Apotheker-Prozess

Mitangeklagte gestehen Betrug mit Aids-Rezepten

Ein Apotheker soll über sein Geschäft am Berliner Kurfürstendamm Rund elf Millionen Euro mit falschen Abrechnungen über HIV-Medikamente ergauenert haben. Vor Gericht zeigten sich nun Mitangeklagte geständig.

Foto: Steffen Pletl

Im Prozess gegen einen Apotheker, der die Krankenkassen im großen Stil betrogen haben soll, haben inzwischen fünf Mitbeschuldigte Geständnisse abgelegt. Der Apotheker selbst soll am 29. April vernommen werden, teilte das Berliner Landgericht am Dienstag mit. Die Verteidigung hatte für den 66-Jährigen ein Geständnis angekündigt und erklärt, der Mann sei regelmäßig erpresst worden. Die Strafkammer hat eine Strafe zwischen sieben und neun Jahren in Aussicht gestellt. Die geständigen Mitangeklagten können mit Bewährungsstrafen rechnen.

Rund elf Millionen Euro soll der Apotheker über das Geschäft am Berliner Kurfürstendamm durch Abrechnungsbetrug von mehreren Krankenkassen erschwindelt haben. Zwischen Januar 2007 und März 2009 soll der Angeklagte teure HIV-Medikamente eingereicht haben, ohne die Präparate an Patienten auszuhändigen.

Die Mitangeklagten im Alter von 39 bis 47 Jahren sollen über einen so genannten Ärztetourismus in Berlin und im Bundesgebiet Rezepte erschwindelt haben. Drei der am Dienstag vernommenen Männer sind selbst HIV-infiziert. Sie hatten Rezepte eigenen Angaben für 150 bis 500 Euro verkauft.

Zum Teil waren die Männer schwer krank, ins Drogenmilieu abgeglitten oder hatten Schulden. Mit dem Verkauf von Rezepten hatten sie ihre Sozialleistungen aufgebessert. Ein 45-jähriger Industriemechaniker bedauerte sehr, das Gesundheitssystem ausgenutzt zu haben, das ihm selber helfe. Er sei lebensbedrohlich erkrankt gewesen und habe in der Szene viel Geld für Alkohol ausgegeben. Es sei ein Teufelskreis gewesen.

Der Fall kam ins Rollen, als eine der geprellten Kassen bei der Sichtung von Unterlagen stutzig wurde. Die eingereichten Rezepte hätten Überdosen bis zu hundert Prozent ergeben, sagte ein Gerichtssprecher.