Immer mehr Anschläge auf Autos und die Brandstifter entkommen: Der Kampf gegen die Zerstörung von Privat- und Firmenwagen in Berlin stellt die Hauptstadt-Polizei vor neue Herausforderungen. Seit Jahresbeginn hat die Polizei 153 Anschläge registriert – bereits mehr als im Rekordjahr 2009, als 145 Brandstiftungen gezählt wurden.
Weniger als die Hälfte (73) der Anschläge seit Anfang 2011 haben laut Polizei einen linksextremistischen Hintergrund. In weiteren 80 Fällen gehen die Ermittler von Trittbrettfahrern und Nachahmern aus. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) forderte am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses einen Schulterschluss von Gesellschaft und Politik gegen die Brandstifter.
Viele Angriffe gingen nicht von bestimmten linksextremistischen Gruppierungen aus, sondern auf das Konto von Kleinstgruppen oder Einzeltätern. In solchen Fällen sei es viel komplizierter – etwa über verdeckte Ermittler – Erkenntnisse zu sammeln, sagte Körting. Er wies Vorwürfe aus der Union als unredlich zurück, der Senat sei „auf dem linken Auge blind“.
Bei den politisch motivierten Anschlägen wurden 92 Autos zerstört, weitere 67 beschädigt, wie Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers im Ausschuss sagte. Von Trittbrettfahrern wurden 88 Autos zerstört. 2010 waren die Brandanschläge auf 43 Fälle zurückgegangen.
Ziel der Angriffe sind nicht nur teure Autos deutscher Hersteller, sondern auch Firmenwagen großer Konzerne. Lediglich 21 Autos hätten einen Wert von 30.000 Euro oder mehr gehabt. Die Anschläge werden laut Statistik zwischen 22.30 Uhr und 7.15 Uhr verübt – vor allem dienstags, mittwochs und samstags mit Schwerpunkten in Friedrichshain, Mitte und Pankow.
Die Gewaltprävention der Berliner Polizei sei vorbildlich und im Gegensatz zu anderen Bereichen nicht gekürzt worden, sagte Körting. Nicht hilfreich seien allerdings „schwätzende Schauspieler“. Robert Stadlober („Crazy“) hatte in der Talkshow „3 nach 9“ die Brandanschläge gerechtfertigt. „Solange in Hoyerswerda keine Asylantenheime brennen, habe ich keine Probleme mit brennenden Mercedessen“, hatte er gesagt.
Unbegründet nannte Körting die Kritik des bayerischen Innenministers Joachim Hermann (CSU), Berlin und andere Länder würden immer mehr Leiheinsätze von Polizisten aus dem Freistaat anfordern.
2010 seien zweimal Polizisten aus Bayern nach Berlin gekommen, ebenso oft wie Berliner Polizisten nach Bayern. In diesem Jahr habe man bisher nur einmal bayerische Kräfte angefordert. Als Hauptstadt sei Berlin aber auch in Zukunft auf Polizeihilfe aus den Ländern vor allem bei Großereignissen angewiesen.
dpa/toto




