Nach Brandstiftung

Körting sieht Berliner Moscheen nicht in Gefahr

Trotz der Brandanschläge auf zwei Moscheen am Columbiadamm und an der Haberstraße in Neukölln geht Berlins Innensenator Ehrhart Körting davon aus, dass die Taten Einzelfälle bleiben. Doch er sieht einen Zusammenhang zur Sarrazin-Debatte.

Foto: Steffen Pletl

Nach den Brandanschlägen auf zwei Berliner Moscheen sieht Innensenator Ehrhart Körting (SPD) die islamischen Gotteshäuser in der Hauptstadt nicht generell in Gefahr. Er gehe davon aus, dass die Brandstiftungen in Neukölln Einzelfälle blieben, sagte Körting am Mittwoch im Ausschuss für Verfassungsschutz im Abgeordnetenhaus. Er räumte aber ein, dass die Behörden bisher keinerlei Erkenntnisse über die Hintergründe der Anschläge haben. Es gebe weder Hinweise noch Bekennerschreiben.

Aus Sicht des SPD-Politikers spricht vieles dafür, dass die Anschläge etwas mit der Debatte zu tun haben könnten, die das umstrittene Buch des früheren Finanzsenators Thilo Sarrazin (SPD) zur Ausländerintegration ausgelöst hatte. Er hoffe, dass die Wellen, die die Sarrazin-Thesen erzeugt hätten, bald einer nüchternen Betrachtung der Sachlage wichen, sagte Körting.

Die Sehitlik-Moschee am Columbiadamm – Berlins größtes islamisches Gotteshaus – war in diesem Jahr bereits viermal das Ziel von Brandanschlägen. Das letzte Feuer konnte in der Nacht zum 19. November von einem Mitarbeiter gelöscht werden. An einem Nebengebäude fanden die Ermittler zudem eine Propangasflasche, die aber nicht explodiert war.

Am vergangenen Sonntagmorgen waren auch an der Al Nur Moschee in der Haberstraße in Neukölln Brandspuren entdeckt worden. Unter einer Seitentür war brennbare Flüssigkeit in den Innenraum gesickert. Flammen verkohlten mehr als zwei Quadratmeter Teppich. Wenn das Feuer nicht von selbst erloschen wäre, hätte es einen erheblichen Schaden verursachen können, sagte Körting.

Ein Zusammenhang zwischen den beiden Anschlägen ist nach den Worten des Innensenators nicht ersichtlich. Im Gegensatz zur liberalen türkischen Sehitlik-Gemeinde gilt die arabische Al Nur Moschee als Treffpunkt radikaler Islamisten. In Berlin und den anderen Bundesländern herrscht seit den Warnungen Mitte November aus dem Bundesinnenministerium große Sorge vor Terroranschlägen von Islamisten.

Körting hat inzwischen beide Moschee-Gemeinden besucht. Er habe deutlich gemacht, dass die Behörden alles tun würden, damit Muslime in der Hauptstadt in Frieden leben könnten. Es werde aber auch mit Moschee-Gemeinden darüber gesprochen, was diese selbst an Sicherheitsvorkehrungen treffen könnten. Vor allem an der Sehitlik- Moschee, die an einem großen Friedhof liegt, sei das Gelände sehr unübersichtlich.

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