Gehirnentzündung

Tödliches Knut-Virus - Zoo bangt um alle Eisbären

Eine Gehirnentzündung war für den Tod von Knut verantwortlich. Möglicherweise hat er auch die anderen drei Eisbären im Berliner Zoo mit dem tödlichen Virus angesteckt.

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Der Berliner Eisbär ist ertrunken, nachdem er wegen einer schwere Virusinfektion des Gehirns erst taumelte und dann ins Wasserbecken der Eisbärenanlage im Zoologischen Garten fiel, wie Wissenschaftler am Freitag in Berlin mitteilten.

Video: Reuters
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Der berühmte Berliner Eisbär Knut war an einer Gehirnentzündung erkrankt. Als er dann am 19. März 2011 im Berliner Zoo plötzlich ins Wasser stürzte, sei er ertrunken, sagte die leitende Pathologin des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), Claudia Szentiks, am Freitag in Berlin unter Berufung auf das Sektionsergebnis.

Die Entzündung, an der das Tier litt und die auch Teile des Rückenmarks betraf, war nach Angaben der Expertin sehr massiv und wäre für Knut „auf kurz oder lang“ tödlich ausgegangen, auch wenn er nicht ins Wasser gestürzt wäre. Nervenzellen seien abgestorben gewesen. Eine krankhafte „Asymetrie in den Ventrikeln“ sei ebenfalls erkannt worden. Dies bedeutet, dass Hirnwasserkammern erweitert waren und der Abfluss von Nervenwasser behindert war. Zudem sei der Eisbär schon länger krank gewesen. Die Krankheit wurde vermutlich durch eine Infektion ausgelöst. Der Erreger sei noch nicht identifiziert, sagte die Veterinär-Pathologin. Sie schlossen aber aus, dass es sich um BSE, Tollwut, Staupe oder Toxoplasmose handelte. Die Wissenschaftler halten es zudem für möglich, dass auch die drei Eisbärinnen, mit denen Knut in einem Gehege zusammenlebte, infiziert sein könnten.

Die weiteren Untersuchungen des Tierkörpers in dem Institut könnten sich noch über Monate hinziehen, hieß es weiter. Spuren, die auf Stress des Eisbären hindeuten, seien bei der Untersuchung nicht entdeckt worden, betonte Szentiks.

IZW-Präsident Heribert Hofer sagte, dass bei der Sektion in seinem Institut keine Missbildung auf Grundlage von Gen-Defekten entdeckt wurde. Szentiks ergänzte, es gebe auch keine Hinweise auf übermäßigen Stress als mögliche Todesursache. „Dieser Eisbär litt nicht unter Stress, er ist nicht an einem Trauma gestorben.“ Hofer:sagte, Wildtiere könnten eine Menge Leid ertragen, ohne es nach außen zu zeigen. Knut könne an der Gehirnentzündung sogar über Monate gelitten haben. Auch andere Organe seien betroffen gewesen. Die Lunge sei mit Flüssigkeit gefüllt gewesen, es gab innere Blutungen.

Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz sagte, es gebe keine Anzeichen für eine Virus-Erkrankung der drei Bärinnen im Zoo. Der Tierpathologe Achim Gruber von der Freien Universität schloss allerdings nicht aus, dass auch andere Eisbären die Entzündung in sich tragen könnten.

Der weltweit bekannte Eisbär war am Samstag vor zwei Wochen überraschend vor den Augen von Zoobesuchern gestorben. Zunächst hatte er sich mehrfach im Kreis gedreht, dann war er in das Wasserbecken des Geheges gestürzt. Bei ersten Untersuchungen im IZW waren bereits Veränderungen im Gehirn des Tieres festgestellt worden.

Gegen Pläne des Zoos, den international bekannten Eisbären ausgestopft für die Nachwelt zu erhalten, regt sich bei den Knut-Fans Widerstand. So haben Gegner der Ausstopfung für Samstag (2. April) vor dem Zoo zu einer Protestdemonstration aufgerufen.