„Die Trauer ist nicht in Worte zu fassen. Ein Verlust für das Erzbistum!“ Hans-Werner Eichinger (51) aus Mitte ist bestürzt. Die Nachricht vom Tod des früheren Berliner Erzbischofs, Kardinal Georg Sterzinsky, hat die Katholiken in der Hauptstadt erschüttert. „Wir haben ihm so viel zu verdanken“, sagt Christine Dördt (67) aus Treptow vor der St. Hedwigs-Kathedrale, nachdem sie sich am Donnerstagnachmittag in das dort ausliegende Kondolenzbuch eingetragen hat. „Er hat das Erzbistum nach der Wiedervereinigung Deutschlands zusammengeführt“. Auch Renate Eckhardt aus Mitte ist betroffen: „Er war jemand, der Menschen bewegen und berühren konnte. Berlin wird ihn sehr vermissen“.

Mann der leisen Töne

Sterzinsky galt als Mann der leisen Töne, suchte statt großer Auftritte lieber das persönliche Gespräch. „Vor allem die Rechte von Migranten lagen ihm am Herzen. Er war ein sehr großherziger Mensch“, sagt Heinz Erdner (50) aus Pankow. Und Marianne Baumeister (57) aus Charlottenburg fügt hinzu: „Ich danke, dass der Herr sein Leiden nun beendet hat und hoffe, er wird selig empfangen“.

Trauernde können sich zu den Öffnungszeiten der St. Hedwigs-Kathedrale auf dem Bebelplatz in Mitte zwischen 10 und 18 Uhr in das vom Erzbistum ausgelegte Kondolenzbuch eintragen. „Deus semper maior – Gott ist immer größer“, hat dort jemand hineingeschrieben – es war der Leitspruch Sterzinskys.

Die Suche nach einem Amtsnachfolger für den Erzbischof hatte bereits im Februar begonnen – damals hatte Papst Benedikt XVI. Sterzinskys' Entlassungsgesuch bewilligt. Noch vor der Sommerpause soll ein Nachfolger berufen werden, der die Aufgabe haben wird, Sterzinskys Werk weiterzuführen. Im Gespräch seien derzeit unter anderem der Regensburger Bischof Gerhard Müller, der Essener Oberhirte Franz-Josef Overbeck und der Berliner Weihbischof Matthias Heinrich.