Jahrelang hatte sich ein 26-jähriger Hobbyeisenbahner an Kindern und Jugendlichen vergangen. Seine Opfer fand er bei der Parkeisenbahn Wuhlheide. Inzwischen ist Daniel P. wegen 47-fachen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen verurteilt. Doch schon einen Tag nach dem Urteil deutet sich an, dass es unter den Mitarbeitern der Parkeisenbahn offenbar noch weitaus mehr Sexualtäter gab, die dort Kinder missbrauchten. Nach Informationen von Morgenpost Online stehen sechs weitere Männer unter dringendem Tatverdacht.

Justizsprecher Tobias Kähne sagte am Mittwoch auf Anfrage, inzwischen gebe es zwei weitere Anklagen gegen jeweils zwei Tatverdächtige, ebenfalls ehemalige Mitarbeiter der Parkeisenbahn. Eine Anklage werde demnächst vor dem Landgericht, die zweite vor dem Amtsgericht verhandelt. Der älteste Angeklagte ist 39 Jahre alt, das Alter der anderen liegt zwischen Mitte und Ende 20. Einer der vier Männer soll zur Tatzeit noch Heranwachsender gewesen sein, gegen ihn wird voraussichtlich nach Jugendrecht verhandelt.

Aus Justizkreisen hieß es am Mittwoch zudem, gegen einen weiteren mutmaßlichen Täter sei inzwischen ein Strafbefehl ergangen und im Fall eines sechsten Tatverdächtigen sei Anklage erhoben, aber noch nicht zugestellt worden. Insgesamt soll es sich um mehr als 40 Einzeltaten handeln.

Acht Jahre lang Jungen missbraucht

Erst am Dienstag war die Hauptverhandlung gegen Daniel P. beendet worden. Acht Jahre lang, zwischen 2000 und 2008, missbrauchte der heute 26-Jährige Kinder und Jugendliche. Bei seiner ersten Tat war er 15, sein Opfer elf Jahre alt. Er missbrauchte den Jüngeren in einem Zug der Parkeisenbahn, „bei einer Fahrt durch den Wald“. Weitere Taten verübte P. in anderen Einrichtungen der Freizeitanlage in der Wuhlheide, etwa in einem Salonwagen des Zuges oder in einem Stellwerk. Auch in seinem Zimmer daheim in der Wohnung seiner Eltern verging sich P. an seinen Opfern. Einige Male kam es lediglich zu intimen Berührungen, mehrfach aber auch zum Geschlechtsverkehr. Das ganze Ausmaß der insgesamt 47 von P. verübten Taten kam erst im Herbst vergangenen Jahres ans Licht. Damals hatte sich ein in den Jahren zuvor mehrfach missbrauchter Junge seiner älteren Schwester anvertraut. Sie erstattete sofort Anzeige bei der Polizei.

Zwei Jahre Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, verhängte das Schöffengericht am Dienstag gegen Daniel P. Ein Urteil, das sofort von vielen Seiten als zu milde kritisiert wurde. Die Verhandlung war nicht öffentlich, ein Großteil der richterlichen Urteilsbegründung blieb daher unbekannt. Doch Bewährungsstrafen sind bei den etwa sechs bis sieben Fällen dieser Art, die durchschnittlich pro Woche in Moabit verhandelt werden, bei weitem keine Seltenheit.

Geständnis als Milderungsgrund

P. ist ohne Zweifel zugute gekommen, dass er nach dem milderen Jugendrecht verurteilt wurde, dort steht nicht die Strafe, sondern der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Auch seine Bereitschaft zu einer Therapie gegen seine pädophilen Neigungen dürfte zu seinen Gunsten bewertet worden sein, ebenso wie die Tatsache, dass die meisten Taten schon lange zurückliegen. Ein ganz entscheidender Milderungsgrund, gerade bei Sexualdelikten, ist zudem ein Geständnis des Angeklagten. Daniel P. hatte die Taten gestanden. Damit ersparte er seinen Opfern eine Aussage vor Gericht, das wird von Richtern grundsätzlich positiv bewertet und kann die Strafe mildern.

Daniel P. war seit seinem elften Lebensjahr bei der Parkeisenbahn aktiv. Auch die Männer, gegen die jetzt Anklage erhoben wurde, arbeiteten dort ehrenamtlich. Der 26-Jährige brachte es bis in Führungspositionen, diese nutzte er nach Ansicht der Richter auch, um sich seine Opfer, die in der Anlage ihre Freizeit verbrachten, gefügig zu machen.

Mehr Schutz für die Kinder

Die Verantwortlichen bei der Parkeisenbahn reagierten nach Bekanntwerden der Fälle schnell. Gegen alle Verdächtigen wurden umgehend Hausverbote erlassen. „Außerdem haben wir danach Präventionsseminare durchgeführt. In denen wurde Kindern und Eltern von Fachleuten erklärt, wie man sich gegen sexuelle Übergriffe wehren kann. Und Mitarbeiter erfahren unter anderem, wie man mögliche Sexualtäter und Hinweise auf Gefährdungen von Kindern frühzeitig erkennen lassen“, sagte Ernst Heumann, der Geschäftsführer der Parkeisenbahn.

„Es ging uns dabei nicht nur um eine lückenlos Aufklärung der Vorfälle, wir müssen und werden vor allem alles tun, um solche Dinge künftig zu verhindern und den bislang guten Ruf der Parkeisenbahn zu retten“, beteuerte Heumann am Mittwoch. Dazu gehört, dass alle Mitarbeiter inzwischen ein erweitertes Führungszeugnis vorweisen müssen und zur Teilnahme an den Präventionsseminaren verpflichtet sind.