Wahl-Blog

Endergebnis - FDP verhungert bei 1,8 Prozent

Berlin hat gewählt: FDP raus, Piraten rein - und Klaus Wowereit verliert seinen Wahlkreis an den CDU-Konkurrenten. Das vorläufige amtliche Endergebnis: SPD 28,3 Prozent, CDU 23,4 Prozent, Grüne 17,6 Prozent, Linke 11,7 Prozent, FDP 1,8 Prozent, Piraten 8,9 Prozent.

+++ 0.45 +++ Stimmen ausgezählt - das vorläufige amtliche Endergebnis

Die SPD hat die Berlin-Wahl trotz Einbußen klar gewonnen. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis der Landeswahlleiterin kommen die Sozialdemokraten von Regierungschef Klaus Wowereit auf 28,3 Prozent (2006: 30,8). Auf Platz zwei landete die CDU mit 23,4 Prozent (2006: 21,3), gefolgt von den Grünen mit 17,6 Prozent (2006: 13,1) und der Linken mit 11,7 Prozent (2006: 13,4). Die FDP scheiterte mit 1,8 Prozent klar an der Fünf-Prozent-Hürde. Neu im Parlament ist die Piratenpartei, die auf Anhieb 8,9 Prozent erreichte.

Die Sitzverteilung laut vorläufigem amtlichen Endergebnis: SPD 47 Sitze, CDU 39, Grüne 30, Linke 20, Piraten 15. Eine rot-grüne-Koalition hätt nur eine knappe Mehrheit von 77 Sitzen. Koalition mit der CDU - die käme auf 86 Sitze - wäre komfortabler.

Nach dem vorläufigen Ergebnis verloren die Sozialdemokraten bei der Wahl am Sonntag 2,5 Prozentpunkte, die CDU kam auf ein Plus von 2,1 Punkten. Die Grünen mit Spitzenkandidatin Renate Künast legten deutlich zu (plus 4,5 Prozent). Die bisher mit der SPD regierende Linke verlor (-1,7 Punkte). Die FDP stürzte mit einem Minus von 5,8 Punkten in der Wählergunst ab und scheiterte mit 1,8 Prozent klar an der Fünf-Prozent-Hürde. Dioe Piratenpartei, die auf Anhieb 8,9 Prozent erreichte, hatte sozusagen punktgenau kalkuliert: Sie erhält 15 Sitze – genau so viele Kandidaten hatte die Partei auf ihrer Liste.

+++ 0.13 +++ Piratenpartei auf Anhieb in allen Berliner Bezirksparlamenten

Noch ein orangener Erfolg: Die Piratenpartei hat auf Anhieb den Sprung in alle zwölf Berliner Bezirksparlamente geschafft. Bei den Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) überwand sie am Sonntag locker die Drei-Prozent-Hürde, wie aus Hochrechnungen der Landeswahlleiterin hervorgeht. Ihr bestes Ergebnis erreichte die Partei in Friedrichshain-Kreuzberg, wo sie nach Auszählung von 99,2 Prozent der Stimmen auf 14,2 Prozent kam.

+++ 23.36 +++ Rechtsextreme NPD in vier Bezirksparlamenten

Die rechtsextreme NPD hat bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl am Sonntag etwa 2,1 Prozent der Stimmen erreicht. Das ist ein halber Prozentpunkt weniger als vor fünf Jahren, wie die Landeswahlleiterin nach Auszählung von 98,2 Prozent der Stimmen mitteilte. In mehreren Bezirksparlamenten hat die Partei jedoch die Drei-Prozent-Hürde übersprungen. Ihre Kandidaten könnten nach den bisherigen Hochrechnungen in die Bezirksverordnetenversammlungen von Treptow-Köpenick (4,5 Prozent), Lichtenberg (3,7), Marzahn-Hellersdorf (4,1) und möglicherweise auch Neukölln (3,0) einziehen. Bereits bei der Wahl vor fünf Jahren war die NPD in diese Bezirksparlamente eingezogen. Die NPD hatte im Wahlkampf für Empörung gesorgt, indem sie Ausländern eine gute Heimreise wünschte und – etwa vor dem Jüdischen Museum – den Slogan „Gas geben“ plakatierte.

+++ 23.25 +++ Künast will fordernd mit SPD verhandeln

Die Grünen-Spitzenkandidatin in Berlin, Renate Künast, will in Koalitionsverhandlungen mit der SPD grüne Inhalte durchsetzen. „Wir wollen gegenüber der SPD nicht als einfacher Ersatz für die Linken bereitstehen“, betonte Künast am Sonntagabend in der ARD. „Eine Regierung Grün und Rot ja, aber dann muss auch grüne Zukunftspolitik bei Bildung, Mieten und fairen Jobs drin sein.“ Die SPD mit Klaus Wowereit an der Spitze kann nach Hochrechnungen sowohl mit den Grünen als auch mit der CDU eine Regierung bilden.

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+++ 23.20 +++ Wowereit weicht der K-Frage aus

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“ der Frage ausgewichen, ob er nach seinem dritten Wahlsieg in Folge 2013 als SPD-Kanzlerkandidat bereit stünde. „Ich freue mich, dass alle darüber reden, dass wir 2013 die Kanzlerschaft übernehmen“, sagte Wowereit. Weiter sagte der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende: „Selbstverständlich muss jemand nominiert werden, der die richtige Antwort ist für die Politik, die die SPD den Bürgern anbietet.“ Über die Frage der Kanzlerkandidatur entscheide die SPD Ende 2012. Außerdem sei es doch schön, dass die SPD mit Parteichef Sigmar Gabriel, Fraktionschef Frank Walter Steinmeier und dem früheren Finanzminister Peer Steinbrück mehrere Kandidaten habe. Kurz zuvor hatte Wowereit zu möglichen bundespolitischen Ambitionen im ZDF gesagt, die Berliner hätten ihn gewählt. „Den Regierungsauftrag will ich erfüllen. Und die nächste Legislatur dauert fünf Jahre.“

Nach seinem Wahlsieg in Berlin wollte sich Wowereit trotz größerer inhaltlicher Nähe zu den Grünen als zur CDU nicht auf eine rot-grüne Koalition festlegen. Er warte das vorläufige amtliche Endergebnis ab, sagte der SPD-Regierungschef. Zumal es derzeit so aussehe, dass die SPD mit den Grünen nur ganz knapp vorn liege. Klar sei aber, „dass SPD und Grüne die Alternative darstellen zur desaströsen schwarz-gelben Bundesregierung“.

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+++ 22.48 +++ Die Wahl in Berlin dominiert Twitter - fast

"Trending Topics" sind die Phrasen, die bei Twitter besonders viele Nutzer gebrauchen - dazu gibt es eine ständig aktualisierte Hitliste. Am Vormittag war "liebe berliner" ein Trending Topic, weil viele Twitterer ihre Follower und dort die "lieben Berliner" aufforderten, doch bitte zur Wahl zu gehen. Nun ist "#berlinwahl" Trending Topic, der Hashtag, ein Tweet-Schlagwort, mit dem Mitteilungen auf dem Kurznachrichtendienst gekennzeichnet werden. Platz zwei bei den Trending Topics - aber eben nur Platz zwei. Davor: "Love Vegas" - eine Filmkomödie aus dem Jahr 2008 mit Cameron Diaz und Ashton Kutcher. Lief am Abend auf RTL lief.

+++ 22.35 +++ Grüne gewinnen in Kreuzberg den "Wahlwettkanpf der Migranten"

Die Grünen haben im Berliner Wahlkreis 3 in Friedrichshain-Kreuzberg den „Wettkampf der Migranten“ gewonnen. SPD, CDU, Linke und Grünen hatten dort türkischstämmige Kandidaten aufgestellt. Der Grünen-Bewerber Turgut Altug, Gründer des Türkisch-Deutschen Umweltzentrums, setzte sich mit 36,9 Prozent gegen seine drei Konkurrenten durch. 2006 hatte der Grünen-Abgeordnete Özcan Mutlu den Wahlkreis mit 33,8 Prozent für die Grünen geholt.

