Andreas Baum

Piratenchef will Privatleben nicht preisgeben

Andreas Baum ist Berlins politischer Shootingstar, Gründungsmitglied der Piratenpartei und neuer Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus. Das Klischee der Computerpartei will er nicht bedienen.

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Andreas Baum, der neue Fraktionsvorsitzender der Berliner Piraten, kommt aus Kassel. Dort wurde er am 5. Juli 1978 geboren, ist waschechter „Kasseläner“. So darf sich nur nennen, wer in Kassel geboren wurde und mindestens einen Elternteil aufweisen kann, der auch aus der Stadt stammt.

Trotz dieser tiefen Verwurzelung finden sich für Baums politische Karriere nur wenige Anknüpfungspunkte in seiner Heimat. Mitgliedschaft im Computerclub oder einer politischen Jugendorganisation, Engagement als Schülersprecher? Fehlanzeige.

Bei ihm zu Hause seien politische Diskussionen zwar nicht auf der Tagesordnung gewesen, sagt Baum. „Aber wir waren ein politisch interessierter Haushalt.“ Er sei schon immer politisch interessiert, aber nicht politisch aktiv gewesen. Das sei erst mit den Piraten gekommen.

Baum trennt Privates und Politisches strikt

Deren Klischee als Computerpartei bedient er nicht. Seinen ersten eigenen Rechner habe er mit 17 gehabt, in der Familie habe es aber schon früher einen gegeben. „Ich kann nicht programmieren, bin kein Computer-Nerd, sondern eher der Anwender“, sagt Baum. Wenn es um Persönliches geht, gibt er sich insgesamt eher bedeckt. „Meine Schulzeit war nicht so aufregend“, antwortet er etwa knapp auf Fragen zu seiner Jugend in Kassel.

Dort machte er nach der Schule mit dem Abschluss der Fachhochschulreife eine Ausbildung zum Industrieelektroniker in einem kleinen Betrieb. Im Jahr 2000 verließ er Kassel und studierte ein Semester Medieninformatik in Siegen. Danach arbeitete er für die Telekom in Nordrhein-Westfalen. 2003 zog er nach Berlin. Dort arbeitet Baum im technischen Service eines Telekommunikationsunternehmens, mittlerweile in Teilzeit.

Auch einige persönliche Fakten gibt Baum preis: Er hat drei ältere Brüder und eine jüngere Schwester. Seine Mutter ist 1990 gestorben, sein Vater lebt nach wie vor in Kassel. „Den besuche ich öfter.“ Ansonsten gebe es nicht so viele Kontakte in seine Heimatstadt – oder keine, die er öffentlich teilen möchte. „Ich trenne Privates und Politisches sehr strikt“, stellt Baum bestimmt, aber in seiner sehr freundlichen Art klar.

Bei Facebook ist Baum nicht, twittert aber fleißig

Das passt zum Piraten. Während sich die Partei in politischen Fragen möglichst großer Transparenz verschrieben hat, setzt sie sich andererseits vehement für Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre ein. Homestorys kommen deshalb für Baum nicht infrage, ein Facebook-Profil hat er ebenfalls nicht. Der private Raum sei dort nicht stark genug geschützt.

Via Twitter gibt er hingegen regelmäßig Einblick in sein Berufs- und teilweise auch Privatleben. „Das ist schon okay, aber nicht so, dass es mir entgleitet“, erläutert Baum sein Nutzungsverhalten sozialer Netzwerke, das auch einen Account bei Google+ umfasst, wo er gleichwohl frei zugänglich kaum Persönliches zeigt.

Er habe sich abgenabelt, beschreibt Baum im Gespräch seine Beziehung zu Kassel. Trotzdem verbinde ihn mit der Stadt „schon ein besonderes Heimatgefühl“. Das dortige Geschehen verfolgt er nach eigenen Angaben mit Interesse – vor allem politisch.

Schwerpunkt liegt in Berlin

Die 2009 gegründeten Kasseler Piraten konnten bereits vor dem großen Erfolg der Partei in Berlin zwei Posten im Stadtparlament erobern und stellen zudem einen Kreistagsabgeordneten. Trotzdem freuen sie sich über die neue Prominenz des Sohnes der Stadt. „Wir merken überall ein gewachsenes Interesse“, sagt Volker Berkhout, Vorsitzender der Kasseler Piraten.

Er spricht von einem Schub, den er vor allem auf das Ergebnis in Berlin zurückführt. Aber auch gegen die Öffentlichkeit um Baum und die damit verbundene Aufmerksamkeit für seinen Verband hat er nichts einzuwenden. Eine sehr enge Verbindung zwischen Baum und den Piraten in seiner Heimatstadt gibt es gleichwohl nicht. „Losen Kontakt haben wir schon“, sagt Berkhout. Aber Baums Schwerpunkt liege in Berlin.

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