Schock unter den Zoo-Freunden weltweit: Eisbär-Star Knut ist tot. Nach Angaben von Bärenkurator Heiner Klös brach das gut vierjährige Tier am Samstag gegen 15 Uhr im Zoologischen Garten Berlin zusammen und schwamm tot im Wasser des Eisbärgeheges. Klös sagte, etwa 600 bis 700 Zoo-Besucher hätten seinen Tod beobachtet. Einige hätten Fotos geschossen. Die Zoo-Mitarbeiter seien geschockt, sagte er.

Warum Knut gestorben ist, ist bislang unklar. Laut Klös befand sich der Eisbär allein im Gehege. Seine drei Mitbewohnerinnen, seine Mutter Tosca die Eisbärinnen Nancy und Katjuscha, waren bereits eingesperrt. Um die Todesursache zu finden, soll Knut jetzt obduziert werden. Die Sektion ist für Montag geplant.

„Das ist eine traurige Nachricht“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). „Wir alle hatten den Eisbären ins Herz geschlossen. Er war der Star des Berliner Zoos.“ Fast elf Millionen Menschen haben Knut zu Lebzeiten besucht und sich an seiner Spielfreude und Lebenslust begeistert. Seinen plötzlichen Tod konnten viele im Zoo nicht fassen. Frauen und Kinder weinten, Fassungslosigkeit breitete sich aus. Der Zoo ließ das Areal dann sperren.

Knut, der im Dezember seinen vierten Geburtstag gefeiert hatte, lebte seit dem vergangenen Herbst mit den drei Eisbärinnen in einem Gehege. Zuvor war Knuts gleichaltrige Partnerin Gianna in ihren Heimatzoo nach München zurückgekehrt.

Knuts Vater Lars war aus Neumünster nach Berlin zu Zuchtzwecken ausgeliehen worden. Nach erfolgreicher Paarung mit der Berliner Eisbärin Tosca kam im Dezember 2006 Knut zur Welt. Der kleine Bär wurde per Hand von Pfleger Thomas Dörflein mit der Flasche aufgezogen, weil die Mutter das Jungtier verstoßen hatte. Dörflein starb überraschend im Jahr 2008. Der 44-Jährige hatte den Eisbären durch seine im Internet und auf Filmen dokumentierte Handaufzucht weltberühmt gemacht.

Am 23. März 2007 war das Eisbärenjunge erstmals der Öffentlichkeit gezeigt worden. Seither war der Bär eine Attraktion. Mehrere Millionen Tierfreunde aus aller Welt hatten Knut einen Besuch abgestattet. Am kommenden Mittwoch jährt sich zum vierten Mal der Tag, an dem die Zoobesucher Knut erstmals leibhaftig sehen konnten. Der damalige Bundesumweltminister und heutige SPD-Chef Sigmar Gabriel übernahm damals seine Patenschaft, die ersten Bilder von Knut gingen um die ganze Welt. In der weiteren Zeit besuchten auch Prominente Knut, 2007 etwa kam Moderator Thomas Gottschalk zu seinem Gehege. Außerdem wurde Knut zu einem beliebten Motiv für Souvenirs und kam auf eine Sonderbriefmarke für den Umweltschutz. Auch der Handel mit Knut-Souvenirs hatte den Berlinern große Gewinne beschert.

Wie alt ein Eisbär werden kann, dazu schwanken die Angaben. Die meisten Tiere leben nicht länger als 18 Jahre, höchstens aber 30 Jahre, heißt es auf verschiedenen Internetseiten.

Der Bärenexperte Thomas Pietsch vom Tierschutzverein „Vier Pfoten“ sagte, gut vier Jahre seien „kein Alter“ für einen Eisbären. „Knut ist bestimmt nicht an Altersschwäche gestorben“, betonte er. Was der Auslöser für den plötzlichen Tod des Tieres sei, wolle er aber nicht mutmaßen.

Zwar seien Eisbären denkbar ungeeignet für die Haltung im Zoo. Sie hätten ausgeprägte Gebietsansprüche und Jagdinstinkte. Beides könnten sie in Gefangenschaft nicht ausleben. Dennoch führe dies nicht zwangsweise zu einem frühen Tod, sagte Pietsch. Teilweise lebten Zootiere sogar länger, weil sie weder Durst noch Hunger leiden müssten und das Risiko von Infektionskrankheiten niedriger sei.

dpa/dapd/sei