Nach den Ausschreitungen von vergangenem Wochenende ist es bei der Mahnwache vor dem einst besetzten Haus „Liebig14“ in Berlin-Friedrichshain ruhiggeblieben. Zeitweise bis zu 60 Menschen erinnerten am Donnerstag friedlich an die Räumung vor einem Jahr, sagte ein Polizeisprecher. Auch für den späteren Abend rechneten die Sicherheitskräfte nicht mit Gewaltausbrüchen. „Unabhängig davon sind wir jederzeit in der Lage, rechtzeitig und angemessen auf Störungen zu reagieren“, betonte ein Sprecher.

Einige Teilnehmer der Mahnwache spielten auf Instrumenten oder ließen Musik vom Band laufen. Ein Clown sorgte für Belustigung, indem er Polizisten nachäffte. Aufgestellte Grabsteine mussten wieder abgebaut werden, da es sich um „nicht genehmigte Aufbauten“ handelte. Auf der Straße selbst waren nur wenige Beamte zu sehen. Die deeskalierende Strategie erinnert an die zum 1. Mai: Bleibt alles ruhig, hält sich die Polizei im Hintergrund.

Mit der Mahnwache sollte an die Räumung des Hauses an der Ecke Liebigstraße/Rigaer Straße vor einem Jahr erinnert werden. Damals waren 2500 Polizisten und Wasserwerfer im Einsatz. Die Beamten benötigten Stunden, um die Besetzer aus dem verbarrikadierten Gebäude zu holen. Sie wurden mit Böllern, Flaschen und Steinen beworfen. Bis in die Nacht zogen Randalierer durchs Viertel. 82 Menschen wurden festgenommen, 61 Polizisten verletzt.

Danach wurde „Liebig14“ zum Reizthema, das bis heute unter dem Stichwort „Gentrifizierung“ für Ärger sorgt. Weil die Gegend aufgehübscht wird, steigen die Mieten. Die angestammte alternative Szene wird verdrängt. In Folge dessen sollen schon neue Anwohner attackiert worden sein.

Für diesen Sonnabend ist eine Demonstration gegen steigende Mieten geplant. Unter dem Motto „Return of the Living Dead!“ („Rückkehr der Untoten“) wollen Protestler dann als Zombies geschminkt ihren Unmut kundtun. Laut Polizei haben die Veranstalter 500 Teilnehmer angemeldet, mit Ausschreitungen sei jedoch nicht zu rechnen. Auf einer linken Internetseite hieß es jedoch: „Wir machen unsere Melancholie zu einer Waffe!“

Bei Ausschreitungen am vergangenen Wochenende nach einer Demo gegen Polizeigewalt waren mehr als 70 Menschen festgenommen worden. Fast 50 Polizeibeamte wurden verletzt. Linksautonome hatten am Sonnabendnachmittag in Neukölln zu randalieren angefangen. Die Krawalle setzten sich dann bis in die Nacht vor dem „Liebig14“-Haus fort. Beobachter hatten danach von einem „Auftakt für mehrere Krawall-Wochen in Berlin“ gesprochen.

dpa/dapd/sei/bee