„Emma“-Herausgeberin Alice Schwarzer hat trotz eigener Skepsis eine halbe Million Euro dem Berliner Frauennothilfeverein gespendet. Dies sagte die 68-Jährige am Dienstag als Zeugin in einem Betrugsprozess gegen den damaligen Vereinsvorsitzenden von Hatun & und Can am Berliner Landgericht. „Weil ich einfach wollte, dass es das gibt, weil ich das toll fand“, sagte Schwarzer. Der Verein war nach dem Ehrenmord an der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü gegründet worden, um von Zwangsheirat bedrohten Frauen zu helfen. Er ist nach dem Mordopfer und seinem kleinen Sohn benannt. „Es war ein Zweifel in kleinen Schritten, bis ich mir die Fragen stellte, ob ich einem Betrüger aufgesessen bin“, sagte Schwarzer im Prozess. Auf ihre Nachfrage, was der Verein mit dem Geld mache, sei „so gar nichts“ gekommen.
Dem 42-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, 690.000 Euro Spendengelder erschlichen und zum Teil für privaten Luxus ausgegeben zu haben. Der Mann, der seit knapp einem Jahr in Untersuchungshaft sitzt, hat die Vorwürfe über seinen Anwalt bislang zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er den Verein 2006 nur gründete, um sich zu bereichern.
Die Frauenrechtlerin hatte dem Verein das Geld gespendet, das sie bei der RTL-Show „Wer wird Millionär“ gewann. Sie sei zunächst begeistert von dem Verein gewesen, der sich unbürokratisch um Mädchen und Frauen kümmere, die unter religiösem Vorwand entrechtet werden, sagte sie. „Und ich war die zufriedene, glückliche Spenderin.“ Schwarzer hatte mit ihrer Anzeige die Ermittlungen ins Rollen gebracht, nachdem sie keine ausreichenden Auskünfte über die Verwendung der Gelder bekam.


