Morgenpost Online: Herr Neubeck, Berlins Innensenator Ehrhart Körting hat gefordert, „Bahn-Knotenpunkte besser schützen“ zu lassen, gemeint sind offenbar wichtige und zentrale Einrichtungen im DB-Netz. Geht das? Wird das aufgegriffen?
Gerd Neubeck: Seit Jahresbeginn haben wir ein neues Sicherheitskonzept initiiert und dies nochmals nach dem Zwischenfall am 23.Mai dieses Jahres am Berliner Ostkreuz modifiziert. Das Konzept zeigt mit dem Fund der nicht gezündeten Brandsätze seine Wirksamkeit.
Morgenpost Online: Welche Folgen haben die jüngsten Anschläge auf die Sicherheitsstrategie des DB-Konzerns: Sind ein Strategieschwenk und neue Taktiken geplant? Wird allgemein „aufgerüstet“, mit mehr Streifen, mehr Personal, mehr Kameras?
Neubeck: Ganz grundsätzlich darf nicht vergessen werden, dass die Abwehr extremistischer Gewalt eine Aufgabe der Polizeibehörden ist. Das, was wir möglich machen können, tun wir. Unsere Raumstreifen, die entlang der Infrastruktur patrouillieren, sind nur ein Beispiel.
Morgenpost Online: Sind solche Anschläge in Berlin und Brandenburg wirklich nicht zu vermeiden?
Neubeck: Die Deutsche Bahn hat ein Streckennetz von insgesamt 34.000 Kilometern. Eine lückenlose Überwachung ist schlicht unmöglich. Für mich geht es darum, die Wurzeln dieses Übels zu bekämpfen, und hier sind die Polizeibehörden des Bundes und der Länder gefragt.
Morgenpost Online: Sieht sich die Bahn zunehmend im Fokus von Anschlägen?
Neubeck: Die DB ist immer wieder Opfer von extremistischer Gewalt. Rund um die Castor-Transporte stellen wir mehr Aktivitäten fest. Einen steigenden Trend kann ich jedoch nicht erkennen.
Morgenpost Online: Sind die Bahn und ihr Sicherheitskonzept den Anforderungen überhaupt gewachsen, was wird dafür ausgegeben?
Neubeck: Wir haben unsere Sicherheitskräfte in diesem Jahr von 3200 auf 3700 erhöht und investieren rund 160 Millionen Euro in die Sicherheit bei der Deutschen Bahn. Ich kann aber nur betonen, dass nicht wir extremistische Gewalt bekämpfen können, sondern der Staat.
Morgenpost Online: Kann man den Kunden auch jetzt noch erzählen: Bahnfahren ist sicher?
Neubeck: Von einem durchtrennten oder verbrannten Signalkabel geht für gewöhnlich keine Gefahr aus, da der Bahnverkehr dann einfach zum Stillstand kommt. Die Auswirkungen für unsere Kunden sind jedoch mehr als lästig.
Morgenpost Online: Ist Videoüberwachung auf Berliner S-Bahnhöfen geplant?
Neubeck: Wir verfolgen derzeit die Strategie, mehr Sicherheitskräfte auf den Bahnhöfen und in den Zügen einzusetzen. 500 Mitarbeiter sind im Großraum Berlin tätig. Sicherheitskräfte können handeln, Videokameras nur zusehen.




