Gewalttaten im U-Bahnhof

Messerstecher stellt sich - Anklage gegen Schläger

Nach der Messerattacke auf zwei junge Männer im Bahnhof Zoo hat sich der mutmaßliche Täter gestellt. Der öffentliche Druck war wohl zu hoch. Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft wegen der brutalen Prügelattacke im Bahnhof Lichtenberg Anklage gegen vier 14- bis 18-jährige Schlägererhoben.

Am Ende war der Druck offenbar zu groß. Nach der Messerattacke auf zwei junge Männer im Bahnhof Zoologischer Garten in Charlottenburg hat sich der mutmaßliche Täter nach Angaben der Polizei am Mittwochabend gestellt. Die Beamten nahmen den 19-Jährigen umgehend fest. Am Donnerstag sollte er einem Haftrichter vorgeführt werden. Bereits am Dienstag hatte sich sein Begleiter mit seinem Anwalt bei der Polizei gemeldet. Im Rahmen einer öffentlichen Suche hatte die Polizei die Videobilder der Überwachungskamera veröffentlicht. Darauf war der Begleiter als Einziger des Trios gut zu erkennen. Die Tat hingegen wurde nicht von den Kameras aufgezeichnet. Laut Polizei soll der Begleiter als Zeuge vernommen werden. Der dritte Mann hat sich allerdings noch nicht bei der Polizei gemeldet. Auch er soll bislang nur als Zeuge gehört werden.

Wie berichtet, gerieten in der Nacht zu vergangenem Freitag zwei junge Männer im Alter von 20 und 21 Jahren kurz nach Mitternacht in der U-Bahn-Linie 9 mit dem Trio in Streit. Die beiden jungen Männer waren gemeinsam mit fünf 19-jährigen Frauen auf dem Weg zu einer Feier in die Innenstadt. In der U-Bahn sollen die drei Männer die jungen Frauen dann angepöbelt haben. Um die Frauen vor weiteren Beleidigungen zu beschützen, drängten der 20- und der 21-Jährige das Trio am U-Bahnhof Zoologischer Garten aus dem Abteil. Auf dem Bahnsteig setzte sich der Streit fort. Im Verlauf des Wortgefechts soll der 19-Jährige aus dem Trio dann zugestochen haben. Der 20-Jährige erlitt schwere Verletzungen am Oberkörper. Seinem Freund stach der mutmaßliche Täter in den linken Oberarm. Der 20-Jährige musste noch in derselben Nacht notoperiert werden.

Schläger von Lichtenberg vor Gericht

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft wegen der brutalen Prügelattacke im Bahnhof Lichtenberg vom vergangenen Februar Anklage gegen die vier 14- bis 18-jährigen Beschuldigten erhoben. Wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag offiziell mitteilte, wird ihnen unter anderem versuchter Mord aus Habgier und aus niedrigen Beweggründen in zwei Fällen vorgeworfen. Der Anklage zufolge sollen der Kenianer Jafeth S. (17), der Kosovare Etrit C. (18), der Iraker Nazeh S. (17) und der Bosnier Dino H. (14) am 11. Februar im U-Bahnhof Lichtenberg den Maler Marcel R. und seinen Kollegen Steffen O. angegriffen haben, „weil sie Hass gegen Deutsche und Freude an der grundlosen Misshandlung Schwächerer verspürten“, teilte die Behörde mit.

Die vier prügelten Marcel R. mit Schlägen und Tritten gegen den Kopf ins Koma, der 30-Jährige leidet noch heute unter den Folgen der Tat. Wegen der unglaublichen Brutalität hatte der Vorfall bundesweit Entsetzen ausgelöst. Die hemmungslose Gewalt der Jugendlichen war von den Überwachsungskameras im Bahnhof gefilmt worden. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie einer der Beschuldigten mit hochgerissenen Beinen einen der Männer anspringt und ihn zu Boden rammt. Anschließend traten die Jugendlichen Marcel R. gegen den Kopf und den Oberkörper. Er erlitt schwerste Kopfverletzungen und konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. Auch sein Kollege Steffen O. wurde schwer verprügelt und erlitt Blutergüsse am ganzen Körper.

Laut Anklage wussten die Jugendlichen durchaus, was sie taten, weil „sie jeweils die Gefährlichkeit ihres Tuns erkannten und den Tod der Geschädigten billigend in Kauf nahmen“. Bereits vier Tage später wurden die vier festgenommen. Ein Polizeibeamter erkannte bei der Auswertung der Videobilder einen der Jugendlichen wieder. Bei ihrer Vernehmung gaben sie zunächst an, von Marcel R. angegriffen und fremdenfeindlich beleidigt worden zu sein. Später zogen sie ihre Aussage allerdings zurück und gestanden den Überfall. Sie sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Vorbestraft war das Quartett allerdings nicht, sagte der Sprecher der Berliner Strafgerichte, Tobias Kaehne. Aber schon vor dem Überfall sollen die Jugendlichen laut Kaehne grundlos Passanten angegriffen haben. Die zuständige Jugendkammer des Landgerichts Berlin entscheidet nun, wann der Prozess eröffnet wird.