Gegen eine Mutter aus Berlin, die ihren neugeborenen Sohn aus dem Fenster geworfen haben soll, ist Haftbefehl erlassen worden. Der 40-Jährigen werde Totschlag vorgeworfen, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Montag mit.
Zuvor hatte die Mutter des tot aufgefundenen Babys die Tat gestanden. Sie habe ausgesagt, dass sie den Säugling in ihrer Wohnung zur Welt gebracht und dann aus dem Fenster geworfen hat, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Eine Obduktion habe ergeben, dass der wenige Stunden alte Junge vor dem Sturz aus dem fünften Stock noch lebte und die schweren Verletzungen des Aufpralls zum Tod führten.
Der zunächst ebenfalls tatverdächtige 44-jährige Lebensgefährte der Frau, der offenbar der Vater des Säuglings ist, und ihre 15-jährige Tochter wurden wieder auf freien Fuß gesetzt. Das Mädchen kam bei Verwandten unter.
Allmählich erhellt sich der Blick auf das Motiv der Frau für die schockierende Tat: Das Kind sei einfach nicht erwünscht gewesen, hieß es von der Berliner Staatsanwaltschaft. Die Frau soll zuvor bereits mehrere Kinder zur Welt gebracht haben und dann in fremde Obhut gegeben haben. Bekannte berichten, dass die 40-Jährige versucht haben soll, in der Vergangenheit ihre Schwangerschaft zu verbergen.
Ein Anwohner hatte den toten Säugling am Sonntagmorgen im Hof gefunden: Er erkannte Blut sowie eine kleine Hand an einem abgestellten blauen Müllsack und rief die Polizei. Blutspuren führten in eine Wohnung im fünften Stock, die dann von einem Spezialeinsatzkommando gestürmt wurde.
Die Polizisten trafen die 40-Jährige, ihren vier Jahre älteren Lebensgefährten und die 15 Jahre alte Tochter an und nahmen zunächst alle drei fest. Der Lebensgefährte der Frau ist der Polizei als Gewalttäter bekannt.
„Nicht verwirrt – eher kühl“
Die Mutter mache keinen verwirrten Eindruck – „eher einen kühlen“, sagte der Sprecher. Die dringend Verdächtige habe ausgesagt, weder der Mann noch die Tochter hätten etwas mit dem Tod des Kindes zu tun. Die Frau sei am Sonntag ambulant medizinisch behandelt worden und sitze jetzt im Polizeigewahrsam.
Gerüchte, wonach Drogen eine Rolle gespielt haben könnten, wies die Polizei am Montag zurück. „Ein Drogen- oder Trinkermilieu ist nicht erkennbar.“
Es ist nicht das erste Mal, dass in Berlin ein Baby aus dem Fenster geworfen wurde. Weihnachten 2010 hatte ein ähnlicher Fall erschüttert. Eine 20-Jährige aus Rumänien hatte ihr Neugeborenes in den verschneiten Hof ihrer Berliner Wohnung geworfen. Der Kleine starb an Unterkühlung. Die Frau wurde im Juni zu einer Bewährungsstrafe wegen Totschlags von zwei Jahren verurteilt. Das Landgericht ging von einer extremen Ausnahmesituation der Frau aus.
dpa/dapd/ap/tj