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+++ 22.30 +++ Koppelin redet Berliner FDP-Debakel klein

Nach dem verheerenden Ergebnis der FDP bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin hat Schleswig-Holsteins FDP-Chef Jürgen Koppelin den Misserfolg seiner Partei kleingeredet. „Das hier in Berlin war so eine Art Kommunalwahl“, sagte Koppelin im ZDF. Insgesamt werde der Kurs von Parteichef Philipp Rösler positiv von den Wählern angenommen, dies zeigten auch aktuelle Umfragen. Koppelin kritisierte allerdings die Strategie, die Berlin-Wahl zur Abstimmung über den Euro-Kurs zu erheben. Dies sei „nicht witzig“. Darüber werde sicher noch geredet werden müssen.

+++ 22.28 +++ Wowereit erwartet harte Verhandlungen mit Grünen

Bei der Regierungsbildung in Berlin erwartet Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) schwierige Koalitionsverhandlungen mit den Grünen. „Es gibt ein paar harte Punkte, wo die Grünen sich eindeutig bekennen müssen, eine Politik für die Entwicklung dieser Stadt zu machen“, sagte Wowereit am Sonntagabend im ZDF. Dazu gehörten große Infrastrukturprojekte wie den neuen Flughafen und den Weiterbau der Autobahn A 100. „Mir geht es vor allem um eine Haltung, wie macht man eine Politik für die wirtschaftliche Entwicklung in dieser Stadt“, sagte der SPD-Politiker. Die SPD werde deshalb sowohl mit den Grünen als auch mit der CDU eine Regierungsbildung sondieren. „Ich gehe gerne in Verhandlungen mit Optionen.“ Am Ende müsse auch berücksichtigt werden, wie komfortabel eine Mehrheit wäre. „Man muss fünf Jahre regieren können, da darf es keine Wackelei geben.“ Nach Hochrechnungen hätte Rot-Grün eine Mehrheit von nur einem Sitz. Rot-Schwarz käme auf eine komfortable Mehrheit von elf Sitzen.

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+++ 22.12 +++ Trotz FDP-Desaster: Rösler lehnt persönliche Konsequenzen ab

Der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler will trotz des Debakels bei der Wahl in Berlin keine persönlichen Konsequenzen ziehen. „Für mich war immer klar, das wird ein schwerer Weg“, sagte der Bundeswirtschaftsminister in der ARD-Sendung „Günther Jauch“. Auf diesem Weg befinde sich die FDP nun. „Insofern heißt es jetzt, daran weiter zu arbeiten, dass die Ergebnisse besser werden“, sagte Rösler. Persönliche Konsequenzen lehne er ab. Die Partei habe vor der Bundestagswahl 2009 hohe Erwartungen geweckt, etwa beim Thema „Mehr Netto vom Brutto“ und dies nicht immer erfüllt. „Die Bundespartei steht nicht besonders gut da“, räumte der Vizekanzler ein. Rösler verteidigte trotz des Wahlausgangs seine öffentliche Äußerung, im Notfall auch über eine geordnete Insolvenz Griechenlands nachzudenken. „Die führenden Wirtschaftswissenschaftler haben sich klar hinter mein Konzept gestellt“, sagte Rösler. Seine Aufgabe sei es zu führen und Mut zu haben, bestimmte Entscheidungen zu treffen.

+++ 22.09 +++ Wahlforscher: Künast bekommt Niederlage bundespolitisch zu spüren

Nach Ansicht des Parteienforschers Oskar Niedermayer wird die Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast ihre Niederlage in Berlin auch bundespolitisch spüren. „Die Übermacht Trittins wird stärker werden“, sagte der Politologe von der FU Berlin. Bereits am Montag werde Künast wohl der Berliner Landespolitik den Rücken kehren. Künast war bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus deutlich mit ihrem Ziel gescheitert, den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) abzulösen. Den großen Erfolg der Piratenpartei schätzte Niedermayer als „Berliner Spezifikum“ ein. Die Partei sei mit ihrem Wahlkampfthema „Transparenz“ in Berlin auf fruchtbaren Boden gestoßen und habe viele Protestwähler auf ihre Seite ziehen können. Auf andere Länder sei das nicht so leicht zu übertragen.

+++ 21.37 +++ Wowereit siegt - und scheitert in seinem Wahlkreis

Der SPD-Spitzenkandidat und Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat bei der Abgeordnetenhauswahl kein Direktmandat gewonnen. In seinen Wahlkreis in Charlottenburg-Wilmersdorf unterlag er knapp dem in Berlin weitgehend unbekannten CDU-Politiker Claudio Jupe. Laut Landeswahlleiterin kam Wowereit nach Auszählung von 100 Prozent der Stimmen im Wahlkreis auf 36,8 Prozent. Der Rechtsanwalt Jupe erhielt 37,8 Prozent.

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+++ 20.42 +++ Für Rot-Grün in Berlin wird es sehr knapp

SPD-Spitzenkandidat und Wahlsieger Klaus Wowereit will mit CDU und Grünen verhandeln. Allerdings Die Hochrechnungen von ARD und ZDF (Stand 20.00) sahen die SPD bei 28,4 bis 28,6 Prozent (2006: 30,8). Die CDU wurde zweitstärkste Kraft mit 23,2 Prozent (2006: 21,3). Dahinter liegen die Grünen mit 17,4 bis 17,6 Prozent (2006: 13,1), die Linke mit 11,6 (2006: 13,4) und die FDP mit 1,9 (2006: 7,6). Die Piratenpartei kam mit 8,9 bis 9,0 Prozent aus dem Stand heraus sicher über die Fünf-Prozent-Hürde. Die Sitzverteilung: SPD 47, CDU 39, Grüne 29, Linke 19 und Piratenpartei 15.

Grüne und SPD hätten also zusammen 76 Sitze - eine knappe Mehrheit bei 149 Sitzen insgesamt (der bisherige Stand im Berliner Abgeordnetenhaus).

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Die aktuellen Zahlen der Landeswahlleitern (Zweitstimmen, Auszählungsstand: 81,3 Prozent)

Berlin gesamt - Wahlberechtigte: 2.469.702

SPD 28,1 Prozent
CDU 23,3 Prozent
LINKE 11,7 Prozent
GRÜNE 17,5 Prozent
FDP 1,8 Prozent
PIRATEN 9,1 Prozent
NPD 2,1 Prozent
DIE FREIHEIT 1,0 Prozent
Sonstige 5,4 Prozent

Berlin-West - Wahlberechtigte: 1.435.197

SPD 27,5 Prozent
CDU 29,4 Prozent
LINKE 4,3 Prozent
GRÜNE 20,0 Prozent
FDP 2,5 Prozent
PIRATEN 8,8 Prozent
NPD 1,6 Prozent
DIE FREIHEIT 0,9 Prozent
Sonstige 5,0 Prozent

Berlin-Ost - Wahlberechtigte: 1.034.505

SPD 28,8 Prozent
CDU 14,1 Prozent
DIE LINKE 22,5 Prozent
GRÜNE 13,5 Prozent
FDP 1,2 Prozent
PIRATEN 10,4 Prozent
NPD 2,9 Prozent
DIE FREIHEIT 1,1 Prozent
Sonstige 5,5 Prozent

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+++ 20.02 +++ NPD in Berlin stärker als die FDP

Bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl hat die rechtsextreme NPD die Fünf-Prozent-Marke klar verfehlt, aber offenbar mehr Stimmen erhalten als die FDP. Laut einer Hochrechnung der Landeswahlleiterin nach Auszählung von 41,9 Prozent der Stimmen kommt die NPD auf 2,1 Prozent. Für die FDP votierten danach 1,8 Prozent. Auf die rechtspopulistischen Parteien Pro Deutschland und Die Freiheit entfallen 1,3 beziehungsweise 1,0 Prozent der Zweitstimmen.

