Ein totes Neugeborenes ist am Sonntag in Berlin im Innenhof eines Mehrfamilienhauses gefunden worden. Das Baby hatte wohl jemand aus einem der höheren Stockwerke in den Hof geworfen, so die Polizei. Ein Anwohner entdeckte den Jungen gegen 8.30 Uhr auf dem betonierten Platz im Ortsteil Charlottenburg. Zunächst hieß es, es handele sich um den Ortsteil Westend. Der 67-Jährige alarmierte die Polizei. Die Obduktion ergab, dass der Junge durch den Aufprall ums Leben kam, wie Morgenpost Online aus Polizeikreisen erfuhr. Zuvor war unklar, ob das Baby noch am Leben war.

Blutbedeckte Gegenstände vor einer Wohnungstür in der fünften Etage lieferte dem alarmierten Spezialeinsatzkommando der Polizei (SEK) eine schnelle Spur, woher das Kind stammen könnte. In der Wohnung ließen sich die 40 Jahre alte Mutter des Babys, ihre 15-jährige Tochter sowie ein Mann widerstandslos abführen. Der 44-Jährige wurde sofort festgenommen. Er soll den Behörden nach Informationen von Morgenpost Online bereits wegen Kindesmisshandlung bekannt sein. So soll er 2009 wegen Kindesmisshandlung bzw. Misshandlung von Schutzbefohlenen aufgefallen sein. Der 44-Jährige soll außerdem im Jahr 2003 wegen eines Tötungsdeliktes beschuldigt worden sein. Der Ausgang der Ermittlungen ist derzeit nicht bekannt.

Die Polizei bestätigte, dass er als Gewalttäter aktenkundig sei. Daher hätten die Einsatzkräfte „gute Gründe gehabt“, gezielt in diese Wohnung im Haus zu gehen.

Die 40-Jährige hatte das Kind erst in der Nacht zu Sonntag und nach Polizeiangaben „ganz offenkundig“ in der Wohnung entbunden. Anwohnern zufolge hatte die 40-Jährige vor der Geburt versucht, ihren Baby-Bauch zu verstecken. Die Staatsanwaltschaft und die Mordkommission haben die Ermittlungen übernommen.

Den Innenhof sperrten die Einsatzkräfte weiträumig für die Spurensicherung und Vermessungen des Tatorts ab. Ein Hund, der sich ebenfalls in der Wohnung befunden hatte, wurde in eine Tiersammelstelle gebracht, um die Spurensicherung zu ermöglichen.

Erst im Dezember 2010 hatte eine junge Frau ihr Neugeborenes aus dem Fenster ihrer Berliner Wohnung in den verschneiten Hinterhof geworfen. Das Kind starb kurz darauf an Unterkühlung. Die Frau wurde im Juni 2011 vom Berliner Landgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

dpa/sei/tj/mb