Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat Akzeptanz für die vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) vorgelegten Flugrouten für den neuen Hauptstadtflughafen gefordert. Die Abwägung der Bundesbehörden sei aus Berliner Sicht ein Kompromiss, sagte Wowereit am Donnerstag. Er begrüßte es, dass nun endlich Klarheit herrsche.

Die Geschäftsführung des Flughafens sei nun aufgefordert, Betroffene weiter beim Lärmschutz zu unterstützen, sagte Wowereit. Darüber hinaus betonte er, die Eröffnung des neuen Flughafens in Schönefeld gehe zeitgleich mit der Schließung des Airports Tegel einher, was Tausende Berliner von bisherigem „massivem Fluglärm“ entlaste.

Im Gespräch mit dem Berliner Radiosender 104.6 RTL kritisierte Wowereit die angekündigten Klagen: „Es muss auch mal Ruhe einkehren“, sagte Wowereit. Er zeigte sich sicher, dass der Eröffnungstermin des neuen Hauptstadt-Airports gehalten wird. Zwar könnten die Gegner klagen, doch seien bisher alle Prozesse im Interesse des Flughafens geklärt worden.

Flugrouten-Gegner wollen sich bei der EU bescheren

Bürgerinitiativen betroffener Anwohner haben rechtliche Schritte gegen die Flugrouten angekündigt. Eine Beschwerde bei der EU-Kommission sei bereits vorbereitet, sagte Rechtsanwalt Wolfgang Baumann. Die Friedrichshagener Bürgerinitiative und die „Grüne Liga“ erwarten, dass die EU-Kommission die Routenentscheidung bei der Bundesregierung beanstandet, weil die Umweltverträglichkeit der Flüge über das Naherholungsgebiet nicht geprüft wurde. Um eine Klage zu verhindern, müssten die Routen dann überarbeitet werden.

Bundesamt sieht keine Alternative zum Müggelsee

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) hatte die endgültigen Strecken am Donnerstagvormittag vorgestellt und damit weitgehend die bisherigen Planungen bestätigt. Demnach genehmigte die Behörde das Überfliegen des Müggelsees in 1150 Meter Höhe. Auch der Wannsee wird zur Flugschneise. In Brandenburg ist besonders der Ort Blankenfelde-Mahlow betroffen.

Planerisch verantwortlich war die Deutsche Flugsicherung (DFS). Beraten wurde die Behörde auch durch die mit Gemeindevertretern besetzte Fluglärmkommission. „Fluglärmschutz der Bevölkerung stand im Mittelpunkt der Abwägungen, das ging aber nicht überall“, sagte BAF-Direktor Nikolaus Herrmann. Gleichwohl sei die Menge des Fluglärms „schlicht und ergreifend“ durch die zugelassene Menge bei An- und Abflügen vorgegeben. In unmittelbarer Nähe des Flughafens komme es daher zu Doppelbelastungen. Für die Anwohner fehlten deshalb Lärmpausen.

Nach Angaben von Herrmann war die Festlegung der Abflüge gen Osten von der Nordbahn in Schönefeld via Müggelsee unumgänglich. Ohne diese Route wären die Belastungen für die anderen Gegenden südöstlich von Berlin „sehr hoch“. Vor allem Erkner würde in diesem Fall doppelt belastet, was sich wiederum für das vorgelagerte Müggelheim als „unzumutbar“ erwiesen hätte. Durch das Abknicken nach Norden über den Müggelsee werde der Fluglärm für Müggelheim und Erkner „deutlich reduziert“.

Ramsauer sagt Überprüfung

Dagegen sei es für Starts in Richtung Westen von der Südbahn gelungen, Flüge von Blankenfelde „so weit wie möglich wegzuschieben“. Die Routenführung bei Starts in Richtung Westen von der Nordbahn über Blankenfelde-Mahlow sei hingegen „unvermeidlich“ gewesen. Die Gemeinde werde „massiv“ betroffen. „Wir konnten die Abflüge nicht anders führen“, sagte Herrmann.

Er kündigte an, dass der tatsächliche Betrieb ab Juni ausgewertet werde. Dazu gehörten auch die Routen über Blankenfelde-Mahlow und den Müggelsee. Auf der Basis dieser Auswertungen könne dann über „kleine Ergänzungen und Modifikationen“ geredet werden. Dabei seien vor allem die Fluglärmkommission und die Betreiber des Flughafens sowie die Fluggesellschaften gefragt. Sie sollten nach den ersten Erfahrungen mit den Abläufen möglicherweise neue Betriebskonzepte vorlegen, sagte Herrmann.

Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagte den betroffenen Anwohnern erneut eine Überprüfung der Lärmbelastung zu. „Die heute vorgestellten Flugrouten sind nicht in Beton gegossen“, sagte der CSU-Politiker am Donnerstag. Innerhalb eines Jahres könne man auf Grundlage der gewonnenen Daten über die An- und Abflugschneisen neu beraten.

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BMO/dpa/ap