+++ 19.44 +++ FDP scheitert auch an der Zwei-Prozent-Hürde

Knapp die Hälfte der Stimmen ist ausgezählt - und die FDP schafft es nach bisherigem Stand in Berlin nicht einmal über die Zwei-Prozent-Hürde, geschweige denn über die Fünf-Prozent-Hürde. Auch im Westen konnten die Liberalen, jedenfalls nach bisherigem Stand, nicht Punkten und blieben bei 2,5 Prozent - im Osten Berlins waren es gar nur 1,2 Prozent.

Berlin gesamt (Auszählungsstand 51,6 Prozent)

SPD 27,7 Prozent
CDU 23,2 Prozent
Grüne 17,3 Prozent
Linke 11,9 Prozent
FDP: 1,9

Berlin-Ost: (Auszählungsstand 46,7 Prozent)

SPD: 28,1 Prozent
CDU: 14,2 Prozent
Grüne: 13,3 Prozent
Linke: 22,6 Prozent
FDP: 1,2 Prozent

Berlin-West: (Auszählungsstand 54,5 Prozent)

SPD: 27,6 Prozent
CDU: 29,3 Prozent
Grüne: 19,9 Prozent
Linke: 4,3 Prozent
FDP: 2,5 Prozent

Quelle: Landeswahlleiterin

+++ 19.23 +++ FDP-General sieht Liberale am Tiefpunkt

FDP-Generalsekretär Christian Lindner hat das Abschneiden seiner Partei bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus als klare Niederlage gewertet. Das Ergebnis sei „ein Tiefpunkt und ein Weckruf zugleich“, sagte Lindner in Berlin. Die Niederlage der Berliner FDP sei auch „eine Niederlage für die FDP insgesamt“. Lindner empfahl seiner Partei nun „eine Phase der Nachdenklichkeit“. Sie müsse sich angesichts der gegenwärtigen Krise vor „schnellen Antworten“ hüten. Hochrechnungen zufolge kam die FDP auf etwa zwei Prozent und verpasste so den Wiedereinzug ins Abgeordnetenhaus. Lindner nahm seinen Parteivorsitzenden Philipp Rösler erneut gegen Kritik an dessen Äußerungen zu einer griechischen Staatspleite in Schutz. Rösler habe für seine „Positionsbestimmung“ viel Rückhalt bekommen, sagte Lindner. „Unsere Position zur Zukunft Europas ist die Übernahme von Verantwortung für unsere Währung und für unser Haus Europa insgesamt“, sagte er.

+++ 19.16 +++ Wowereit will mit Grünen und CDU verhandeln

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat nach dem Wahlerfolg seiner SPD Sondierungsgespräche mit Grünen und CDU angekündigt. Wowereit legte sich am Sonntagabend zunächst noch nicht auf einen Regierungspartner fest, ließ aber eine Präferenz für die Grünen erkennen: „Es gibt selbstverständlich die meisten Schnittmengen zur Partei der Grünen und nicht zur CDU, aber wir werden das sehen“, sagte er im ZDF. „Wichtig ist, dass die Grünen sich zu einer Stadtpolitik bekennen, die auf Fortschritt setzt, die auf Umwandlung setzt und nicht auf Stillstand“, fügte Wowereit aber hinzu.

Bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus hat sich die SPD Hochrechnungen zufolge mit rund 29 Prozent trotz Verlusten als stärkste Kraft behauptet. Die CDU erreichte mit gut 23 Prozent den zweiten Platz vor den Grünen mit gut 18 Prozent. Das bisherige Regierungsbündnis von SPD und Linken, die nur noch etwa 11,5 Prozent erzielten, verfügt künftig den Hochrechnungen zufolge über keine Mehrheit mehr im Abgeordnetenhaus. Die Grünen haben sich ebenso wie die CDU grundsätzlich zu einem Bündnis mit der SPD bereit erklärt. Meinungsverschiedenheiten zwischen SPD und Grünen gibt es aber unter anderem bei wichtigen Infrastrukturprojekten wie der Verlängerung der Autobahn A 100, die Wowereit befürwortet, die Grünen aber ablehnen.

Jedenfalls würde es knapp mit den Grünen: Nach den bisherigen Hochrechnungen hätte eine rot-grüne Koalition lediglich eine Mehrheit von drei oder vier Stimmen. Eine große Koalition dagegen hätte (ausgehend von 149 Sitzen wie derzeit im Abgeordnetenhaus) mit 85 oder 86 Sitzen eine recht komfortable Mehreheit.

+++ 19.02 +++ Neue Hochrechnungen: Rot-rot ist nicht mehr möglich

Laut der zweiten Hochrechnung des ZDF von 18.45 Uhr erhielt die SPD 28,5 Prozent der Stimmen (2006: 30,8). Auf Platz zwei folgt die CDU mit 23,2 Prozent (2006: 21,3). Für die Grünen stimmten 18,3 Prozent der Hauptstädter (2006: 13,1). Die Linke kam auf 11,5 Prozent (2006: 13,4). Erstmals trat die Piratenpartei an und schaffte prompt mit 8,8 Prozent der Stimmen den Einzug in ein Landesparlament. Die FDP scheiterte dagegen mit 2,0 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde (2006: 7,6). Damit kann die SPD mit 47 Sitzen (2006: 53) rechnen, die CDU kommt auf 38 Mandate (2006: 37). Die Grünen könnten 30 Abgeordnete im neuen Abgeordnetenhaus stellen (2006: 23), die Linke 19 (2006: 23). Die Piraten erhalten 15 Sitze. Die Mehrheit liegt bei 75 Sitzen. Eine Fortsetzung der rot-roten Koalition ist demnach nicht möglich.

Die zweite Hochrechnung der ARD (18.41 Uhr) besagt, dass die SPD 29,3 Prozent der Stimmen (2006: 30,8) erhielt. Auf Platz zwei folgt die CDU mit 23,5 Prozent (2006: 21,3). Für die Grünen stimmten demnach 18,1 Prozent der Hauptstädter (2006: 13,1). Die Linke kam auf 11,5 Prozent (2006: 13,4). Erstmals trat die Piratenpartei bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin an und schaffte prompt mit 8,5 Prozent der Stimmen den Einzug in ein Landesparlament. Die FDP scheiterte dagegen mit 1,8 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde (2006: 7,6). Nach dieser Hochrechnung kann die SPD mit 48 Sitzen (2006: 53) rechnen, die CDU kommt auf 38 Mandate (2006: 37). Die Grünen könnten 30 Abgeordnete im neuen Abgeordnetenhaus stellen (2006: 23), die Linke 19 (2006: 23). Die Piraten erhalten 14 Sitze.

Klaus Wowereit sagte: „Wir haben gut zusammengearbeitet, es geht jetzt leider nicht mehr.“

+++ 18.43 +++ Andreas Baum will von sich hören lassen

Andreas Baum, Spitzenkandidat der Piratenpartei, hat den Berlinern eine engagierte politische Arbeit versprochen. Das sensationelle Ergebnis von knapp neun Prozent bei der Abgeordnetenhaus-Wahl habe sich die noch junge Partei „nicht ausgerechnet“, sagte er am Sonntagabend im ZDF. „Aber wir haben das Interesse bemerkt.“ Die Berliner wollten offensichtlich, „dass sich im Abgeordnetenhaus tüchtig was verändert“, sagte er. Natürlich müssten sich die Politiker der Piratenpartei wegen fehlender Parlamentserfahrung noch einarbeiten. „Wir werden aber von uns hören lassen. Davon kann man ausgehen“, sagte er.

