Im Prozess um die Spendenaffäre im Frauennothilfeverein Hatun & Can sind am Freitag vor dem Berliner Landgericht Vereinsmitglieder angehört worden. Der Vizechef und sein Sohn können sich keinesfalls vorstellen, dass der Angeklagte mit Spendengeldern ein Leben im Lusxus führte „Er hat sich sogar Geld für Zigaretten geliehen“, sagte der Sohn des Vizechefs vor Gericht.

Die Staatsanwaltschaft geht jedoch davon aus, dass der Angeklagte nach dem Ehrenmord an der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü den Verein 2006 ausschließlich gründete, um sich zu bereichern. Dem gelernten Steuerfachgehilfen wird ein Betrug an Spendern in Höhe von 690.000 Euro vorgeworfen. „Emma“-Chefredakteurin Alice Schwarzer brachte den Fall ins Rollen. Die Feministin hatte 500.000 Euro gespendet, die sie bei der RTL-Show „Wer wird Millionär“ gewann.

Der Vereinschef soll einen Teil der Gelder für Genussmittel, Bekleidung, Schmuck und Urlaub in einem spanischen Hotel ausgegeben haben. Etwa 380.000 Euro und ein 63.000 Euro teures Auto wurde beschlagnahmt. Der Wagen war laut Anklage auf den Verein zugelassen, sei aber nur privat gefahren worden. Der 60 Jahre alte Vize-Chef des Vereins hatte den BMW mit dem Angeklagten zusammen abgeholt. Noch am selben Tag sei er von der Polizei vernommen worden, erinnerte sich der Zeuge. Danach war das Auto sichergestellt.

Der Sohn des Vizechefs, selbst Vereinsmitglied, hatte den Kauf des teuren Autos bei einer Vereinssitzung vorgeschlagen. Die Idee war, Frauen in Not bei langen Fahrten sicher zu transportieren, widersprach der Zeuge dem Vorwurf ausschließlicher Privatfahrten.

Der Vereinschef wurde Ende März verhaftet und sitzt seither in Untersuchungshaft. Verteidiger Hubert Dreyling betont unermüdlich, der Angeklagte sei kein Betrüger, er habe sich nicht bereichert. Dreyling kündigte im Prozess eine Strafanzeige gegen den Hauptbelastungszeugen an. Die Anklage stütze sich auf Angaben einer „durch und durch kriminellen Person“.

Nach dem vom Gericht verlesenen Strafregister ist dieser Mann wegen Vortäuschens einer Straftat, Drogenhandels, illegalen Waffenbesitzes und Bestechung verurteilt worden. Er war zeitweise als Fahrer für den Angeklagten beschäftigt. Ein Termin für die Vernehmung dieses Zeugen steht noch nicht fest, sagte Dreyling am Rande des Prozesses.

dapd/sei