Prozess

Posträuber muss für zehn Jahre ins Gefängnis

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Michael Mielke

Foto: Olaf Wagner / Pressefoto Wagner

Das umfassende Geständnis und die Reue eines Posträubers erkannten die Richter zwar an. Doch die Dreistigkeit der Taten und die hohe Beute bringen einen Berliner dennoch für zehn Jahre ins Gefängnis.

Die Strafe hört sich drakonisch an und ist dennoch mild: Zehn Jahre Haft für einen 31-Jährigen, der binnen weniger Wochen zwei Mal eine Postbankfiliale in Charlottenburg überfiel und dabei rund 300.000 Euro erbeutete. Zur Tatzeit befand sich der Angeklagte mal wieder im Strafvollzug. Begangen hatte Dean A. die Überfälle beim Ausgang und im Hafturlaub. Er und ein Mittäter, der in einem gesonderten Prozess zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt wurde, waren bei den Überfällen bewaffnet. Dean A. mit einer Schreckschusspistole, und sein Kumpan mit einem großen Messer. Mit diesen Waffen hatten sie die Angestellten der Postbank-Filiale auch bedroht.

Gefasst worden war Dean A., als er sich im April 2009 wieder auf dem Weg zur Postbank-Filiale befand, um sie zum dritten Mal zu überfallen. Eine andere Moabiter Strafkammer verurteilte den vielfach vorbestraften Mann im Oktober 2009 zu drei Jahren und sechs Monaten Haft. Später erst wurde klar, dass Dean A. auch für zwei Überfälle auf diese Filiale im Januar und im März 2009 verantwortlich ist. Die drei Jahre und sechs Monate flossen nun in die Gesamtstrafe von zehn Jahren ein. Das sei „das unterste Maß dessen, was möglich war“, sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsbegründung. Er betonte, dass es „besonders schwere Folgen“ für die Opfer gebe. Von Schlaflosigkeit war die Rede und von wieder kehrenden Angstattacken. Deswegen sei dem Angeklagten auch dessen umfassendes Geständnis besonders zugute gehalten worden, weil es den traumatisierten Mitarbeitern der Bank die Zeugenaussagen vor Gericht ersparte.

Mit Pistolenknauf geschlagen

Der Staatsanwalt hatte für Dean A. eine Gesamtstrafe von zwölf Jahren und die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung beantragt. Das Gericht nahm davon Abstand, obwohl, so der Richter, „die formalen Voraussetzungen für die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung gegeben“ seien. Die Kammer habe sich jedoch an einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes orientieren müssen. Dort sei festgelegt worden, dass eine Unterbringung in der Sicherungsverwahrung nur noch „nach strikter Prüfung der Verhältnismäßigkeit“ und „bei der Gefahr künftiger schwerer Gewalt- oder Sexualstraftaten“ angeordnet werden könne. Das Maß der Gewalt sei hier aber eher „im unteren Bereich angesiedelt“.

Eine Einschätzung, die für Außenstehende nicht ganz nachvollziehbar ist. Bei dem Überfall im Januar 2009 hatte Dean A. einer Bankangestellten mit den Knauf seiner Pistole heftig gegen den Kopf geschlagen, nachdem sie erklärte, dass sie den Geldautomaten nicht öffnen könne. Die Frau erlitt eine Platzwunde, die später im Krankenhaus behandelt werden musste. Am selben Tag hatte Dean A. einen Schuss aus der Schreckschusspistole abgegeben. Das sorgte für Todesangst und für ein Knalltrauma bei einer Kassiererin.

Der Angeklagte hatte erklärt, dass sich der Schuss versehentlich gelöst habe. Auch der Schlag mit dem Knauf habe nicht verletzen sollen und sei im Kokain-Rausch geschehen. Eine Psychiaterin hatte ihm jedoch trotz des Drogenkonsums volle Schuldfähigkeit attestiert.