Rockerbande

Krimineller Klan plant Übertritt zu Bandidos

Der Konflikt konkurrierender Rockerbanden könnte sich in den kommenden Wochen und Monaten zu einem Ethno-Krieg entwickeln. Arabische Großfamilien drängen in die Rockerszene.

Nach Informationen von Morgenpost Online hat die Hauptstadtpolizei Hinweise darauf, dass eine berüchtigte arabische Großfamilie Pläne zum Übertritt zu den gefürchteten Bandidos schmiedet. Wie aus Kreisen der Staatsanwaltschaft und der Polizei verlautete, soll mit der Aktion ein Gegenpol zu den von dem Türken Kadir P. angeführten Hells Angels Nomads Turkiye geschaffen werden. Dieser war in diesem Jahr mit knapp 80 Gefolgsleuten aus den Reihen der Bandidos ausgeschert und zu den Hells Angels übergetreten. „Araber und Türken sind nicht gut aufeinander zu sprechen. Wenn sich diese kriminellen Ausländergruppen jetzt unter dem Deckmantel der Rockerkutten bekämpfen, ist eine Eskalation vorprogrammiert. Das hat dann mit dem Rockerleben überhaupt nichts mehr zu tun, dann ist es nur noch ein Gegeneinander von rivalisierenden Klans.“

Einen Vorgeschmack auf den aufkeimenden Konflikt hatte es in der vergangenen Woche gegeben, als ein dem Umfeld von Kadir P. zuzuordnender Intensivtäter von Angehörigen einer arabischen Großfamilie an der Emser Straße in Neukölln niedergeschossen worden war. „Dieser Intensivtäter ist selbst arabischer Abstammung, was den Hells Angels anscheinend egal ist. Man kann sich also vorstellen, wie sie dann erst mit den Türken umspringen werden.“ Nachdem die Höllenengel in den vergangenen Jahren mehr und mehr an Einfluss verloren hatten, was Macht- und Gebietsverlust bedeutete, konnten sie durch die Adaption bis dato verfeindeter Rocker in den letzten Monaten punkten. „Der Übertritt des Bandidos El Centro zu den Feinden ist in der Geschichte der Rocker-Bruderschaften ein einzigartiger Vorgang“, so ein szenekundiger Beamter. „Obwohl Kadir P. eine brutale Körperverletzung zulasten eines führenden Höllenengels in Berlin vorgeworfen wird, konnte er ohne Konsequenzen die Seiten wechseln und wurde dort auch größtenteils mit offenen Armen begrüßt.“

Wie Morgenpost Online erfuhr, soll sich einer der höchsten Hells Angels Deutschlands diesen Verrat einiges haben kosten lassen. „Es gibt Gerüchte, wonach Kadir P. zwischen 250.000 und 500.000 Euro bekommen haben soll. Kurz darauf wurde er in einem Mercedes AMG gesehen, seine Frau bekam ebenfalls einen solchen Wagen“, so ein Polizist. Seine Männer hätten ein ordentliches Handgeld bekommen.

Entgegen anders lautenden Statements der Pressesprecher der Bruderschaften geht es nach Erkenntnissen der Polizei um Drogen, Waffen, Prostitution und Schutzgelderpressung. „Das sind alles Deliktfelder, in denen sich auch die arabischen Großfamilien umtun. Sich den Bandidos anzuschließen könnte eine rein wirtschaftliche Entscheidung sein.“ Den an den Schüssen auf den Intensivtäter beteiligten Männern – Nidal R. soll nach seiner Haftentlassung von Kadir P. rekrutiert worden sein – werden Kontakte zu den Rockern der Mongols in Bremen nachgesagt. Diese ebenfalls aus Amerika stammende Vereinigung ist mit den Hells Angels bis aufs Blut verfeindet, ein Undercover-Polizist konnte sich in den USA erst nach einem vorgetäuschten Mord an einem Mongol in die Bruderschaft der Höllengel einschleichen.

„Es gibt Aussagen, wonach eine der führenden arabischen Großfamilien aus Berlin bereits mit diesen Hells-Angels-Kontrahenten Kontakt aufgenommen haben soll“, so ein Beamter. „Zuerst ging es wohl darum, auch in Berlin einen Mongol-Ableger ins Leben zu rufen. Doch dieser hätte bei den herrschenden Verhältnissen keine Chance auf ein Erstarken gehabt. Deswegen hat man sich nach bisherigem Erkenntnisstand darauf verständigt, die Bandidos zu stärken und den Hells Angels damit in die Suppe zu spucken“, so der Polizist weiter. Brisant könnte diese Entwicklung auch dadurch werden, dass bislang insgesamt zwei Großfamilien ihre Streitigkeiten beilegen wollen, um die Kutte der Bandidos zu tragen und eine im wahrsten Sinne des Wortes schlagkräftige Truppe zu haben, die es beim Kampf um die Vorherrschaft in Berlin – auch in den Diskotheken und Nachtklubs – mit den immer stärker werdenden Hells Angels aufnehmen kann.

Auf Berlins Polizei könnte demnach eine Menge Arbeit zukommen. Denn während die Rockerbanden ihre Grabenkämpfe früher überwiegend im eigenen Milieu ausgetragen hatten und ihre Wirkungsstätten bekannt waren, könnte nach Angaben eines Zivilfahnders durch die zunehmende „Verausländerung“ der Bruderschaften der Konflikt brutaler denn je werden. „Auch wenn es bei den Rockern immer recht rau zuging, so gab es dennoch so etwas wie Ehre und Gesetze, die nicht gebrochen wurden. Die Angehörigen der Großfamilien haben einerseits ein anderes Temperament und scheren sich nicht um einstige Absprachen. Die Rockerbanden werden zunehmend zur Gefahr für die Bürger, wenn sie sich auf offener Straße beschießen und keine Rücksicht auf Passanten nehmen.“