Kinderporno-Links

Anonymous entschuldigt sich bei Piraten

In einem Online-Dienst der Piratenpartei, dem Piratenpad, sind Kinderporno-Links aufgetaucht - die Piratenpartei hat Anzeige erstattet. Inzwischen hat sich das Hackerkollektiv Anonymous dazu bekannt, die Links dort platziert zu haben - und sich entschuldigt.

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Nach dem Auftauchen einer Seite mit Kinderporno-Links auf einem Server der Piraten hat der Parteivorstand Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. „Wir sind entsetzt. Die Piratenpartei kämpft gegen Kinderpornographie. Es ist widerlich, dass ausgerechnet das Piratenpad jetzt für solche Links genutzt wird“, teilte Parteivorsitzender Sebastian Nerz mit . Nach Absprache mit dem zuständigen Landeskriminalamt sei der Server abschaltet worden.

Inzwischen hat sich das Hackerkollektiv Anonymous dazu bekannt, die Links auf der frei zugänglichen Kommunikationsplattform gesammelt zu haben. In einer Mitteilung an die Piratenpartei heißt es: „Hallo Piraten, hier ist Anonymous. Wir haben euer Pad als Plattform genutzt, um untereinander Informationen für die #OP Innocence zu sammeln und zu ergänzen.“ Mit „OP Innocence“ wird innerhalb des losen Aktivistenverbundes Anonymous eine Aktion gegen Kinderpronographie bezeichnet.

In der Mitteilung heißt es weiter: „Wir hatten nicht die Absicht, die Piratenpartei in irgendeiner Weise mit Kinderpornographie in Zusammenhang zu bringen. Es war ein Fehler von uns, welchen wir sehr bedauern. Es war nicht beabsichtigt, dass dieses Pad an die Öffentlichkeit gelangt und somit die Links zu den gefundenen Seiten weiter verbreitet werden.“

Das „Piratenpad“ ist eine Art kollaborativer Texteditor: Mehrere Personen können damit an einem Dokument arbeiten; alle Änderungen bleiben erhalten – so lassen sich beispielsweise Veranstaltungen oder Debatten aus der Sicht mehrerer Schreiber gleichzeitig protokollieren. Die Einträge sind per Browser in Echtzeit sichtbar, zudem ist eine Chatfunktion integriert. Das Piratenpad, bislang erreichbar unter den Web-Adressen www.piratenpad.de und www.piratenpad.eu , ist nun vorerst offline.

Das Problem ist: Eine Kontrolle ist praktisch unmöglich, so die Piraten. Denn der Dienst kann „von beliebigen Personen genutzt werden“ – das tut unter anderem der Deutsche Evangelische Kirchentag. „Rein technisch ist eine Kontrolle der Inhalte von Piratenpads nicht möglich“ – schon aufgrund der schieren Zahl der einzelnen „Unter-Pads“, die inzwischen von Nutzern innerhalb des Dienstes angelegt worden sind: über 100.000. Die Piratenpartei sieht sich insofern lediglich in der Lage, im Nachhinein zu reagieren: „Wie in großen Webforen oder Anwendungen wie Google Docs kann die Piratenpartei nur auf Meldungen reagieren – und tut dies auch unverzüglich.“

In der mutmaßlichen Anonymous-Stellungnahme heißt es weiter, die auf dem Piratenpad veröffentlichten Links hätten „nichts mit Kinderpornographie direkt zu tun“. Vielmehr handele es sich um „Links zu Foren, in welchen sich pädophile Menschen treffen und austauschen“. Anonymous entschuldigt sich bei den Piraten: „Wir bedauern diesen Fehler zutiefst und versichern, dass so etwas nicht wieder vorkommen wird.“