Japan-Rückkehrer

Bundesamt untersucht Berliner auf Radioaktivität

Das Bundesamt für Strahlenschutz in Karlshorst untersucht Japan-Rückkehrer kostenlos auf erhöhte radioaktive Strahlung. Noch gibt es keine Betroffenen, in Zukunft sind besorgniserregende Werte aber nicht auszuschließen.

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„Bin ich radioaktiv verstrahlt?“ Das will der Mann wissen, der in einer engen Vier-Quadratmeter-Kammer aus Stahl und Beton liegt. Er ist kürzlich aus Japan zurückgekehrt. Dicke Wände schirmen ihn vor der normalen Umgebungsstrahlung ab. Jetzt kann nur jene radioaktive Strahlung gemessen werden, die aus seinem Körper tritt. Auf Schienen fahren zwei Halbleiterdetektoren über den Körper. Sie surren leise. Der Mann befindet sich im dem Ganzkörperzähler, der in der Außenstelle des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) in Karlshorst steht.

„Die Detektoren messen die Gammastrahlung, die aus dem Körper hinaustritt“, erklärt Udo Gerstmann, Chef der Leitstelle Inkorporationsüberwachung beim BfS. Assistentin Petra Süss verfolgt auf einem Monitor die Ergebnisse, die das Gerät liefert. Nach 20 Minuten kostenloser Untersuchung kann sie dem Japan-Heimkehrer mitteilen: „Wir konnten keine erhöhte Radioaktivität bei Ihnen messen.“

Bundesweit gibt es 19 sogenannter Inkorporationsmessstellen, die wie das BfS über einen Ganzkörperzähler verfügen. „Das BfS in Berlin hat bisher zwölf Personen untersucht. Bei keinem Japan-Heimkehrer wurden besorgniserregende Werte festgestellt“, sagte BfS-Präsident Wolfram König bei der Vorstellung des Ganzkörperzählers am Donnerstag. Nach Angaben des Bundesamtes ließen sich in Deutschland bisher 94 Personen untersuchen. Bei einem Drittel stellte man geringe Spuren radioaktiver Stoffe fest. Überwiegend wurden die Radionuklide Jod-131 und Tellur-/Jod 132 nachgewiesen. Jedoch sind nach Angaben des BfS die geringen Kontaminationen für die Gesundheit der Betroffenen unbedenklich. Zudem gefährde die in den Körper aufgenommene Radioaktivität keine anderen Personen, beispielsweise Familienangehörige.

Radioaktive Stoffe in der Umwelt können über Nase, Mund, Haut oder Wunden in den menschlichen Körper gelangen. Es hängt von den chemischen und physikalischen Eigenschaften der Stoffe ab, ob sie wieder ausgeschieden oder über eine längere Zeit in bestimmten Organen gespeichert werden. Bei den bisher zwölf Untersuchungen von Japan-Heimkehrern in Berlin, hat das BfS meistens nur äußerliche Kontaminationen der Kleidung festgestellt. Diese konnten durch Kleiderwechsel und Duschen beseitigt werden.

Erhöhte Werte sind möglich

Trotzdem: „Je nach Aufenthaltsort in Japan sind erhöhte Werte künftig nicht auszuschließen“, sagt BfS-Präsident König. Falls Personen aus Japan mit hohen Werten an Radionukliden in Deutschland einreisen, müssten sie sich in einer medizinischen Einrichtung behandeln lassen.

An Berliner Flughäfen werden jedoch keine Untersuchungen auf radioaktive Strahlung vorgenommen. Der Grund: Es gibt keine Direktflüge von Japan nach Berlin. Reisende aus Japan werden nur auf dem ersten Flughafen, den sie erreichen, kontrolliert. Beispielsweise können sich Passagiere am Frankfurter Rhein-Main-Flughafen freiwillig auf radioaktive Strahlung untersuchen lassen. Die Menschen in Japan müssen sich strengeren Untersuchungen unterziehen: Kontaminierte Personen werden von den japanischen Behörden zum Teil in Quarantäne gebracht.

„Die Japaner wollen damit verhindern, dass Radioaktivität verschleppt wird. Deswegen bringt man die Betroffenen für kurze Zeit in Quarantänezelte, wo sie die Kleidung wechseln und sich waschen können“, sagte Werner Buchholz von der Leitstelle Inkorporationsüberwachung des BfS. Menschen mit erhöhter radioaktiver Belastung, wie es sie derzeit in Japan gibt, seien für ihre Mitmenschen jedoch nicht gefährlich.

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