City West

Wie der Berliner Zoobogen künftig aussehen wird

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Brigitte Schmiemann

Foto: Bayerische Bau- und Immobiliengruppe

Ein neues Millionen-Projekt soll Konsum und Tourismus im Westen Berlins ankurbeln. Durch den Umbau des Zoobogens an der Gedächtniskirche wollen die Investoren etwas "Einmaliges an einem einmaligen Standort" schaffen.

Nach dem Zoofenster geht in der City West nach Jahren des Stillstands ein weiteres wichtiges Bauprojekt an den Start, das zur Belebung des Standortes rund um die Gedächtniskirche beitragen wird: Die Münchner Eigentümer des ehemaligen Zoobogens an der Budapester Straße wollen noch in diesem Monat den Bauantrag für den Umbau stellen. Das denkmalgeschützte Ensemble hatten sie bereits 2002 für rund 180 Millionen Euro erworben. Ende des Jahres sollen die ersten Abrissarbeiten am ehemaligen Zoobogen beginnen. Im Frühjahr 2011 soll Grundsteinlegung sein, im Herbst 2012 bereits Eröffnung.

Mit 100 Millionen Euro will die Bayerische Bau und Immobilien Gruppe die 50er-Jahre Bauten jetzt zu einer unkonventionellen Shopping- und Freizeitadresse entwickeln – mit Restaurants, Hotel und Apartments, Büros, ausgefallenen Läden und Kinos. Der Saal 1 des Zoo Palastes, um den Denkmalschützer und Bezirk gerungen hatten, wird mit mindestens 850 Plätzen original erhalten und nur renoviert, ebenso der darunter liegende Saal 4. Fünf kleinere Kinos werden abgerissen, dafür entstehen zwischen dem Hochhaus und dem Zoo Palast aber drei neue.

Designkünstler bringt Ideen ein

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) schwärmte am Montag bei der Vorstellung der Pläne durch den Bauherrn bereits davon, dass an einem „einmaligen Standort etwas Einmaliges geschaffen wird, das es in der Republik noch nicht gibt und sich sicherlich auch weltweit sehen lassen kann“. Dafür stehe auch Arne Quinze, der mit seinen Installationen und seinem architektonischen Design weltweit für Furore gesorgt habe. Die Bauherren haben den Brüsseler Künstler, der von seiner Frau Barbara (Ex-Ehefrau von Boris Becker) begleitet wurde, für die künstlerische Oberleitung engagiert – neben den KEC Architekten. Quinze wird seine Ideen auch für die geplante Dachlandschaft auf der Rückseite des Bikinihauses einbringen. Dort, wo heute den Hof an der Grundstücksgrenze zum Zoo noch Lieferfahrzeuge nutzen, sollen schon im Herbst 2012 (geplante Eröffnung) Besucher sitzen. Die Treppenhäuser werden abgerissen, um Platz für die 7000 Quadratmeter große Terrasse zu schaffen, die in Höhe des zweiten Geschosses bis zu den Stützmauern am Zoo gebaut wird. Im Innern wird durch die Überbauung des Hofes eine acht Meter hohe Ladenzeile entstehen.

Die Dachterrasse soll auch das Bikinigeschoss in der zweiten Etage, das dem Haus einst als Luftgeschoss seinen Namen gab, erschließen. Es wird künftig jungen Berliner Trendmarken im Bereich Mode oder Technik zu günstigen Konditionen Platz bieten, sich hier zu präsentieren. Gespräche mit Labels, die bislang noch in Berliner Hinterhöfen ihren Sitz haben, sind nach Auskunft des Bauherren bereits aufgenommen worden. Durch eine transparente eingerückte Glasfassade soll der Durchblick zum Zoo wieder hergestellt werden.

Der Standort, mit einer extrem langen Front direkt an einem Park gelegen und auf der anderen Seite die pulsierende Straße, dürfte weltweit kein zweites Mal zu finden sein, sagte Jürgen Büllesbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Gruppe. Er betonte, dass es den Eigentümern wichtig sei, nicht das 61. Shopping-Center in der Stadt zu bauen: „Wir wollen kein typisches Einzelhandelskonzept mit denselben Anbietern, die es überall gibt.“

Ende des Jahres möchten die Investoren mit den ersten Abrissarbeiten beginnen. Beispielsweise wird die bereits entmietete Blaue Kugel weichen, um einen Erschließungsplatz für das kleine Hochhaus zu schaffen, den Hotelgäste und Apartmentmieter nutzen können. Alles soll besser zugänglich sein, lichter und luftiger wirken, so wie es die Architekten Paul Schwebes und Hans Schoszberger einst planten. Drei große Zugänge werden künftig aufs Areal führen. Das Parkhaus wird neu gebaut. Alles andere wird ergänzt und saniert. Das in den oberen Etagen bereits leer gezogene Bikinihaus wird komplett entkernt, auf dem Dach werden vier Penthäuser gebaut, die vermietet werden. Auch eine Bar ist dort geplant.

Kino schließt während Umbau

Im voll vermieteten Büro-Hochhaus wird es nur Veränderungen im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss geben. Es wird renoviert. Die Ladenmieter allerdings am Arkadengang, der zukünftig schmaler als jetzt sein wird, werden räumen müssen, sobald die Abrissarbeiten beginnen. Auch das Kino muss während Umbauzeit pausieren, der Biergarten entfällt ganz.