Occupy-Protest

Kapitalismuskritiker umzingeln Reichstag

Mit Pfeifen und Trommeln gegen die Auswüchse des Kapitalismus: Etwa 8000 Menschen haben sich am Sonnabend auf dem Washingtonplatz am Berliner Hauptbahnhof versammelt, um gegen die Macht der Banken zu demonstrieren. Dabei waren Occupy-Aktivisten, Attac-Mitglieder und Gewerkschafter.

Tausende Kapitalismuskritiker kamen, genug um die Zentrale der Macht zu umzingeln. Rund 8000 Demonstranten haben am Samstag nach Veranstalterangaben eine Menschenkette rund um das Berliner Regierungsviertel gebildet. „Das war ein guter Zwischenschritt“, sagte der Sprecher des Netzwerks Attac, Stephan Lindner. Dies gelte umso mehr, da man ja erst dabei sei, die Bewegung aufzubauen. Auch ein Polizeisprecher zeigte sich sehr zufrieden mit dem Verlauf der Kundgebung. Sie sei völlig friedlich und ohne Zwischenfälle verlaufen.

Zu der Kundgebung gegen die Macht der Banken hatten die Netzwerke Attac und Campact sowie der Naturfreunde aufgerufen. Auch die Occupy-Aktivisten, die seit Tagen in der Nähe des Kanzleramtes und des Reichstags zelten, waren auf der Demonstration zu sehen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Gewerkschaft Verdi und die Entwicklungshilfe-Organisation terre des hommes zählten ebenfalls zu den Unterstützern. Zeitgleich fand in der Bankenmetropole Frankfurt am Main eine weitere Demonstration statt, an der etwa 10.000 Menschen teilnahmen.

Glühwein für eine gute Stimmung unter den Teilnehmern in Berlin gab es nicht, dafür hatten die Organisatoren aber eine kostenlose vegane Kürbissuppe, gekochtes Gemüse und Obstsalat im Angebot. Außerdem wurden die Demonstranten – darunter auch der Kreuzberger Bundestagsabgeordnete der Grünen, Christian Ströbele – von mehreren Musik-Wagen begleitet. Gruppen mit Trillerpfeifen und Trommel-Einlagen sorgten für lautstarke Unterstützung, auf Transparenten forderten Teilnehmer „Echte Demokratie jetzt“ oder „Die Welt ist keine Ware“. Auf einem anderen Plakat stand nur das Wort „Sklavenaufstand“.

Im Anschluss an die „Umzingelung“ versammelten sich rund 2000 Menschen vor dem Brandenburger Tor zu einer Abschlusskundgebung. In mehreren Reden trugen unter anderem Vertreter der Occupy-Bewegung ihre Anliegen vor. In einem gemeinsamen Aufruf hatten die Veranstalter zuvor die Bundesregierung aufgefordert, das Wohl der Menschen in den Mittelpunkt der Politik zu stellen.

Bereits am Freitag waren in Berlin Mitglieder der Occupy-Bewegung mit einem „Karneval der Empörten“ humorvoll unterwegs gewesen. Sie zogen verkleidet vor das Brandenburger Tor und beteten dort symbolisch eine Demonstrantin mit Merkel-Maske und einen „Finanzhai“ an.