Berlin-Potsdam

Im Regionalverkehr der Bahn herrscht Chaos

Verspätungen, mangelnde Informationen, verärgerte Fahrgäste - zum Wochenstart knirschte es im Regionalverkehr der Bahn zwischen Berlin und Potsdam. Der Grund: Bauarbeiten dauern länger, als geplant.

"Sehr geehrte Fahrgäste, herzlich willkommen in Potsdam-Charlottenhof.“ Wohl gelaunt scheppert die Ansage aus den Lautsprechern am Bahnsteig. Leider ist sie gleich in doppeltem Sinne falsch. Der Zug der Regionalexpresslinie RE1 (Eisenhüttenstadt–Berlin–Magdeburg) ist gerade in den Potsdamer Hauptbahnhof eingefahren. Und willkommen bei der Bahn fühlen sich die Fahrgäste an diesem Montagvormittag schon gar nicht. Fast 65 Minuten hat die Fahrt vom Berliner Bahnhof Friedrichstraße bis nach Potsdam gedauert. Laut Fahrplan soll der RE1 für die Strecke nur gut 30 Minuten benötigen. Mit der normalerweise deutlich langsameren S-Bahn wäre es schneller gegangen. Doch Durchsagen, die auf diese Alternative hingewiesen hätten, gab es nicht. Entsprechend verärgert waren die Reisenden nach Potsdam.

Dabei hatten diese Fahrgäste noch Glück. Immerhin ist ihr Zug gefahren. Im morgendlichen Berufsverkehr sah das anders aus. Bis nach zehn Uhr war die Strecke zwischen Potsdam und Charlottenburg noch komplett gesperrt. Die seit mehr als einer Woche laufenden Bauarbeiten an Gleisen, Weichen und Brücken, die laut Ankündigungen mit Betriebsbeginn am frühen Montagmorgen beendet sein sollten, hatten sich verzögert. „Aus Sicherheitsgründen“, so ein Bahn-Sprecher, habe man die viel befahrene Trasse nicht früher freigeben können. Die Züge der Regionalexpresslinien RE1 und RE7 (Dessau–Wünsdorf Waldstadt) mussten länger als geplant umgeleitet werden – der RE1 in weitem Bogen über Werder und Golm um den Potsdamer Hauptbahnhof herum.

Weiter Einschränkungen

Die Folgen trafen zahlreiche Berufspendler, die sich auf die Zusagen der Bahn verlassen hatten. Erst am späten Vormittag stabilisierte sich das Angebot auf der eingleisigen Strecke durch den Grunewald. Als Grund für die Einschränkungen nannte ein Bahn-Sprecher Arbeiten an einer Brücke, die nicht fristgerecht beendet worden seien. Für die fehlenden Durchsagen entschuldigte sich der Sprecher. „Das war nicht in Ordnung“, sagte er auf Anfrage von Morgenpost Online.

Die Bauarbeiten dort werden laut Bahn auch in den nächsten Tagen – voraussichtlich noch bis Mittwoch – für Einschränkungen im Regionalverkehr sorgen. Fahrgäste der privaten Märkischen Regiobahn müssen zwischen Potsdam und Babelsberg weiter auf Busse umsteigen. Die Züge der Regionalbahnlinie RB21 aus Wustermark fahren nur bis Potsdam-Hauptbahnhof statt wie üblich nach Griebnitzsee. Hans-Werner Franz, Chef des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), fordert von der Bahn mehr Verlässlichkeit. „Bauarbeiten im Schienennetz sind wichtig und notwendig, aber Baufahrpläne und Termine müssen eingehalten werden“, sagte Franz. Die Fehler müssten nun gründlich analysiert werden. „Während der Grunewaldsperrung ab Dezember darf der Verkehr auf keinen Fall so kritisch verlaufen.“

Die Bahnstrecke zwischen Charlottenburg und Potsdam wird dann für ein Jahr gesperrt. 16 Brücken werden erneuert, die zum Teil mehr als 80 Jahre alt sind und bisher nur provisorisch repariert wurden. Ohne Vollsperrung würden die Arbeiten nach Bahn-Angaben fünf Jahre dauern.