Einschulung

Wie Erstklässler sich im Schulalltag zurechtfinden

Heute ist der erste Schultag für 26.620 Kinder. Wenn die Eltern ihre Sprösslinge in die Schule bringen, werden sie einen Alltag erleben, der nicht mehr viel mit ihren eigenen Erfahrungen zu tun hat.

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Die Erstklässler von heute kommen in die sogenannte Schulanfangsphase. Kinder lernen unterschiedlich schnell, und der Entwicklungsstand am Tag der Einschulung ist breit gefächert. Deshalb können die Schüler die ersten beiden Schuljahre in einem, in zwei oder drei Jahren durchlaufen. Diese Regelung hat der Senat vor sechs Jahren mit dem vorgezogenen Einschulungsalter eingeführt. Ein formales Sitzenbleiben gibt es in der Schulanfangsphase nicht.

Damit die Schüler schneller oder langsamer lernen können, werden die ersten beiden Jahrgänge in einer Klasse gemischt. Die Gruppen heißen nicht mehr 1a oder 1b, sondern Delfine, Sonnenblumen oder Spatzen. Zensuren gibt es in den meisten Schulen in der Schulanfangsphase nicht mehr. In Gesprächen erfahren die Eltern den Entwicklungsstand, das Zeugnis besteht aus einer schriftlichen Beurteilung. Ob es Hausaufgaben gibt oder nicht, entscheiden meist die Eltern in den Elternversammlungen. Auch die Stundenpläne haben nichts mehr zu tun mit denen, die noch vor zehn Jahren üblich waren. Neben Sport,

Musik und Kunst steht meist nur die mysteriöse Abkürzung "VU" auf dem Plan. Im "Vorfachlichen Unterricht" lernen die Kinder Deutsch, Mathematik und Sachkunde fächerübergreifend. Erstmals in diesem Schuljahr wird es einen Grundwortschatz geben. Jeder Schulanfänger erhält ein Heftchen mit den häufigsten Wörtern, die er möglichst in den ersten beiden Schuljahren kennen sollte. Die Lehrer orientieren sich in ihren Aufgabenstellungen an dem Grundwortschatz und die Eltern können darauf achten, die Begriffe häufiger zu Hause zu verwenden.

Wie lang eine Unterrichtsstunde ist, entscheiden die Schulen selbst. Einige fassen zwei Stunden zum Blockunterricht zusammen, damit Projekte besser beendet werden können. Andere verkürzen die Stunden und führen häufigere Bewegungspausen ein. Viele Schulen haben die berühmte Pausenklingel abgeschafft, sodass die Schüler oder Lehrer den begonnenen Gedanken zu Ende führen können.

Der Unterrichtstag endet nicht mehr je nach Stundenzahl, sondern immer um 13.30 Uhr. Verlässliche Halbtagsgrundschule nennt sich das Modell. Sollten die Kinder weniger Unterricht haben, werden sie auf jeden Fall bis 13.30 Uhr betreut und nicht eher nach Hause geschickt.

Für Eltern, die auf eine Betreuung am Nachmittag angewiesen sind, gibt es Horte. Derzeit haben nur berufstätige Eltern einen Anspruch auf einen Hortplatz. Elternvertreter versuchen gerade, mithilfe eines Volksbegehrens zu erreichen, dass künftig alle Kinder freien Zugang zu den Nachmittagsangeboten erhalten.

Gefordert von den Eltern ist auch, dass alle Kinder das Recht auf ein subventioniertes Mittagessen haben. Momentan gilt das nur für jene Kinder, deren Eltern einen Hortplatz bezahlen.

Ungewohnt ist für viele Eltern auch, dass sie Schulbücher selbst bezahlen müssen. Gerade zur Einschulung, wenn auch Ranzen, Federtasche und Sportzeug angeschafft werden müssen, ist das für viele Eltern eine große finanzielle Belastung. Seit dem vergangenen Jahr gibt es deshalb die sogenannten Starterpakete für Familien, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. In diesem Fall sind die Eltern von der Zuzahlung für die Schulbücher befreit.

Rigoroser als in den vergangenen Jahren will die Bildungsverwaltung ab diesem Schuljahr gegen Fehlstunden von Schülern vorgehen. Wurden bisher die Eltern erst nach dem dritten unentschuldigten Fehltag benachrichtigt, sollen sie jetzt schon am ersten Tag angerufen werden. Wichtig ist, dass die Eltern ihr Kind im Krankheitsfall gleich morgens telefonisch im Sekretariat entschuldigen. Ändern soll sich aber auch etwas bei den fehlenden Lehrern. Wegen Dauerkrankheit ausfallende Pädagogen sollen künftig sofort ersetzt werden. Das würde für weniger Ausfallstunden sorgen.