian Schroth / BMO

Das Eis ist aufbereitet, die Spielfelder sind markiert: Nach jahrelangen Provisorien für die Eissportler vom ECC Preussen Juniors Berlin ist es am heutigen Freitag endlich soweit: Stadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) übergibt die Eissporthalle an der Glockenturmstraße 14 an die Sportabteilung des Bezirks. Damit haben die Charlottenburger Eissportler nach fast drei Jahren der Wanderschaft durch Berliner Hallen wieder eine Heimat.

Und zwar eine lichtdurchflutete und sehr moderne: Die neue Eissporthalle in der Nähe des Olympiastadions und der Waldbühne liegt mitten im Grünen – auf dem ehemaligen Parkplatz „P9“. Die Anlage verfügt über zwei Eisflächen, von denen eine in der Halle ist und 1000 Zuschauerplätze bietet. Die andere Fläche liegt mehr im Freien, ist aber überdacht. Mit den Abmessungen 60 mal 30 Meter sind beide Eisflächen wettkampfgerecht.

Die neue Halle wird bis Mitte April 2012 zunächst nur von Vereinen genutzt. Das Eröffnungsspiel trägt die erste Mannschaft des ECC Preussen Juniors Berlin am Sonnabend, 3. März 2012, ab 19.30 Uhr gegen den ERV Chemnitz aus. „Die Spieler sind heiß darauf, in dieser modernen Eishalle leidenschaftliches und erfolgreiches Eishockey zu zeigen“, kündigte Trainer Stefan Mann bereits an. Der öffentliche Eislauf allerdings soll erst in der nächsten Saison ab Oktober möglich sein. Dafür werden die Eisläufer beim Kurvendrehen auf der Außenfläche aber auch in den Wald schauen können.

Die Eröffnung der neuen Halle war eigentlich schon für den vergangenen Herbst versprochen. Doch der unerwartet schlechte Baugrund zwang nicht nur zu Tiefbohrungen, sondern verteuerte das Projekt auch. Statt der kalkulierten knapp 13 Millionen Euro kostet der Neubau jetzt rund 15,5 Millionen Euro. Gezahlt werden sie vom Land Berlin.

„Der Bau hat sich vor allem aus zwei Gründen verteuert: Wir brauchten wegen des schlechten Untergrunds – aufgeschütteten Trümmerschutt – Tiefbohrungen für die Gründung. Außerdem haben wir modernste Technik zur Eisaufbereitung eingebaut, die es bei der Planung noch gar nicht gab“, sagt Gröhler. Die Anschaffung der Technik sei teurer als geplant gewesen, sie sei aber auch günstiger im Verbrauch. Mit der Abwärme aus der Eisbereitung wird beispielsweise geheizt.

Buntmetalldiebe stehlen Kabel

Auch ein Einbruch auf der Baustelle führte dazu, dass die Arbeiten länger als geplant dauerten. Buntmetalldiebe hatten die gerade verlegten Elektrokabel aus den Wänden gerissen. Der danach beauftragte Wachschutz verteuerte das Projekt um weitere 30.000 Euro.

Die Vorgeschichte: Mit der Schließung der Deutschlandhalle im Mai 2009 hatten die Charlottenburger Eissportler zuletzt auch ihre Ersatzspielstätte für die abgebrochene Halle an der Jafféstraße – sie musste dem neuen Südeingang der Messe weichen – verloren. Anfangs waren die Sportler provisorisch im Hangar 3 des ehemaligen Flughafens Tempelhof untergekommen. „Nach dem Abriss der Eissporthalle an der Jafféstraße im Jahr 2001 mussten die Sportvereine und das eissportbegeisterte Publikum provisorische Lösungen, lange Wege und stark eingeschränkte Eislaufzeiten in Kauf nehmen. Umso größer ist die Erleichterung und die Freude darüber, dass die Durststrecke vorbei ist“, sagte Sportstadträtin Elfi Jantzen (Grüne).

Kritik vom Vorsitzenden des Sportausschusses, Hans-Joachim Fenske (CDU), die neue Eissporthalle sei beispielsweise wegen zu schwerer Türen nicht behindertengerecht, weist Gröhler zurück. „Alles ist vorschriftsmäßig, die Halle ist behindertengerecht, und es gibt auch Plätze für Rollstuhlfahrer.“ Der Behindertenbeauftragte habe noch vorgeschlagen, die Türen mit erhabenen Buchstaben für stark Sehbehinderte zu beschriften und die Treppenstufen farblich zu markieren. Das werde noch umgesetzt, sei aber nicht vorgeschrieben. Auch Kunst am Bau bietet der Neubau. Der Schriftzug „Eissporthalle“ an der Fassade besteht aus großen Glasbuchstaben, die mit roten und blauen Glaskristallen gefüllt sind – und so schon am Eingang auf die Markierung der Eisflächen deuten. Die Buchstaben benötigen abends keinen Strom, sondern leuchten aus sich selbst heraus – durch Mondlicht, Straßenlaternen oder wenn Autoscheinwerfer sie anstrahlen.

Zur Eröffnung der neuen Spiel- und Trainingsstätte am heutigen Freitag ab 19 Uhr werden auch Innen- und Sportsenator Frank Henkel (CDU) sowie Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) erwartet.

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