Der 25 Jahre alte mutmaßliche Doppelmörder von Wedding, Mehmet Y., ist jetzt bereits seit vier Tagen auf der Flucht. Trotz einer Öffentlichkeitsfahndung mit verschiedenen Fotos des Gesuchten sind erst 40 Hinweise zum möglichen Aufenthaltsort des bewaffneten Türken eingegangen. Eine heiße Spur hat sich daraus bislang nicht ergeben. Auch der Einsatz eines speziellen Suchhundes blieb erfolglos.

Weil Y. die Tatwaffe vermutlich immer noch bei sich hat und als hochgefährlich eingestuft wird, sind an den Fahndungsmaßnahmen auch die Angehörigen des Spezialeinsatzkommandos (SEK) beteiligt. In der Nacht zum Sonntag drangen diese Beamten erneut in die Wohnung des Mannes an der Koloniestraße in Gesundbrunnen ein. Da hielt sich der Gesuchte aber nicht auf. „Wir können eine Flucht ins europäische Ausland ebenso wenig ausschließen wie einen Selbstmord des Mannes aus Angst vor einer Verurteilung“, sagte ein Kriminalbeamter am Sonntag. Die Ermittlungen gingen deshalb in alle Richtungen und wurden auf den gesamten Schengenraum ausgeweitet.

Derweil schützen schwer bewaffnete Polizisten nach wie vor die Wohnung der Familie von Y.s Ex-Frau an der Hochstraße, in der die 24 Jahre alte Feride nach der Trennung Zuflucht gesucht hatte. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Mehmet Y. erneut versuchen könnte, seinen ursprünglichen Plan in die Tat umzusetzen und seine Ex-Frau zu töten. „Der Mann hat nichts mehr zu verlieren, das macht ihn so unberechenbar“, so ein Beamter.

Der Gesuchte soll seine Frau regelmäßig betrogen und sie belästigt und verfolgt haben, nachdem sie wegen seiner Seitensprünge die Scheidung eingereicht hatte, die im Mai dieses Jahres rechtskräftig geworden war. Nach Informationen von Morgenpost Online soll Mehmet Y. bei seinem Schwiegervater einst um Vergebung gebeten und Besserung gelobt haben, um seine Frau zurückzubekommen. Wenig später allerdings soll er bereits erneut fremdgegangen sein. Der Vater soll von Anfang an gegen die Beziehung gewesen sein und habe deshalb auch nicht an der Hochzeitsfeier seiner Tochter teilgenommen. Nun trauert er um seine Tochter Leyla C. (22) und seine Frau Nevin C. (45), die beide im Kugelhagel an der Hochstraße getötet worden waren. Sein Sohn Ferit C. wird wegen Schussverletzungen in Arm und Hüfte immer noch im Krankenhaus behandelt, sein Zustand ist kritisch.

Im Visier der Ermittler

Offenbar war Mehmet Y. den Ermittlungsbehörden bereits vor der Bluttat aufgefallen: Wie der „Spiegel“ vorab berichtet, soll der 25-Jährige zuvor mehrere andere Menschen mit dem Tod bedroht haben. Gegen ihn laufe daher ein Verfahren beim Amtsgericht Tiergarten. Den Ermittlern sei er seit Jahren als Gewalttäter bekannt. Demnach sei der türkischstämmige Berliner bereits im Oktober 2008 wegen gefährlicher Körperverletzung zu zehn Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden.

Ob der Familie seiner Ex-Frau, die Y. offensichtlich wegen der Scheidung töten wollte, dies bekannt war, ist noch unklar. Anwohner und Freunde berichteten allerdings, dass der 25-Jährige seiner Ex-Frau wie ein Stalker nachgestiegen war und sie auch bedroht haben soll. „Offenbar hat niemand diese Warnungen so ernst genommen, um etwas dagegen zu unternehmen“, so ein Bekannter. „Nun sind zwei Menschen tot, und man kann nur hoffen, dass Mehmet nicht noch mehr Menschen ins Unglück reißt.“