+++ 18.43 +++ Harald Wolf verspricht "machtvolle Opposition"

Der Berliner Linke-Spitzenkandidat Harald Wolf hat eingeräumt, dass seine Partei bei der Abgeordnetenhauswahl ihr Wahlziel nicht erreicht hat. Es gebe keine Mehrheit für eine Fortsetzung der rot-roten Koalition, sagte er am Sonntagabend bei der Linke- Wahlparty. Die Linke werde nun eine „machtvolle Opposition“ sein. Wolf sprach von „schwierigen Bedingungen“, die den Wahlkampf begleitet hätten. Es habe viele Diskussionen in der Bundespartei gegeben. Insgesamt habe die Linke in diesem Wahljahr bei fast allen Landtagswahlen die eigenen Erwartungen nicht erfüllen können. Nötig sei nun eine „gründliche Bilanzdiskussion“ in der Partei.

+++ 18.39 +++ Christoph Meyer sieht "Markenkern der FDP beschädigt"

Der Berliner FDP-Chef Christoph Meyer hat eine „bittere Niederlage“ seiner Partei bei der Berliner Parlamentswahl eingeräumt. Die Berliner Liberalen hätten sich nicht von Bundestrend absetzen können, sagte Meyer am Sonntagabend in Berlin. Mit Blick auf ein Wahlergebnis von zwei Prozent fügte er hinzu, der „Markenkern“ der FDP sei „beschädigt“. Personelle Konsequenzen schloss Meyer zunächst aus. Jetzt werde in aller Ruhe das Wahlergebnis analysiert. Da wolle man sehen, welche Fehler gemacht worden seien. Im Anschluss daran werde „der Landesverband Konsequenzen ziehen“.

+++ 18.36 +++ Linke-Chefin Lötzsch ist enttäuscht - Senatorin Bluhm auch

Die Linke-Bundesvorsitzende Gesine Lötzsch äußerte sich enttäuscht zum Machtverlust ihrer Partei in Berlin. Die Berliner Linke habe einen engagierten Wahlkampf geführt und sei dabei von vielen aus der Bundespartei unterstützt worden, sagte Lötzsch im ZDF. Die Gründe für die Verluste müssten nun analysiert werden. „Da muss man kritisch hinschauen“, sagte Lötzsch. Kritik kam von Berlins Sozialsenatorin Carola Bluhm: Die Linke-Politikerin gab den Vorsitzenden der Bundespartei eine Teilschuld am Ergebnis bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. Sie fühle sich nicht ausreichend unterstützt von der Bundesspitze, sagte Bluhm am Sonntag im ZDF. Dies sei aber nur ein Aspekte. „Wir haben nicht genug Wähler erreicht. Das gilt es in den nächsten Tagen zu analysieren“, sagte Bluhm.

+++ 18.35 +++ Künast: Mehr gewollt, weniger erreicht

Die Berliner Spitzenkandidatin der Grünen, Renate Künast, hat eine gemischte Bilanz der Wahl zum Abgeordnetenhaus gezogen. „Wir haben noch mehr gewollt und nicht alle Ziele erreicht, aber wir bleiben dran“, sagte Künast am Sonntagabend in Berlin. Dass es für eine Fortsetzung der rot-roten Koalition voraussichtlich nicht mehr reichen wird, wertete sie aber als Erfolg. Künast verwies zudem darauf, dass die Grünen das beste Ergebnis erreicht hätten, das die Partei jemals bei einer Wahl zum Abgeordnetenhaus gehabt habe.

+++ 18.33 +++ Die Partei feiert bei der FDP

Trotz des äußerst mageren Ergebnisses bei der Wahl in Berlin gab es in der FDP-Zentrale bei der ersten TV-Prognose lauten Jubel. Im Thomas-Dehler-Haus waren um 18 Uhr sogar Sprechchöre „Jetzt geht’s los“ zu hören. Die Erklärung: Der Jubel kam nicht von FDP-Mitgliedern, sondern von etwa 30 Anhängern der Konkurrenzpartei „Die Partei“ um den ehemaligen „Titanic“-Chefredakteur Martin Sonneborn, die sich eingeschmuggelt hatten. Sonneborn wollte dann auch einige Worte an die FDP-Gemeinde richten, was ihm von Ordnern aber verwehrt wurde.

Die „Guerilla- Aktion“ erklärte er dann im Saal mit den Worten: „Wir freuen uns, dass die letzte Spaßpartei in Berlin rausgeflogen ist.“ Der frühere Chef des Satiremagazins „Titanic“ verteilte dann auch noch Aufnahmeanträge für „Die Partei“. „Wir bieten FDP-Mitgliedern jetzt ein Aussteigerprogramm an.“

+++ 18.26 +++ Frank Henkel spricht vom rot-roten Ende

CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel im Abgeordnetenhaus: "Der Wahlausgang wichtiges Zeichen an den Bund" - dafür erntet er jubelt, ebenso wie für Spitzen gegen Renate Künast und die FDP. Und auch für: „Dieser rot-rote Senat hat keine Mehrheit mehr in dieser Stadt. Rot-Rot ist abgewählt.“ Henkel verlässt unter Applaus die Bühne. Jetzt gibt es Sekt.

+++ 18.26 +++ Piraten bejubeln "historischen Tag"

Der Bundesvorsitzende der Piratenpartei, Sebastian Nerz, hat den Erfolg bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin als historisch bezeichnet. Er sagte unter dem Jubel der Anhänger am Sonntagabend: „Ich freue mich riesig. Das ist ein historischer Tag für die Piratenpartei und für Deutschland.“ Die Piratenpartei zieht erstmals in ein deutsches Landesparlament ein.

+++ 18.23 +++ Ströbele sieht "viele Schnittmengen" mit der SPD

Die Grünen in Berlin stehen zum Mittregieren bereit. Es gebe „viele Schnittmengen mit der SPD“, sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele am Sonntag in der ARD. Er räumte ein, dass seine Partei das selbst gesteckte Ziel nicht erreicht habe, stärkste politische Kraft in Berlin zu werden. Dieses Ziel habe man „krachend verfehlt“. Dennoch gebe es viele Probleme in der Stadt, die mit den Grünen gelöst werden könnten. „Wir müssen diese Verantwortung übernehmen“, fügte Ströbele hinzu.

+++ 18.22 +++ CDU will mit SPD über Koalition sprechen

Die Berliner CDU ist bereit für Sondierungsgespräche über eine Koalition mit der SPD. „Es gibt keine breite Mehrheit für Rot-Grün“, sagte der Berliner CDU-Generalsekretär Bernd Krömer am Sonntagabend. „Wir werden uns Gesprächen nicht verweigern.“ Das gelte für alle „demokratischen Parteien“.

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+++ 18.20 +++ Hochrechnungen bestätigen Prognosen

Aus der Berliner Abgeordnetenhauswahl ist die SPD des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit einer ersten Hochrechnung für das ZDF zufolge als Sieger hervorgegangen. Nach der am Sonntag um 18.15 Uhr veröffentlichten Hochrechnung der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen kommen die Sozialdemokraten auf 28,7 Prozent. Die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Frank Henkel erhält 23,2 Prozent, die Grünen mit Renate Künast an der Spitze verbessern sich auf 18,4 Prozent. Die Linke verschlechtert sich auf 11,5 Prozent. Die FDP verpasst mit 2,0 Prozent klar den Wiedereinzug in das Abgeordnetenhaus, während die Piratenpartei mit 8,9 Prozent erstmals den Sprung in ein deutsches Landesparlament schafft.

