Hells Angels

Polizei fürchtet Rockerkrieg mit den "Mongols"

Weil sie Zeugen bedroht und geschlagen haben sollen, stürmte das SEK erneut das Clubheim der Rocker und nahm Beschuldigte fest. Mittlerweile liegen der Polizei auch Informationen vor, dass sich die "Mongols" wieder in Berlin etablieren wollen.

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Erneut hat ein Großaufgebot der Polizei das Clubhaus der „Hells Angels Berlin City“ an der Residenzstraße in Reinickendorf gestürmt. Vorausgegangen waren Bedrohungen gegen einen Zeugen, der zwei Verdächtige beschreiben konnte. Zwei Rocker der Gruppe um den Türken Kadir P. wurden bei dem Zugriff verletzt, die beiden Gesuchten später in ihren Wohnungen überwältigt.

Rückblick: Am 23. September wurde ein 18 Jahre alter Intensivtäter festgenommen, der an der Usedomer Straße in Wedding einen 76-Jährigen in dessen Wohnung beraubt hatte. Der Mann wird von einem 20 Jahre alten Zeugen belastet, der jetzt von mehr als zehn Angehörigen der „Hells Angels Berlin City“ bedroht und geschlagen wurde, um die Anzeige gegen ihren Bekannten zurückzuziehen. Der Zeuge informierte die Polizei und beschrieb die beiden Haupttäter.

Während die Kripo am Montagabend richterliche Beschlüsse besorgte, wurden 40 Angehörige der Bereitschaftspolizei angefordert. Wegen der Gefährlichkeit der Hells Angels wurde das diensthabende Team des Spezialeinsatzkommandos (SEK) sowie ein zusätzliches alarmiert. Gegen 2 Uhr erfolgte in den Morgenstunden des Dienstag der Zugriff, sieben Rocker wurden überwältigt, die Gesuchten später zu Hause festgesetzt.

Kadir P. im Visier der Polizei

Erst in der vergangenen Woche hatte es einen vergleichbaren Einsatz an der gleichen Adresse gegeben, um Waffen sicherzustellen und den Machenschaften der Rocker um Kadir P. ein Ende zu setzen. Denn nach Angaben von Ermittlern sind es eben diese türkischstämmigen Rocker, von denen immer wieder Gewaltaktionen ausgehen. So verhinderte am 16. August nur das zufällige Erscheinen der Polizei eine Schlägerei zwischen den Hells Angels um Kadir P. und den Bandidos in Reinickendorf. Am 27. August gab es eine Schlägerei unter Rockern an der Boxhagener Straße in Friedrichshain, Zeugen identifizierten erneut Kadirs Männer. Am 8. September wurden Angehörige der Straßengang „The Streetfighters“ mit Hieb- und Stichwaffen angegriffen, um sie als Unterstützer für die „Hells Angels Berlin City“ zu gewinnen. Zweimal schon musste die Polizei Auseinandersetzungen zwischen den Hells Angels und den Bandidos am Schöneberger Winterfeldtplatz verhindern, die von der Gruppe um Kadir P. ausgegangen sein sollen.

Nach Angaben von Experten könnte die Führung der „Hells Angels Berlin City“ auf Bundesebene bald in Ungnade fallen, weil durch die ständigen Gewaltausbrüche immer wieder die Polizei auf den Plan gerufen werde und sich die Sicherheitsbehörden mit Vereinsverboten beschäftigen könnten. Dabei, so Angehörige des Landeskriminalamts, könnte das Problem längst aus der Welt sein – vor drei Jahren soll Kadir P. versucht haben, einem Türsteher in den Hals zu stechen, der sich nur durch eine schnelle Bewegung retten konnte. Doch bislang wurde kein Gerichtstermin gefunden, obwohl die Staatsanwaltschaft sofort Anklage erhoben und Kadir P. zeitweilig gar in U-Haft gesessen hatte. Ein Gerichtssprecher sagte auf Anfrage, dass „andere vorrangige Haftsachen dem entgegenstehen, um die sich zuerst gekümmert werden müsse“.

Inzwischen hat die Polizei auch Erkenntnisse, dass sich die aus Amerika stammenden „Mongols“ wieder in Berlin etablieren wollen, was den schwelenden Krieg in der Szene weiter anheizen könnte. Die Mongols gelten als Erzfeinde der Hells Angels. In einer polizeiinternen Gefährdungsbewertung vom 9. September kommen Experten zu dem Schluss, dass „auch die Anwendung scharfer Schusswaffen einzukalkulieren ist“, wenn konkurrierende Gruppen aufeinander treffen.