Nach dem brutalen Angriff auf einen 29 Jahre alten Mann im U-Bahnhof Friedrichstraße in der Nacht zu Sonnabend berichtete ein Zeuge Morgenpost Online von dem brutalen Vorgehen der beiden jugen Täter. Diese hatte offenbar auf dem Bahnsteig Streit gesucht und einen wartenden Fahrgast zunächst angepöbelt, dann brutal geschlagen und ihm danach mehrfach gegen Kopf getreten, so dass dieser das Bewusstsein verlor.
Der 29 Jahre alte Markus P. erlitt dabei schwere Kopfverletzungen. Er war hatte zuvor mit Freunden Dart gespielt und befand sich auf dem Weg nach Hause, als er von den beiden 18-jährigen Schülern aus Reinickendorf attackiert wurde. Markus P. stürzte zu Boden, während einer der beiden Angreifer weiter gegen seinen Kopf trat. Am Montagmittag wurde der Gas-Wasser-Installateur aus dem Virchow-Klinkum trotz eines Schädel-Hirn-Traumas entlassen. Er muss jedoch unter ständiger Beobachtung stehen, da die behandelnden Ärzte Komplikationen nicht ausschließen.
Die Mutter von Markus P. äußerte sich gegenüber Morgenpost Online entsetzt über die grausame Tat. Für die Entlassung der beiden Täter aus dem Polizeigewahrsam zeigte sie keinerlei Verständnis.
Ähnlich äußerte sich auch ein Zeuge, der Markus P. zu Hilfe eilte. Der 21-Jährige versuchte den Haupttäter davon abzuhalten, weiter gegen den Kopf seines Opfers zu treten. Es gelang ihm sogar, den 18-Jährigen in den "Schwitzkasten" zu nehmen, doch dann trat im der Komplize des Schlägers in den Rücken, so dass er diesen loslassen musste. Der Zeuge stürzte zu Boden und wurde dabei wurde leicht verletzt. Danach flüchteten die beiden Jugendlichen.
Schockiert zeigte sich der Zeuge vor allem darüber, dass offenbar sonst niemand Markus P. zur Hilfe gekommen sei. P. selbst kann sich zurzeit nicht lückenlos an den Überfall erinnern. Er habe unbeteiligt auf einer Bank gesessen und auf den Zug gewartet, als die beiden Jugendlichen ihn unvermittelt angepöbelten und dann angriffen.
Täter stellen sich freiwillig
Am Wochenende hatten sich die beiden Täter freiwillig der Polizei gestellt. Sie legten umfassende Geständnisse ab. Der Haupttäter, ein Schüler aus Reinickendorf, erschien bereits am Sonnabendabend in Begleitung seines Anwalts auf einer Polizeiwache. Er wurde noch am Sonntagabend einem Haftrichter vorgeführt. Sein gleichaltriger Komplize meldete sich am Sonntagmittag auf derselben Dienststelle. Er wurde nach ausführlichen Vernehmungen am Sonntagabend aus dem Polizeigewahrsam entlassen, wie Polizeisprecher Frank Millert mitteilte.
"Diesem Jugendlichen konnte keine Tatbeteiligung an dem versuchten Totschlag nachgewiesen werden, der dem Haupttäter zur Last gelegt wird“, sagte er. Gegen ihn werde nur wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.
Auch der vermutliche Haupttäter, der sich wegen versuchten Totschlags verantworten muss, befindet sich seit Montagvormittag wieder in Freiheit. Er erhält bis zu Prozessbeginn Haftverschonung, weil er bei der Polizei bisher nicht auffällig geworden ist. Er muss sich aber dreimal pro Woche auf dem Polizeiabschnitt in Reinickendorf melden.
Politiker fordern härtere Strafen
Innensenator Ehrhart Körting (SPD) zeigte sich angesichts der Attacke erschrocken. Es zeige sich aber erneut, „dass die Videoüberwachung Früchte trage“, sagte Körting Morgenpost Online. Die Täter seien so schnell gefasst worden, weil sie wussten, dass sie erkannt werden würden. Die Polizei hatte zur Fahndung Bilder der Überwachungskamera im U-Bahnhof Friedrichstraße veröffentlicht. Mit jedem gefassten Täter erscheine das Risiko für künftige Täter größer, sagte Körting. „Insofern trägt die Videoüberwachung auch zur Prävention bei und widerlegt die Bedenken, die seinerzeit die Grünen und der Datenschutzbeauftragte ständig geltend gemacht haben.“
Berlins CDU-Chef Frank Henkel forderte, Polizei und Justiz müssten „härter und schneller durchgreifen“ können. „Bei Straftaten dieser Art muss die Strafe auf dem Fuß folgen“, sagte Henkel. Er schlug dafür die Einführung von erzieherischen Maßnahmen wie „Warnschussarrest“, Fahrverboten und schärferen Meldepflichten für die Straftäter vor. Auch sollten 18- bis 21-Jährige bestraft werden wie Erwachsene. Um einen schnellen Sicherheitseffekt an den U-Bahnhöfen zu haben, schlug Henkel vor, die BVG solle dort mit großen Schildern auf die Videoüberwachung hinweisen. „Das könnte den gleichen Effekt haben wie die Warnung vor Blitzern bei Autofahrern – da fahren alle sofort langsamer“, sagte Henkel.
Die Grünen-Spitzenkandidatin für die Berliner Abgeordnetenhauswahl im September, Renate Künast, zeigte sich entsetzt über die „rohe Gewalt“. Nach Darstellung Künasts muss jetzt gezeigt werden, dass „die Gesellschaft solche Taten aus purer Streitlust nicht akzeptiert“. Sie müssten zudem schnell geahndet werden.
Auf einem von der Polizei veröffentlichten Überwachungsvideo ist zu sehen, wie die beiden Jugendlichen Markus P. zunächst provozierten. Der Haupttäter schlug ihm dann eine Flasche an den Kopf, woraufhin P. zusammenbrach. Es blieb regungslos auf dem Bauch liegen. Anschließend trat der Haupttäter mehrmals mit voller Wucht auf und seitlich gegen den Kopf des hilflosen 29-Jährigen, der das Bewusstsein verlor. P. musste in ein Krankenhaus gebracht werden, befand sich zeitweise in Lebensgefahr.
Als Motiv für das grausame Verbrechen gab der bisher der Polizei unbekannte Haupttäter in der Vernehmung an, in einer aggressiven Stimmung gewesen zu sein und nach Streit gesucht zu haben, wie ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft am Sonntag sagte. Laut Polizei war er zudem betrunken. Die Jugendlichen sollen kurz zuvor bereits weitere Menschen beleidigt und beschimpft haben.
plet/mtt/mim/tj/cb mit dpa/dapd/epd