Laut erster Hochrechnung der ARD erhielt die SPD 29,2 Prozent der Stimmen (2006: 30,8). Auf Platz zwei folgt die CDU mit 23,4 Prozent (2006: 21,3). Für die Grünen stimmten 17,9 Prozent der Hauptstädter (2006: 13,1). Die Linke kam auf 11,6 Prozent (2006: 13,4). Erstmals trat die Piratenpartei bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin an und schaffte prompt mit 8,6 Prozent der Stimmen den Einzug in ein Landesparlament. Die FDP scheiterte dagegen mit 1,8 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde (2006: 7,6).

Damit kann die SPD mit 48 Sitzen (2006: 53) rechnen, die CDU kommt auf 39 Mandate (2006: 37). Die Grünen könnten 29 Abgeordnete im neuen Abgeordnetenhaus stellen (2006: 23), die Linke 19 (2006: 23). Die Piraten erhalten 14 Sitze.

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+++ 18.16 +++ Grüne machen sich für SPD schön

Die Berliner Grünen wollen mit der SPD über eine Koalition verhandeln. „Wir sollten in Ruhe sondieren und dann in Verhandlungen gehen“, sagte die Landesvorsitzende Bettina Jarasch am Sonntagabend. Der umstrittene Weiterbau der Autobahn A 100 sei kein Hindernis. „Ich denke, wir können das vorher klären.“

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+++ 18.11 +++ Der Ratzmann ruft

Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann mit einer energischen Rede im Abgeordnetenhaus - er brüllt fast ins Mikrofon. Nicht alle Ziele seien erreicht worden, aber man habe allen Grund zum Feiern. Jetzt gehe es vorwärts mit Berlin.

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+++18.00 +++ Piraten drin, FDP draußen, Rot-rot ohne Mehrheit, Wowereit kann weiterregieren

Die SPD in Berlin hat die Abgeordnetenhauswahl klar gewonnen und kann mit Klaus Wowereit an der Spitze weiterregieren. Nach knapp zehn Jahren Rot-Rot deutet infolge deutlicher Zugewinne der Grünen und eines schlechten Ergebnisses der Linken vieles auf eine rot-grüne Koalition hin. Möglich ist aber auch eine große Koalition mit der CDU, die leicht zulegte. Die FDP setzte ihre Serie schwerer Niederlagen fort und flog in diesem Jahr schon zum fünften Mal aus einem Landesparlament. Die Piratenpartei zieht erstmals ein. Für eine Neuauflage der rot-roten Koalition gibt es keine Mehrheit.

Die 18-Uhr-Prognosen von ARD und ZDF sahen die SPD bei 28,5 bis 29,5 Prozent (2006: 30,8). Die CDU wurde zweitstärkste Kraft mit 23 bis 23,5 Prozent (2006: 21,3). Dahinter liegen die Grünen mit 18 bis 18,5 Prozent (2006: 13,1), die Linke mit 11,5 Prozent (2006: 13,4) und die FDP mit 2 (2006: 7,6). Die Piratenpartei kam mit 8,5 bis 9 Prozent sicher über die Fünf-Prozent-Hürde. Daraus ergibt sich den Prognosen zufolge folgende Sitzverteilung: SPD 47 bis 48, CDU 38 bis 39, Grüne 29 bis 30, Linke 19 und Piratenpartei 14 bis 15. Die Wahlbeteiligung lag mit gut 59 Prozent leicht über dem Wert von 2006 (58,0).

Prognose ARD:

SPD 29,5 Prozent
CDU 23,5 Prozent
Grüne 18,0 Prozent
Linke 11,5 Prozent
Piraten 8,5 Prozent
FDP 2,0 Prozent

Prognose ZDF:

SPD 28,5 Prozent
CDU 23,0 Prozent
Grüne 18,5 Prozent
Linke 11,5 Prozent
Piraten 9,0 Prozent
FDP 2,0 Prozent

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+++ 17.18 ++++ Friedrichshain-Kreuzberg geht wählen

Um 12 Uhr lag Friedrichshain-Kreuzberg hinten, was die Wahlbeteiligung angeht. Um 16 Uhr lag die Wahlbeteiligung in Friedrichshain-Kreuzberg dagegen einen Prozentpunkt über dem Wert von 2006. Wir hören, dass es in einezelnen Wahllokalen "Mega-Schlangen" und entsprechende Wartezeiten gibt.

+++ 17.06 +++ Im Abgeordntenhaus steigt die Spannung

Der Preußische Landtag ist ab 18 Uhr der zentrale Ort der Berlin-Wahl. Dort treffen sich Politiker und Journalisten. Von dort berichten die großen Fernseh- und Hörfunkstationen spätestens ab 18 Uhr live. Doch noch ist es eher ruhig. Allerdings bilden sich an den Sicherheitsschleusen knapp eine Stunde vor der Prognose langsam Schlangen. Bei den Linken werden Gäste mit Sekt begrüßt, Bier steht auch auf den Tischen, ein Buffet ist aufgebaut. Bei der CDU ist der Saal bereits gut gefüllt, hier hält man sich jedoch eher an Orangensaft und Wasser. Ein Podium ist aufgebaut, davor platzieren sich die Fernsehteams. Bei den Grünen sind etwa fünf Gäste bislang. Sie warten direkt gegenüber die FDP. Die Liberalen haben im Vergleich zu den anderen Fraktionen einen ziemlich kleinen Saal für ihre Feier bekommen. Dafür gibt es ein riesiges Buffet. Auf den Handzetteln der SPD sind die Wahlergebnisse aller Parteien von 2001 und 2006 gelistet. Die jeweiligen Prognosen und Hochrechnungen kann man dann selbst eintragen.

+++ 17.00 +++ Wahlbeteiligung bis 16 Uhr ebenfalls niedriger als 2006

Die zweite Meldung von Landeswahlleiterin Petra Michaelis-Merzbach: Bis 16 Uhr lag die Wahlbeteiligung bei der wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus bei bei 46,0 Prozent. Damit ist die Wahlbeteiligung 1,5 Prozentpunkte niedriger als im Jahr 2006. Die höchste Wahlbeteiligung um 16 Uhr wwurde aus Steglitz-Zehlendorf gemeldet (53,4 Prozent), die niedrigste aus Marzahn-Hellersdorf (40,4 Prozent).

Mitte 42,4 (2006: 44,3, Differenz: -1,9)
Friedrichshain-Kreuzberg 44,7 (2006: 43,7, Differenz: 1,0)
Pankow 45,2 (2006: 44,8, Differenz: 0,4)
Charlottenburg-Wilmersdorf 49,3 (2006: 52,1, Differenz: -2,8)
Spandau 45,7 (2006: 48,9, Differenz: -3,2)
Steglitz-Zehlendorf 53,4 (2006: 56,9, Differenz: -3,5)
Tempelhof-Schöneberg 48,6 (2006: 51,7, Differenz: -3,1)
Neukölln 44,0 (2006: 46,4, Differenz: -2,4)
Treptow-Köpenick 47,6 (2006: 47,5, Differenz: 0,1)
Marzahn-Hellersdorf 40,4 (2006: 40,8, Differenz: -0,4)
Lichtenberg 42,0 (2006: 40,6, Differenz: 1,4)
Reinickendorf 47,8 (2006: 51,7, Differenz: -3,9)

Berlin 46,0 (2006: 47,5, Differenz: -1,5)
Berlin-Ost 44,2 (2006: 43,7, Differenz: 0,5)
Berlin-West 47,3 (2006: 50,3, Differenz: -3,0)

Angaben in Prozent/Angaben Differenz in Prozentpunkten

+++ 16.30 Uhr +++ Noch ist Zeit

Das Spiel dauert noch 90 Minuten: Um 18 Uhr schließen die Wahllokale. Also los. Wer noch unsicher ist in Sachen Wahlentscheidung:

Hier haben wir die Programme der Parteien als Wortwolken (Wordle).

Und hier gibt es den Wahl-O-Mat , der die Parteiprogramme vergleichen lässt - für die Zweitstimme. Für die Erststimme kann man das hier mit dem Kandidatencheck machen.

