Eisbär

Knuts Tod - Zoo hält Bericht zur Ursache zurück

Eine Sektion sollte klären, woran Eisbär Knut wirklich gestorben ist. Der Bericht liegt dem Zoo vor, doch die Verantwortlichen hüllen voerst sich in Schweigen. Die Öffentlichkeit wird erst später als geplant über die Todesursache informiert.

Von der Rückkehr zur Normalität ist der Zoo noch weit entfernt. Auch zwölf Tage nach dem plötzlichen Tod des nur vier Jahre alten Eisbären Knut kommen täglich Menschen zum Eingangsportal, um zu trauern. Sie diskutieren über mögliche Todesursachen und über die Pläne, den Bären für das Museum präparieren zu lassen.

Die Verantwortlichen im Zoo hüllen sich am Donnerstag weiter in Schweigen. Eine ursprünglich geplante Pressekonferenz zu den Untersuchungsergebnissen des Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Friedrichsfelde, in dem Knut seziert wurde, wird abgesagt und auf den heutigen Freitag verschoben. Pressevertretern wird der Zutritt zum Zoo verwehrt. "Wir wollen, dass Ruhe einkehrt", sagt Zoo-Sprecherin Claudia Bienek. Doch die Leitung des Hauses sorgt mit dem Zurückhalten von Informationen für umso mehr Wirbel.

Bestätigt wird am Donnerstag nur, dass das Institut die umfangreichen Daten und Analysen der Sektion an den Zoo übergeben hat. Zwei Kuratoren des Zoos sind zu diesem Zweck am Morgen eigens nach Friedrichsfelde gefahren. Berichte, wonach Knut an einem tödlichen Anfall infolge von Erweiterungen der Hirnwasserkammern gestorben sei, will das IZW am Donnerstag weder bestätigen noch dementieren.

Am 19. März hatte Publikumsliebling Knut vor Hunderten Besuchern nach einem plötzlichen Anfall auf dem Bärenfelsen das Gleichgewicht verloren und sich mehrfach im Kreis gedreht. Schließlich stürzte er in den Wassergraben und regte sich nach einigen Augenblicken nicht mehr. Seiher kursieren zahlreiche Spekulationen über die Todesursache. Von zu viel Stress durch das Zusammenleben mit den älteren Eisbärenweibchen ist die Rede, der Deutsche Tierschutzverband vermutet einen Gendefekt durch Inzucht. Auch ein epileptischer Anfall wird diskutiert. Auch deshalb werden die Ergebnisse der Sektion mit Spannung erwartet.

Vor dem Zooeingang wächst unterdessen das Blumenmeer in Erinnerung an den Eisbären. Kinderbilder, Plüschtiere und Bittgesuche, vom Ausstopfen abzusehen, werden abgelegt. Rudi Schumerus aus Wedding kommt jeden Tag her. "Ich bin immer noch schockiert. Als ich von der Tragödie im Radio erfahren habe, konnte ich es nicht glauben. Ich bin sofort zum Zoo gefahren", sagt der 58-Jährige. Jetzt verfolgt er, wie die Gedenkstätte am Zooeingang jeden Tag größer wird. Dass Knut präpariert und im Museum für Naturkunde ausgestellt wird, lehnt Schumerus ab. Er plädiert für ein Denkmal im Zoo.

"Knut ist ein Tier, das auch weit über die Grenzen Berlins bekannt war. Durch die Medien wurde man über viele Dinge seines Lebens informiert und konnte es so mitverfolgen. Er soll ordentlich begraben werden und ein Denkmal erhalten", sagt auch Evamaria Jacob aus dem Saarland. Der 29-jährige Sebastian Böhm aus Adlershof fände es schön, wenn man die Asche des Eisbären über dem Meer verstreuen würde. Das würde zu seinem natürlichen Lebensraum passen, sagt er.

Juliane Anderson aus Steglitz sieht das anders. "Es ist eine gute Idee, den Bären auszustopfen. Ich gehe gern ins Museum. Dort kann man sich Tiere angucken, die man sonst nicht mehr im Zoo sehen kann, wie eben Knut", sagt sie. Sie fände es schön, den Bären dort besichtigen zu können. Außerdem könnten sich die Besucher von außerhalb angucken, nach welchem Bären die Berliner so verrückt waren, argumentiert die 52-Jährige.

Vor dem Eisbären-Gehege, in dem die Eisbärendamen Tosca, Katjuscha und Nancy auf den Felsen umherlaufen, sind die vielen Blumen verschwunden. Die Pflanzen seien mittlerweile verwelkt oder verfault, sagt Zoo-Sprecherin Claudia Bienek.

Streit um das Bärenfell

Alles Weitere wollen Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz, Professor Heribert Hofer, Direktor des IZW, und der Generaldirektor des Museums für Naturkunde, Ferdinand Damaschun, am Freitag gemeinsam erklären. Dabei soll es nicht nur um die Todesursache gehen, sondern auch um die weitere Verwendung des Eisbärenfells im Museum.

Der Zoodirektor hatte bereits eine Woche nach Knuts Tod gesagt, dass er den präparierten Knut im Naturkundemuseum ausstellen lassen wolle. Eisbär Knut könnte so neben Gorilla Bobby stehen, der das Wappentier des Berliner Zoos ist. Auch das mit neun Monaten verstorbene Elefantenbaby Kiri ist seit 2000 als Präparat im Naturkundemuseum verewigt.

Doch viele Knut-Fans wollen genau das verhindern. Am Sonnabend soll eine Mahnwache vor dem Zoo stattfinden. Die Protestierenden wenden sich energisch gegen die Ausstopfung des Eisbären.

Die Besucher des Zoos sind unterdessen geteilter Meinung. "Tausende Menschen sterben in Japan, und hier denken alle nur an Knut. Ich finde das übertrieben. Man sollte ihn wie andere tote Tiere auch behandeln", sagt die 18-jährige Meike Heinz aus Niedersachsen.

"Ich finde des moralisch nicht korrekt, das Tier ausstopfen zu lassen. Man sollte Knut ordentlich begraben", meint dagegen Janina Schule aus Uelzen.

Als Botschafterin für den Tier- und Naturschutzverein (ETN) hat Prinzessin Maja von Hohenzollern am Donnerstag am ehemaligen Freigehege von Eisbär Knut einen Kranz niedergelegt. Auch sie protestiert gegen eine Ausstopfung des Tieres. Der ETN sei prinzipiell gegen eine Haltung von Wildtieren in Tierparks, betont sie.

Ganz gleich welcher Meinung die Besucher sind - der andächtigen Stimmung vor dem Eingangsportal kann sich niemand entziehen. Es ist still an dem sonst so belebten Platz. Einige stehen vor den Bildern und weinen.