Peter Schwenkow

Deutschlandhalle soll wieder Konzertort werden

Konzertveranstalter Peter Schwenkow will den Betrieb der Deutschlandhalle übernehmen. Von der Bezirksverwaltung erhält er großen Zuspruch: Der Abriss müsse damit vom Tisch sein.

Neue Hoffnung für die Deutschlandhalle. Peter Schwenkow, Chef der Deutschen Entertainment AG (Deag), will die vom Abriss bedrohte Halle mit Konzerten und Veranstaltungen wiederbeleben. „Wir sind davon überzeugt, dass die Deutschlandhalle als Spielstätte nach wie vor attraktiv sein kann“, sagte er. Eine betriebswirtschaftliche Prüfung laufe gerade. Die bisherigen Zahlen ließen aber darauf schließen, dass die Halle gut zu bewirtschaften sei – und zwar ohne jegliche Subventionen. „Dass so etwas gut laufen kann, zeigen wir bereits seit 1999 mit der Jahrhunderthalle in Frankfurt, die wir ebenfalls ohne öffentliche Zuschüsse betreiben“, sagte Schwenkow.

Auch in Berlin ist Peter Schwenkow kein Unbekannter. 27 Jahre lang managte er erfolgreich die Waldbühne. Aber auch mit der Deutschlandhalle in Charlottenburg hat er langjährige Erfahrung. Rund 20 Jahre mietete er die senatseigene Halle und brachte Musikgrößen von Abba bis Frank Zappa, von Sammy Davis junior bis hin zu Frank Sinatra nach Berlin.

Die große Konkurrenz in Berlin fürchtet Schwenkow nicht. Der Veranstaltungsmarkt wachse stetig. Und auch wenn es besonders im Ost-Teil der Stadt große Hallen wie die O2 World in Friedrichshain oder die Max-Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg gebe, so könnte die Deutschlandhalle gerade im West-Teil der Stadt eine Nische abdecken: „Wir können dort für 6000 bis 9000 Besucher jede Form von Konzerten, aber auch Traditions-Veranstaltungen wie Menschen-Tiere-Sensationen oder British Tattoo organisieren“, sagte Schwenkow. Die Zitadelle Spandau und die Waldbühne könnten im Berliner Westen nur im Sommer Veranstaltungen bieten. Zudem ist die Anzahl der Musik-Events dort aus Lärmschutzgründen limitiert. Anders bei der Deutschlandhalle, die schon durch ihre Örtlichkeit nahe dem Messegelände am Funkturm diese Problematiken nicht habe. Schwenkow ist sicher: „Die Deutschlandhalle wird ihren Platz finden, gerade auch im West-Teil der Stadt.“ Sie habe nach wie vor in Europa einen ausgezeichneten Ruf, weiß der Konzertveranstalter aus Erfahrung. Der bauliche Zustand ist nach Schwenkows Einschätzung akzeptabel. Eine Spielstättengenehmigung liege noch vor. Mit einigen Investitionen könne die Deutschlandhalle in kurzer Zeit aufgehübscht werden.

Landesdenkmalamt will kein Einverständnis mit Bezirk herstellen

Klaus-Dieter Gröhler (CDU), Baustadtrat im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, freut sich über das angekündigte Engagement Schwenkows und kann sich sogar vorstellen, dass es noch mehr Interessenten geben könnte, die die Deutschlandhalle wieder mit Leben füllen wollen. „An Schwenkows Interesse zeigt sich doch, dass sich der Senat nie ernsthaft um Betreiber für die Deutschlandhalle gekümmert hat. Jetzt fällt die Argumentation, sie sei marode und nicht wirtschaftlich zu betreiben, wie ein Kartenhaus zusammen“, kritisiert Gröhler. Spätestens jetzt sollte der Senat die Abrissentscheidung dringend überprüfen. Wie berichtet, hatte das Bauamt des Bezirks den geplanten Abriss der unter Denkmalschutz stehenden Deutschlandhalle nicht genehmigt.

Diesen hatte der Berliner Senat bereits im Mai 2008 beschlossen. Begründet wurde die Entscheidung mit dem hohen Sanierungsbedarf des 1935 als „größte Mehrzweckhalle der Welt“ errichteten Gebäudes. Die Deutschlandhalle sei zudem unter den heutigen Bedingungen nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben, hieß es weiter. Kritiker der Entscheidung verweisen zudem auf die Absichten der landeseigenen Messegesellschaft, die das Grundstück, auf dem die Deutschlandhalle steht, gern für den Bau weiterer Ausstellungsgebäude nutzen wollen.

Der Bezirk versagte dem Senat daher die Abrissgenehmigung, da dieser nur wirtschaftliche Gründe dafür angeführt habe. Auch die öffentliche Hand dürfe nicht einfach ein Denkmal abreißen, sondern habe die Verpflichtung, es zu erhalten, so Gröhlers Standpunkt. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) wies im Juni das Bezirksamt von Charlottenburg-Wilmersdorf daraufhin an, mit dem Landesdenkmalamt Einverständnis in der Frage der Deutschlandhalle herzustellen. Da das Landesdenkmalamt jedoch kein Einverständnis herstellen will, befolgte der Bezirk die Weisung nicht. Seitdem herrscht in dem Konflikt Stillstand.

Vielleicht schafft es Schwenkow ja, diesen Stillstand zu beenden, wenn sich die Zahlenprüfungen weiterhin so positiv zeigen wie bislang. „Das ist mehr als wahrscheinlich, und dann werden wir in Ruhe die ersten politischen Gespräche führen, denn wir wissen ja, dass für die Deutschlandhalle eine andere Planung vorliegt“, sagt Schwenkow.