So. Noch ist Zeit.

+++ 14.49 +++ Schlangen in den Wahllokalen

Seltsam: Die Wahlbeteiligung ist niedrig, aber in den Wahllokalen muss man Schlange stehen, um seine Stimmen abzugeben. Wie der Partei- und Fraktionsvorsitzende der Berliner SPD, Michael Müller: Der wählte in der Seniorenfreizeitstätte „Mireille Mathieu“ in Tempelhof (ja, die heißt wirklich so). Müller kam mit Frau Claudia und Sohn Max, der als 16jähriger zum ersten Mal wählen durfte – wenn auch nur die Partei für die Bezirksverordnetenversammlung.Im Wahllokal jedenfalls war der Andrang in er Mittagszeit so groß, dass sich Warteschlangen bildeten. Facebook-Freunde von Morgenpost Online mussten teils eine Viertelstunde anstehen, bis sie an der Reihe waren. Trotzdem: Die Wahlbeteiligung ist nach ersten Hochrechnungen gering.

+++ 13.40 +++ Ein Pastor im Autohaus

Volker Strehlow macht gerade mal ein paar Minuten Pause. Die angebissene Käsestulle liegt neben ihm, der Kaffee ist fast ausgetrunken, er spielt auf einem Minicomputer herum. Strehlow, 40, Baptist und arbeitsuchender Pastor, ist Wahlvorsteher in einem nicht ganz typischen Wahllokal. Um ihn herum, in den Hinterräumen, vor allem vor der Tür, stehen Neuwagen. Das hier ist ein Škoda-Verkaufsraum. Im Eichhorster Weg in Reinickendorf ist gerade nicht viel los, am frühen Morgen sei es aber proppevoll gewesen, sagt Strehlow, ein Schnitt von knapp mehr als 50 Wählern pro Stunde. Da wäre er schon froh gewesen, wenn sie eine dritte Wahlkabine gehabt hätten. Gut, gnaugenommen haben sie eine dritte Wahlkabine, nur leider wurde vergessen, einen dritten Tisch bereitzustellen. Und die kleine Kabine auf den Boden zu stellen, das könne man ja nun wirklich niemandem zumuten.

Strehlow ist hier, weil er dem Wahlamt etwas zurückgeben möchte. Das hatte ihn damals, als er noch Theologie-Student an der Humboldt-Universität war und dort Wahlen organisierte, mit Material unterstützt. Zudem wolle er einen Dienst an der Gemeinschaft leisten, gerade in dieser Zeit, in der er sich nicht sonntags um eine Gemeinde kümmern könne. „Für Krankentransporte bin ich leider ungeeignet“, sagt er. 31 Euro bekommt er als Ausgleich für seine Mühen, aber um das Geld gehe es ihm natürlich nicht.

Er wird insgesamt sicherlich mehr als zwölf Stunden in dem Autohaus verbringen, wenn sehr viele Wähler kommen, vielleicht noch länger. Natürlich wünsche er sich grundsätzlich eine hohe Wahlbeteiligung. „Aber als Wahlvorstand hat man auch nichts dagegen, wenn es nicht zu voll wird.“ Sagt er und lacht. Er will jetzt noch ein paar Minuten Mittag machen, dann geht es weiter.

Draußen, zwischen den Autos, taucht plötzlich ein Mann mit einem breiten Grinsen auf. Ohne gefragt zu werden, sagt er: „Wir sind zehn Rentner, wir haben mal die SPD und mal die CDU gewählt, aber jetzt geben wir den jungen Leute mal eine Chance. Computer, Internet, das ist ja alles wichtig. Wir haben die Piraten gewählt, schreiben Sie das ruhig.“ Er verbeugt sich kurz, dreht sich um und verschwindet wieder hinter den Autos.

+++ 13.37 +++ Wahlbeteiligung niedriger als 2006

Wie Landeswahlleiterin Petra Michaelis-Merzbach mitteilt, die die Beteiligung an der wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus bislang niedriger als vor fünf Jahren. Bis 12 Uhr haben demnach 19,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Damit liegt die bisherige Wahlbeteiligung um 3,2 Prozentpunkte niedriger als bei der Abgeordnetenhaus-Wahl im Jahr 2006: Damals hatten bis 12 Uhr rund 22,3 Prozent der Wahlberechtigten gewählt. Derzeit ist die Wahlbeteiligung im Westteil Berlins etwas höher (19,3 Prozent) als im Ostteil (18,9 Prozent) der Stadt. Die höchste Wahlbeteiligung zur Mittagszeit wird aus Steglitz-Zehlendorf gemeldet (22,0 Prozent), die niedrigste aus Friedrichshain-Kreuzberg mit 16,6 Prozent.

Mitte : 17,1 Prozent (2006: 20,3, Differenz: -3,2)
Friedrichshain-Kreuzberg : 16,6 (2006: 18,3, Differenz: -1,7)
Pankow : 18,5 (2006: 20,5, Differenz: -2,0)
Charlottenburg-Wilmersdorf : 19,8 (2006: 24,0, Differenz: -4,2)
Spandau : 20 (2006: 23,9, Differenz: -3,9)
Steglitz-Zehlendorf : 22 (2006: 26,3, Differenz: -4,3)
Tempelhof-Schöneberg : 19,7 (2006: 23,5, Differenz: -3,8)
Neukölln : 17,8 (2006: 21,6, Differenz: -3,8)
Treptow-Köpenick : 20,6 (2006: 24,2, Differenz: -3,6)
Marzahn-Hellersdorf : 18,3 (2006: 20,5, Differenz: -2,2)
Lichtenberg : 18,9 (2006: 20,0, Differenz: -1,1)
Reinickendorf : 19,9 (2006: 24,1, Differenz: -4,2)

Berlin : 19,1 (2006: 22,3, Differenz: -3,2)
Berlin-Ost : 18,9 (2006: 21,0, Differenz: -2,1)
Berlin-West : 19,3 (2006: 23,2, Differenz: -3,9)

Angaben in Prozent/Angaben Differenz in Prozentpunkten

+++ 13.12 +++ Angriff auf Kreuzberger CDU-Geschäftstelle

Wie die Polizei mitteilt, hat es in der nacht offenbar einen Angriff auf die CDU-Geschäftsstelle in der Markgrafenstraße in Kreuzberg gegeben. Dort haben Unbekannte das Schild der Geschäftstelle aus der Verankerung in der Hauswand gerissen. Anschließend versuchten die Täter, das Schild anzuzünden. Neben dem beschädigten Schild hinterließen die Unbekannten eine kleine rote Fahne. Die Polizi vermutet einen politischen Hintergrund, der Staatsschutz wurde eingeschaltet.

+++ 13.00 +++ Kuchen, sonst nichts

Das Ambiente in der Podbielskiallee kann sich sehen lassen. Während die meisten Wähler in alten Turnhallen und Grundschulen ihre Kreuze machen müssen, dürfen die Steglitzer, zumindest hier in der Gegend, in der Königin-Luise-Stiftung wählen. Gut, auch in diesem hochherrschaftlichen Gebäude ist eine Schule untergebracht, aber der Bau macht schon was her, 104 Jahre alt ist er bereits. Im Eingangsbereich riecht es nach Kuchen, aufgeregte Zwölfjährige wuseln durch die Räume, wollen den Kuchen an den Mann bringen. Die Schulklasse sammelt für eine Skifahrt nach Österreich. Ansonsten ist nicht viel los, „wir wünschen uns schon noch mehr Trubel“, sagt einer der Wahlhelfer.

