Christian Nerz blickt in die Zukunft, die gar nicht mehr so weit weg ist: 2013 ist Bundestagswahl, und Mitglieder der Piratenpartei wie auch der Bundesvorsitzende Nerz werden gelegentlich gefragt, wie das wohl werden wird, nach dem Erfolg in Berlin. Und so sagte Nerz dem ZDF , er könne sich vorstellen, dass es nach der nächsten Bundestagswahl zu einer rot-grün-orangen Koalition kommt. „Wenn sich das anbietet und wenn wir die Möglichkeit haben, unsere Themen und unseren Politikstil durchzusetzen - dann ja, natürlich!“
Die Berliner Piraten sind damit nicht glücklich. Das ZDF zitiert Christopher Lauer , einer von 15 Abgeordneten der Piraten im künftigen Berliner Parlament: "Bevor wir anfangen, im Bundestag die Büros auszumessen, muss man vorher noch eine Wahl gewinnen". Nerz sollte bescheidener auftreten, „denn mit Bescheidenheit haben wir in Berlin viele überzeugt".
Martin Delius, parlamentarischer Geschäftsführer der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus sagte laut dem Bericht, die Piraten hätten es „in der jetzigen Phase nicht nötig, sich irgendeiner Koalition anzubiedern". Zudem sei Nerz' Aussage nicht durch einen Beschluss der Partei gedeckt.
Auf der Kommunikationsplattform Twitter werden die Nerz-Kritiker aus Berlin dann noch einmal deutlicher. Der Berliner Piraten-Abgeordnete Simon Weiß twittert, er habe bei Nerz „Probleme damit, dass er am laufenden Band Unsinn redet und nicht direkt legitimierte politische Aussagen trifft" . Alexander Morlang, ebenfalls neu für die Piraten im Abgeordnetenhaus, formuliert es noch etwas drastischer: „das frettchen hat versucht, als BuVo inhaltlich was zu sagen. So was failed. der soll nur verwalten.“
Am Mittwochmorgen dann trat Nerz auf - in der Bundespressekonferenz, gemeinsam mit Andreas Baum, dem Fraktionschef der Piraten im Berliner Parlament. Fast zeitgleich wurde eine neue Umfrage veröffentlicht. Demnach konnte die Piratenpartei erneut in der Wählergunst zulegen. Acht Prozent aller Deutschen würden der Partei ihre Stimme geben, wenn jetzt Bundestagswahlen wären, besagt die Umfrage des Magazins „Stern“ und des Senders RTL. Damit verbesserte sich die Partei im Vergleich zur Vorwoche um einen Punkt. Die Union blieb unverändert bei 31 Prozent, die FDP konnte um einen Punkt auf drei Prozent zulegen. SPD und Grüne büßten allerdings Stimmen ein: Die SPD verlor einen Punkt und kam auf 28 Prozent, die Grünen verschlechterten sich um zwei Punkte auf 17 Prozent. Die Linke verharrte bei sieben Prozent. Das Regierungslager aus Union und FDP lagen damit zusammen mit 34 Prozent elf Punkte hinter einem grün-roten Bündnis. Die Piraten müssten also nicht koalieren.
AFP/dino




