In letzter Minute

Anschlag auf Berliner Hauptbahnhof verhindert

Einem aufmerksamen Bahnmitarbeiter ist es zu verdanken, dass ein Brandanschlag am Berliner Hauptbahnhof in letzter Minute vereitelt werden konnte. Unbekannte hatten mehrer Brandsätze an Gleisen befestigt. Bereits am Morgen war ein Anschlag auf die Strecke Berlin-Hamburg verübt worden.

Am Berliner Hauptbahnhof ist am Montag offenbar in letzter Minute ein Brandanschlag verhindert werden. Ein Bahnmitarbeiter entdeckte gegen 11.45 Uhr entlang der Gleise nördlich der Tunnelausfahrt mehrere verdächtige Gegenstände, wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte. Dabei habe es sich um Brandsätze gehandelt, die brennbare Flüssigkeiten enthielten.

Die Bundespolizei sperrte zunächst die Fundstelle im Hauptbahnhof-Tunnel an der nördlichen Einfahrt für Ermittlungen ab, so der Sprecher. Die Bahn leitete Fern- und Regionalzüge um. Der Hauptbahnhof selbst war nicht gesperrt.

Die Sperrung der Nord-Süd-Tangente konnte kurz nach 13 Uhr wieder aufgehoben werden. Zuvor hatten Kriminaltechniker die Brandsätze entschärft. Die Untersuchung der Brandsätze und die Ermittlungen übernimmt das Landeskriminalamt.

Fahrgäste in Berlin und Brandenburg müssen sich dennoch auf längere Wartezeiten und Umleitungen einstellen. Betroffen ist aus und nach Berlin der gesamte Nord-Süd-Verkehr in Richtung Hamburg und München, wie ein Bahnsprecher sagte.

Die Tunneleinfahrt am Hauptbahnhof liegt gut 200 Meter vom Bahnhof selbst entfernt, der nicht gesperrt wurde. Laut Bahn hatte ein Mitarbeiter bei zusätzlich veranlassten Streckenkontrollen entdeckt. Spezialisten trugen die Behälter mit brennbaren Flüssigkeiten in Tüten davon. Die Polizei will die Brandsätze nun detailliert untersuchen.

Ob weitere Brandsätze in Berlin versteckt sind, ist unklar. Die antimilitaristische Gruppe mit dem Namen Hekla schreibt in ihrem Bekennerschreiben von „Sabotagehandlungen an mehreren Kabelschächten“, die mit Brandbeschleunigern und elektronischen Zeitgebern die Hauptstadt in den „Pausenmodus“ legen sollten. Warum die Brandsätze nicht zündeten, ist noch nicht bekannt. Nach Angaben der Bundespolizei ähnelt die Herangehensweise einem Anschlag am Morgen.

Am Montagmorgen hatte ein Brandanschlag die Strecke Berlin-Hamburg nordwestlich von Berlin unterbrochen. Die Bundespolizei ließ verlauten, dass Unbekannte zwischen den Bahnhöfen Brieselang und Finkenkrug zwei Brandsätze in Kabelschächte gesteckt hatten. Einer von ihnen zündete und zerstörte die Signalkabel. Laut eines Bekennerschreibens der antimilitaristischen Gruppe Hekla war die Aktion gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr gerichtet. „Deutsche Soldaten morden weltweit“, heißt es in dem Schreiben, das auch Freiheit für den inhaftierten US-Soldaten Bradley Manning fordert. Das US-Militär wirft ihm vor, Interna an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben zu haben, darunter das Video eines tödlichen Hubschrauberangriffs auf Zivilisten im Irak.

Offensichtlich ist die Hekla-Gruppe bislang nicht in Erscheinung getreten. „Inwieweit die Gruppe bisher bekannt ist oder mit anderen Personen möglicherweise in Zusammenhang gebracht werden kann, ist derzeit völlig unklar“, sagte LKA-Sprecher Toralf Reinhardt. Ein Zusammenhang mit vergleichbaren Anschlägen sei aber nicht auszuschließen.

Hekla ist der Name eines isländischen Vulkans. Der Name eines Vulkans auf der Insel spielte nach Informationen des „Tagesspiegels“ (Dienstag) auch eine Rolle im Bekennerschreiben zu einem ähnlichen Anschlag im Mai am Berliner Bahnhof Ostkreuz. Die Täter legten damals den S-, Regional- und Fernbahnverkehr lahm. Im Februar hatte es im Vorfeld eines Castor-Transports auch einen Anschlag auf die Bahnstrecke Oranienburg-Neustrelitz gegeben.

Die Bahn reagierte empört auf die Anschläge. „Unsere Kunden sollen nach den Bekennerschreiben für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr herhalten. Das ist absolut verantwortungslos“, teilte Konzernsicherheitsleiter Gerd Neubeck mit.

Die Bahn geht davon aus, dass die Reparatur der Strecke Berlin-Hamburg zwischen den Bahnhöfen Brieselang und Finkenkrug bis Dienstagvormittag dauert. Verspätungen von bis zu einer Dreiviertelstunde sind aber bis zum Mittwochvormittag zu erwarten. Fernzüge wurden über Stendal und Wittenberge umgeleitet, die Fahrzeiten verlängern sich nach Bahnangaben um bis zu eine Stunde. Mehrere Regionallinien waren am Montag unterbrochen. Die Bahn setzte Busse auf diesen Linien ein.