Wiebke Michaelis, 32, und Robert Renner, 26, kommen mit einem Lächeln und zwei Stückchen Käsekuchen die Treppen des Internats hinab. Der Himmel hat inzwischen ein bisschen aufgeklart, die beiden wären aber auch gekommen, wenn es den ganzen Tag weiter wie aus Eimern gegossen hätte. „Das ist mein Recht und meine Pflicht“, sagt Wiebke Michaelis. Zudem sei es eine große Motivation, mit der eigenen Stimme die extremistischen Parteien auszuschließen, sagt Renner. Von den Unmengen an Partei-Plakaten, die den Weg von ihrer Wohnung bis zum Wahllokal säumen, haben die beiden sich nicht beeinflussen lassen. „Was wir wählen, steht schon lange fest“, sagt Michaelis. Die Plakate seien er lästig, ergänzt Renner.

+++ 12.49 +++ Wowereit, Wetter, Wahlbeteiligung

Der regierende Bürgermeister und SPD-Spitzenkandidat Klaus Wowereit hofft auf eine hohe Wahlbeteiligung: „Je weniger Berliner wählen gehen, je mehr gewinnen kleine Parteien überproportional an Bedeutung“, sagte Wowereit. Auch sei angesichts des wechselhaften Wetters sei eine Prognose zur Wahlbeteiligung und damit zum Wahlausgang schwierig - wobei es da, wir erwähnten das schon, laut einer wissenschaftlichen Untersuchung keinen nachweisbaren Zusammenhang gibt.

Es komme teilweise auf ein bis zwei Prozent an, sagte Wowereit mit Blick auf das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und Grünen bei den letzten Umfragen. Eine Koalitionsaussage machte Wowereit nicht: „Aus dem Wahlergebnis ergeben sich Konstellationen.“ Die SPD lag bei letzten Umfragen mit 29 bis 32 Prozent deutlich vor allen anderen Parteien.

+++ 12.28 +++ Twitter-Nutzer appellieren an Berlins Wähler

Bei dem Kurznachrichtendienst Twitter ist die Formulierung "Liebe Berliner" derzeit ein "Trending Topic" - die Phrase wird momentan besonders häufig in Tweets benutzt, maßgeblich als Wahlaufforderung: die "lieben Berliner" mögen bitte, trotz immer wieder einsetzendem Regen, ihre Stimme abgeben.

+++ 12.22 +++ Wenn Piraten wählen

Bei Berichten über Andreas Baum, den Spitzenkandidaten der Piratenpartei, war oftmals zu lesen, dass er lässig gekleidet sei. Das könnte man nun wieder erwähnen: Jeans, Kapuzenpulli von Iriedaily, Sportjacke von Superdry, schwarzes Piratenpartei-T-Shirt mit weißem Aufdruck, Kopfhörer. Während die meisten anderen Kandidaten aus der Stimmabgabe meist eine Art Pressekonferenz machen, brachte Schulz die Sache im Wahllokal an der Poststraße ziemlich schnell hinter sich.

+++ 12.05 +++ Der Ausweis in der Urne

Wenn es heute nach Benedikt ginge, dann gäbe es bald auf der Spree nur noch Piratenschiffe. „Und im Parlament nur Piraten!“, sagt er. Aber es geht nicht nach Benedikt, er ist erst sieben, und mit seinen Eltern Thomas Jentsch, 44, und Judith Mehler, 43, auf dem Weg in die Dietrich-Bonhoeffer-Grundschule in Westend. „Es ist uns sehr wichtig, unserem Sohn schon früh zu zeigen, dass man wählen gehen sollte“, sagt Jentsch. Schließlich gehe es dabei um direkte Einflussnahme, das gehöre zur Demokratie dazu.

Drinnen wartet Wahlvorsteherin Gerda Reichhelm, seit drei Jahrzehnten macht sie in der Schule mit, weil sie den Kontakt mit den Menschen liebe. „So komme ich unter Leute, ich sitz’ nicht so gern einfach nur vorm Fernseher rum“, sagt die 68-Jährige. Ihre Liebe zu den Menschen trägt sie immer bei sich. Bis auf die Schultern baumeln ihre Silberohrringe herab, es sind Menschen, mit Kopf, Armen und Beinen.

Mit ihren Kollegen bilde sie ein eingespieltes Team, einer bringt die Brötchen, einer backt, sie kümmert sich traditionell um die Kaffeemaschine. Etwas Besonderes passiere hier selten, sagt sie. Gut, einmal habe einer seinen Ausweis in die Urne geworfen, der musste dann um 18 Uhr noch mal wiederkommen. Aber sonst sei das hier eher eine ruhige Gegend. Bürgerlich. Hohe Wahlbeteiligung. Viele Senioren. Ständig nickt Gerda Reichhelm jemandem zu, wenn sie spricht, grüßt Menschen, die sie von der Straße kennt. Fast alle, so scheint es, kennen sie, die Wahlvorsteherin mit den türkisblau geschminkten Augen und den Menschenohrringen. Sie muss jetzt aber auch mal weiter machen, ist ja viel los.

+++ 11.56 +++ Alles pünktlich

Die Wahlhelfer waren pünktlich: Alle Wahllokale haben um 8 Uhr geföffnet - es habe am Morgen keine Probleme gegeben, sagte eine Sprecherin des Landeswahlleiters. Auch der Polizei wurden zunächst keine Störungen gemeldet.

+++ 11.47 +++ Wahlen nach Zahlen

Um was es heute geht? Ein paar Zahlen:

Es gibt: 1736 Wahllokale in 78 Wahlkreisen. Die Wahllokale haben sei 8 Uhr geöffnet, sie schließen um 18 Uhr.

Rund 2,47 Millionen Berliner sind wahlberechtigt.

Etwa 450 000 Bürger haben schon gewählt - per Briefwahl.

Entschieden wird über 130 Sitze im Abgeordnetenhaus - mindestens. Durch Überhang- und Ausgleichsmandate gibt es derzeit 149 Abgeordnete im Landesparlament.

Gewählt werden zudem die zwölf Berliner Bezirksparlamente gewählt, die die Bezirksbürgermeister bestimmen.

Erste Angaben zur Wahlbeteiligung werden am frühen Nachmittag erwartet. 2006 lag sie bei 58 Prozent.

+++ 11.00 +++ Künast, Henkel, Wowereit, Wolf und Meyer wählen

Die Spitzenkandidatin der Grünen erscheint mit ihrem Sprecher Andreas Schulz: Sie wählt Oberstufenzentrum Kraftfahrzeugtechnik am Charlottenburger Gierkeplatz, einer Berufsschule für Kfz-Mechaniker (was mancher Beobachter irgendwie ironisch findet). 11.05 Uhr betritt sie die Wahlkabine, dann gibt sie Ihre Stimme ab und sagt ins Blitzlichtgewitter: "Das ist mein Beitrag für ein grünes Rekordergebnis." Nun wolle sie abwarten, dass Tief "George" eine Regenpause einlegt und dann spazieren gehen.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und SPD-Spitzenkandidat gab seine Stimme im Jugend- und Kulturzentrum „Spirale“ in Wilmersdorf ab. Er war mit seinem Lebenspartner gekommen. Wowereit sagte: „Die Leute sollen wählen gehen, damit die Kleinen nicht so viel Macht bekommen.“ Wowereit ging gemeinsam mit seinem Lebensgefährten Jörn Kubicki wählen.

Auch CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel gibt am Vormittag seine Stimme ab, kommt im schwarzen Mantel, mit Schirm und in Begleitung seiner Eltern Peter und Luzia Henkel ins Wahllokal in der Breite Straße in Mitte. Gemeinsam mit den Eltern hatte er zuvor den Gottesdienst in der St. Hedwigs-Kathedrale besucht hatte. Henkel: „Ich fühle mich gut und bin optimistisch.“ Der Wahltag sei "entspannter als die letzten Tage“. Linke-Spitzenkandidat Harald Wolf hat sich mit einem roten Schirm gegen "George" gewappnet; den Schirm stellt er vor der Wahlkabine ab - dann geht's an Kreuze machen in der Blumen-Grundschule an der Andreasstraße in Friedrichshain. FDP-Spitzenkandidat Christoph Meyer gibt seine Stimme ebenfalls am Morgen ab.

