Wegen der anhaltenden Serie von Auto-Brandstiftungen in Berlin werden die Rufe nach Konsequenzen lauter. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) mahnte ein hartes Durchgreifen an. In der Nacht zum Sonnabend standen in verschiedenen Stadtteilen wieder drei Autos und ein Motorrad in Flammen. Die Polizei suchte nach einem Verdächtigen.
Innenminister Friedrich bezeichnete die nächtliche Brandserie als sehr beunruhigend. „Deswegen plädiere ich für ein hartes und konsequentes Vorgehen gegen diese Art von Kriminalität.“
Durch Fahndungserfolge und klare Urteile müsse deutlich gemacht werden, „dass sich die Bürger das nicht gefallen lassen“. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich am Donnerstag bereits besorgt über die Brandstiftungen geäußert.
70 Fahrzeuge in fünf Tagen in Flammen
Seit der Nacht zum Dienstag sind in Berlin bereits rund 70 Fahrzeuge in Flammen aufgegangen. Inzwischen findet die Berliner Brandserie offenbar auch Nachahmungstäter in Sachsen. In Chemnitz wurden in der Nacht zum Samstag innerhalb von drei Stunden sechs Brände gelegt. Acht Autos und ein Lastwagen wurden zum Teil schwer beschädigt, der Sachschaden beträgt 300.000 Euro.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sagte im RBB-Inforadio: „Kriminalität darf nicht durchgelassen werden, egal von wem sie ausgeübt wird.“ Er wies unterdessen Vergleiche mit den Londoner Krawallen oder Ausschreitungen in den Pariser Vororten zurück. „Das wäre eine völlige Überhöhung der Dinge, die hier passieren.“
Gleichzeitig nahm Wowereit die Polizei in Schutz und verwies auf die schwierige Suche nach den Brandstiftern. „Wir haben ein völlig undefiniertes Täterprofil.“ Bundesinnenminister Friedrich sagte Berlin die Unterstützung des Bundes zu. Wenn Not am Mann ist, sei die Bundespolizei zur Hilfe bereit. Allerdings sei es nicht möglich, dass der Bund dauerhaft Defizite in einzelnen Bundesländern ausgleiche.
In der Nacht wurde in der Liebigstraße in Friedrichshain ein Auto angezündet. Die Flammen beschädigten auch das davor abgestellte Fahrzeug. Nicht weit entfernt - in der Zellestraße - löschte die Feuerwehr mehrere kleine Brände in der Nähe eines abgestellten Motorrads. In beiden Fällen wird ein politischer Hintergrund vermutet.
Nachahmungstäter unterwegs
Keine Hinweise auf ein politisches Motiv gibt es bei zwei weiteren Brandanschlägen. In der Venusstraße in Altglienicke brannte ein Motorrad, in der Neustrelitzer Straße in Hohenschönhausen wurde ein weiteres Auto angesteckt. Dort sucht die Polizei als mutmaßlichen Täter einen etwa 25 Jahre alten Mann, der sich in auffälliger Weise bei einem Zeugen über den Brand erkundigt haben soll, aber noch vor dem Eintreffen der Polizei verschwand. Ob der Verdächtige auch für weitere Brände aus den vergangenen Nächten verantwortlich sein könnte, ließ die Polizei offen.
Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, hält angesichts der Anschlagsserie eine stärkere Polizeipräsenz für notwendig. „Erstens brauchen wir mehr Polizei auf der Straße“, sagte Gysi am Sonnabend in Berlin. Genauso wichtig sei es aber, mittel- und langfristig den Jugendlichen mehr Perspektiven zu geben.
„Das sind junge frustrierte Leute“, sagte Gysi mit Blick auf die unbekannten Täter, die immer wieder nachts Autos in der Hauptstadt anzünden. Ähnlich wie bei den jüngsten Krawallen in London handele es sich um Menschen, die keine Chancen in der Gesellschaft und keine beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten hätten und nicht beachtet würden. „Und dann verschaffen sie sich pubertär ein Machtgefühl.“
CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sieht neben der Polizei auch die Berliner Ordnungsämter in der Pflicht. Sie müssten ihre Mitarbeiter zu nächtlichen Patrouillen-Diensten verpflichten, um das Eigentum der Bürger zu schützen, sagte Dobrindt der Zeitung „Bild am Sonntag“.
Auch in Marburg brannte ein Auto
In Marburg sind in der Nacht zu Sonnabend zwei Autos durch Brandstiftung komplett zerstört worden. Polizeiangaben zufolge steckten Unbekannte gegen 4 Uhr früh einen Kleinwagen sowie mehrere Mülltonnen vorsätzlich in Brand. Das Feuer dehnte sich auf einen weiteren Wagen aus, der ebenfalls komplett zerstört wurde. Der Sachschaden wird auf insgesamt etwa 20.000 Euro geschätzt. Eine Verbindung zu Berlin wollte die Polizei nicht ziehen.
Politiker fordern mehr Videoüberwachung
Inzwischen wird in der Politik der Ruf nach einer verstärkten Videoüberwachung laut, um solche Brandanschläge zu verhindern. Der CSU-Innenexperte Stephan Mayer sagte der „Bild“-Zeitung: „Das Problem lässt sich nur mit einer Videoüberwachung der Brennpunkte und Problembezirke in den Griff bekommen.“ Er plädierte für einen „Feldversuch mit versteckten Kameras“, der im Erfolgsfall auf ganz Berlin ausgeweitet werden könnte.
dpa/mim



