Psychodruck

Berliner Piratenchef Gerhard Anger tritt zurück

Überraschend hat der Vorsitzende der Berliner Piratenpartei seinen Rücktritt erklärt. Er halte der emotionalen Belastung nicht stand, sagte Gerhard Anger. Erst vor wenigen Wochen hatte Marina Weisband ihren Rückzug aus dem Bundesvorstand erklärt.

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Der Vorsitzende der Berliner Piraten, Gerhard Anger, zieht sich aus der Parteispitze zurück. Dies teilte Anger am Sonnabend zum Auftakt des Landesparteitags mit.

Als Grund nannte er den immensen Druck und die hohen Erwartungen, mit dem man in einem politischen Spitzenamt konfrontiert sei. „Ich ertrage diese emotionale Belastung nicht“, sagte Anger. Deshalb kandidiere er nicht für eine weitere Amtszeit. „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut“, sagte er.

Die mehreren hundert Parteimitglieder im Saal reagierten auf die überraschende Ankündigung mit großem Beifall. Anger entschuldigte sich für seine kurzfristige Entscheidung, nicht mehr zu kandidieren.

Anger war seit Anfang 2011 Vorsitzender der Berliner Piraten. Der 36-Jährige führte den Landesverband in die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im vergangenen September. Dort erzielten die Piraten ein Ergebnis von 8,9 Prozent und zogen erstmals in ein deutsches Landesparlament ein.

Wer Anger als Landeschef folgen wird, war zunächst noch unklar. Bis zum Start des Parteitags war davon ausgegangen worden, dass er bei den anstehenden Vorstandswahlen wieder kandidiert. Daneben wollte sich die bisherige Schatzmeisterin Katja Dathe bewerben. Insgesamt gibt es 16 Kandidaten für die Parteispitze.

Erst Ende Januar hatte Marina Weisband überraschend ihren Ausstieg aus dem Bundesvorstand der Piratenpartei angekündigt. Sie gab gesundheitliche Gründe und ihr Studium an, welches sie abschließen wolle. Die bei den Mitgliedern sehr beliebte Weisband war zur bekanntesten Vertreterin der Partei geworden und überzeugte auch viele Kritiker der Piraten bei ihren öffentlichen Auftritten.