+++ 10.55 Uhr +++ Zwischen Pils und Wahlbetrug

Peter Frackmann schaut ein wenig skeptisch drein. „So wenig wie heute war noch nie los“, sagt der 63-jährige Wahlvorsteher im „Xantener Eck“ in Charlottenburg – einem Wahllokal, das seinen Namen wirklich noch verdient. An den Wänden hängen Emaille-Tafeln aus den 20er-Jahren, Werbung für „Underberg“, „Doornkaat“, „Pilsener Urquell“, viele Alkoholika mehr, die Luft schmeckt nach altem Holz und Leder und Bier. Echter, typischer, bürgerlicher könnte eine Kneipe gar nicht riechen. Peter Frackmann ist seit 40 Jahren Wahlvorsteher, er passt hier ganz gut rein. Er arbeitet im öffentlichen Dienst, in der Senatsverwaltung für Finanzen. Auch wenn natürlich ein bestimmter Teil der Belegschaft einer Behörde zwangsverpflichtet werde, habe ihn nie jemand zwingen müssen. Das sei ja auch ein Dienst an der Demokratie, was er hier mache.

Seit sieben Uhr ist er schon hier, hat die Wahlkabinen aufgebaut, die Zettel bereitgelegt, den Schlüssel für die Wahlurne sicher verwahrt. In dem holzvertäfelten Saal, in dem das provisorische Wahlbüro eingerichtet ist, hängen hinter Frackmann die drei obligatorischen Fahnen: Berlin, rot und weiß mit dem Bären, in der Mitte die deutsche Fahne, daneben die europäische. Über Frackmann baumelt eine Lampe, der Schirm aus bemaltem Glas, sie wirft Heiligenscheinlicht auf die Freiwilligen. So langsam trudeln ein paar Wähler ein, „da werden aber sicher noch mehr kommen heute.“ 1189 könnten es maximal sein in diesem Wahlkreis, in dem „eigentlich überdurchschnittlich viele wählen gehen“, wie Frackmann sagt. Und einige von denen nehmen es offenbar mit dem Wahlgeheimnis nicht so genau. „Wir mussten schon das ein oder andere Mal einen Mann darauf hinweisen, dass er den Wahlzettel seiner Frau nicht kontrollieren darf“, sagt Frackmann. Neben dem erfahrenen Wahlvorsteher sitzt ein Neuling. Lary Schlüssel, gerade 18 Jahre alt, Gymnasiast aus Westend. Er hat sich spontan freiwillig gemeldet. Es sei schön, gebraucht zu werden, sagt er. Abhaken, das ist sein Job heute. Das klingt erst mal so, als könnte das auch ein Roboter machen, aber Schlüssel weiß, wie wichtig der Job ist. Er scheint das sehr ernst zu nehmen. Und er will es wieder machen.

+++ 10.38 +++ Piraten im Bus

In einem Bus der Linie M29 durch Kreuzberg: Das Oberdeck ist offensichtlich erst gerade gesäubert worden: Keine Graffiti, keine Aufkleber, keine Essensreste. Nur an einer Rückenlehne klebt ein Sticker der Piratenpartei. Da war jemand möglicherweise recht früh mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs.

+++ 10.38 +++ Reibungsloser Auftakt der Berlin-Wahl

Die Nachrichtenagetur dpa meldet: "Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin hat am Sonntag reibungslos begonnen". Die Nachrichtenagentur Reuters hatte zuvor gemeldet: "Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus hat gewonnen". Drei Minuten später wird die Überschrift korrigiert.

+++ 10.13 +++ Rot-grün im Regen

Auf dem Fußballfeld vor dem Tempodrom am Anhalter Bahnhof spielen zwei Fußballmannschaften, die eine in roten, die anderen in grünen Trikots. Tief "George" lässt es wieder heftigst prasseln, die Spieler sind klatschnass. Aber sie schenken sich nichts.

+++ 9.23 Uhr +++ Wählen im Zwergenland

Die Wolken in der Schivelbeiner Straße hängen tief. Dunkel und bedrohlich schweben sie reglos über der Kindertagesstätte, als wollten sie die Wähler eindringlich warnen, bloß das Richtige zu wählen. Allein: Was ist bei einer Wahl schon das Richtige? Es regnet unablässig, wer eintritt in das Wahllokal für die Bezirke 605 und 606 ist von Kopf bis Fuß durchnässt, manche ziehen nur noch zerfledderte Wahlbenachrichtigungen aus ihren Jacken. Der Eingang verkündet für den Tag auch nichts Gutes, im linken Fenster hängt ein gebastelter Baum, dessen Blätter abfallen. „Herbst“ steht darüber. Auf der Scheibe rechts klebt ein Wintermosaik. Wahlwetter sieht wirklich anders aus. Drinnen ergibt sich ein ulkiges Bild, viel zu große Menschen sitzen an viel zu kleinen Tischen, über Listen gebeugt, machen Kreuzchen und geben die Wahlscheine aus, das hat was von Gullivers Reisen. Die Riesen im Land der Zwerge.

Am Eingang bildet sich eine Schlange, schnell huschen Männer und Frauen unter den Vorsprung, der ein wenig Schutz bietet vor den Regenmassen. Kurze, unrepräsentative Umfrage ergibt: Grün hat die Nase vorn, die Piraten sind dabei, FDP nennt keiner. Na dann.

+++ 9.01 +++ Weibliche und männliche Wahlzettel

Im Wahllokal in der Bäke-Grundschule in Steglitz: Die Wahlzettel sind nach Geschlechtern und Jahrgängen gestapelt, für die Statistik. "Weiblich, 1964", wird nach Blick auf den Personalausweis befunden, die drei Wahlzettel werden von den entsprechenden Wahlzettelstapeln abgezählt. Draußen sitzen an einem Tisch zwei Herren, die Stimmen für das ZDF und die Forschungsgruppe Wahlen sammeln. Per Zufallsprinzip werden Wähler ausgewählt und befragt, wem Sie denn Ihre Stimmen gegeben haben. Das fließt später in die Hochrechnungen ein, die unmittelbar nach Schließung der Wahllokale veröffentlicht werden. Die Hochrechnungen von ARD und ZDF sowie alle anderen Wahl-Ergebnisse gibt es live ab 18 Uhr im Wahl-Center.

++++ 8.23 +++ Schlechtes Wetter = schlechte Wahlbeteiligung?

Bauernregelartig wird mitunter vorgetragen, schlechtes Wetter habe bei Wahlen eine geringe Wahlbeteiligung zur Folge. Nachweisen lässt sich das allerdings nicht: 2005 wurde in "Standort - Zeitschrift für Angewandte Geographie" der Zusammenhang von Wahlbeteiligung und Wetter untersucht. Ergebnis: Es gibt keinen. Vielmehr sei das Wetter "der meist überschätzte Faktor bei der Wahlbeteiligung". Die Studie gibt es hier als PDF .

++++ 8.00 +++ George ist da

Die Wahllokale öffnen, und "George" ist da: Es regnet wie aus Kübeln, das Tief mit dem englischen Namen hat Niederschläge und mäßige Temperaturen mitgebracht. Es wird kein schöner Wahltag, sagte Meteorologe Detlef Schulz vom Deutschen Wetterdienst: „Die Bewölkung nimmt zu, nur selten zeigt sich die Sonne“. Immer wieder falle dabei schauerartig verstärkter Regen. Auch seien leichte Gewitter möglich. Die Temperaturen steigen Schulz zufolge auf maximal 17 Grad.Besser wird es demnach erst ab Mitte der Woche. Dann seien auch noch einmal rund 20 Grad drin.

mit Material von AFP, dapd, dpa, Reuters

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