Der erst am Dienstag zum stellvertretenden Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion gewählte Berliner Abgeordnete Martin Lindner muss wieder um sein Amt bangen. Wie „Bild.de“ unter Berufung auf Fraktionskreise meldet, bereiten mehrere FDP-Abgeordnete einen Abwahlantrag vor. Mit diesem Antrag solle Lindner als Fraktionsvize bereits in der nächsten Fraktionssitzung abgesetzt werden. Auslöser sei die Ankündigung Lindners, auf dem anstehenden Bundesparteitag einen Antrag zur Zukunft von Bundesaußenminister Guido Westerwelle einbringen zu wollen. Damit will Lindner nach eigener Aussage klären, ob Westerwelle aus Sicht der Basis weiter im Amt bleiben kann.

Der sächsische Bundestagsabgeordnete Jan Mücke bezeichnete Lindners Vorgehen als „unter aller Kanone“. In der Fraktionssitzung am Dienstag sei die Personaldebatte für beendet erklärt worden. Auch bei Abgeordneten aus anderen Bundesländern, vor allem aus Nordrhein-Westfalen, gebe es großen Unmut. Der Abwahlantrag werde schon „in Kürze“ beim neuen Fraktionsvorsitzenden Rainer Brüderle eingereicht, hieß es. Einem solchen Antrag müssten laut Satzung 25 Prozent der Abgeordneten zustimmen. In der 93-köpfiegn FDP-Bundestagsfraktion entspricht das 24 Parlamentariern.

Auch der Vorsitzende der Jungen Liberalen, Lasse Becker, hat die Forderung Lindners scharf kritisiert. Lindner habe manchmal den Hang, „eine absurde Forderung nach der nächsten aufzustellen“, sagte Becker am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur. Bereits in der Vergangenheit hätten diverse Vorschläge Lindners das Bild der FDP „teilweise obskur“ wirken lassen. Die FDP-Fraktion müsse „intern klären, was die Folgen von solchen Äußerungen sind“.

Skepsis drückte Becker auch mit Blick auf den neuen Fraktionsvorsitzenden Rainer Brüderle aus. Man müsse abwarten, ob Brüderle es hinbekomme, im Fraktionsvorsitz nicht nur mit dem Thema Wirtschaft wahrgenommen zu werden, sondern gleichzeitig Bürgerrechte zu schützen und für ökologische Nachhaltigkeit einzutreten.

Lindner warnte dagegen vor einer Verknüpfung seines Antrages mit seinem Amt als Fraktionsvize: „Ich habe einen Vorschlag gemacht - und zwar nicht als stellvertretender Fraktionschef, sondern als Vorsitzender des Berliner Bezirks Steglitz-Zehlendorf.“

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