Negativrekord

Berlins Beamte sind sieben Wochen im Jahr krank

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Joachim Fahrun

In Berlins Ämtern und Dienststellen fällt täglich jeder zehnte Mitarbeiter wegen Krankheit aus. Die Fehlzeiten im öffentlichen Dienst sind inzwischen doppelt so hoch wie die im Durchschnitt aller berufstätigen Berliner.

Die Mitarbeiter in Berlins öffentlichem Dienst fallen im Durchschnitt sieben Wochen pro Jahr wegen Krankheit aus. An einem normalen Arbeitstag fehlt in den Dienststellen und Ämtern der Haupt- und Bezirksverwaltungen jeder zehnte Mitarbeiter aus gesundheitlichen Gründen. Damit liegt der Krankenstand in der Berliner Verwaltung rund doppelt so hoch wie der Durchschnitt aller berufstätigen Berliner.

Diesen Befund liefert der „Betriebliche Gesundheitsbericht für das Land Berlin 2010“ der Senatsverwaltung für Inneres und Sport. Der BKK-Gesundheitsreport hatte vor drei Wochen für alle Berliner Beschäftigten einen Krankenstand von 18,3 Tagen ergeben. Damit lag die Hauptstadt unter den BKK-Versicherten an der Spitze. In Bayern fehlten die Beschäftigten im Durchschnitt nur 12,9 Tage.

In der Berliner Verwaltung hat sich der Krankenstand auf hohem Niveau auch noch deutlich negativ entwickelt. Jeder Beschäftigte fehlte 2010 im Durchschnitt 2,3 Kalendertage länger – also eine halbe Arbeitswoche – als 2009. Die Gesundheitsquote sank um 0,6 Prozentpunkte von 90,9 auf noch 90,3 Prozent. Noch 2007 waren im Normalfall 91,5 Prozent der Mitarbeiter gesund. Dabei meldeten sich Beamte häufiger krank als Angestellte.

Am Mittwoch werden die Abgeordneten im Hauptausschuss über die steigenden Fehlzeiten in der Berliner Verwaltung beraten. In einem Schreiben verweist Innen- und Sportstaatssekretär Andreas Statzkowski, der zurzeit Innensenator Frank Henkel (CDU) vertritt, auf das hohe Durchschnittsalter. Dieses sei von 2009 auf 2010 von 48,8 Jahre auf 49 Jahre gewachsen. Bei den Beschäftigten über 50 Jahren sei die Gesundheitsquote, also der Anteil der anwesenden Mitarbeiter, zwar stärker gestiegen als im Durchschnitt. Doch: „Auch wenn ältere Beschäftigte nicht häufiger krank sind als jüngere, so sind sie, wenn sie krank sind, in der Regel länger krank“, heißt es im Gesundheitsbericht.

Am häufigsten wegen Krankheit arbeitsunfähig sind Polizisten. Hier fehlt an einem normalen Tag jeder achte Mitarbeiter (Krankenstand 12,6 Prozent). Das liegt laut Gesundheitsbericht jedoch vor allem daran, dass sie dreimal häufiger als die Mitarbeiter anderer Behörden wegen Dienstunfällen arbeitsunfähig sind. Das Gleiche gilt für die Feuerwehr. Deutlich überdurchschnittlich ist auch die Ausfallquote im Zentralen Stellenpool, wohin die Dienststellen ihre überzähligen Mitarbeiter ausgelagert haben.

In den Schulen fehlt in der Regel jeder elfte Lehrer, der Krankenstand unter den 35.000 Mitarbeitern liegt bei 8,7 Prozent. Schwer belastet sind auch die Mitarbeiter im Justizvollzug, von denen sich täglich jeder Zehnte krankmeldet. In den normalen Senatsverwaltungen sind die Beschäftigten in Klaus Wowereits Senatskanzlei am seltensten krank, am häufigsten fallen die Mitarbeiter in der Wirtschaftsverwaltung und der Sportverwaltung aus. Unter den Bezirksämtern weist Steglitz-Zehlendorf mit 8,2 Prozent den niedrigsten Krankenstand aus, Mitte mit 10,1 Prozent den höchsten.

Der Vorsitzende des Hauptpersonalrats, Klaus Schroeder, sagte, der hohe Krankenstand sei eine Folge der fehlenden Neueinstellungen, weswegen junge Leute in den Ämtern fehlten. Zudem werde die vor fünf Jahren zwischen Senat und Personalrat abgeschlossene Dienstvereinbarung Gesundheit nicht überall umgesetzt. So seien in jeder Dienststelle Gesundheitskoordinatoren vorgesehen. „Die gibt es längst nicht überall“, sagte Schroeder. Zudem müsse der Senat insgesamt mehr Wert auf Personalführung legen, um der „inneren Emigration“ der Mitarbeiter entgegenzuwirken.