HIV-Medikamente

Polizei verhaftet Apotheker nach Millionen-Betrug

Ein Apotheker aus Berlin soll in großem Stil unrechtmäßig Geld von Krankenkassen für Rezepte für HIV-Medikamente eingestrichen haben. Insgesamt wurden acht Personen bei mehreren Razzien in drei Bundesländern verhaftet.

Foto: Steffen Pletl

Polizei und Staatsanwaltschaft haben nach umfangreichen Ermittlungen am Mittwoch und Donnerstag Razzien in drei Bundesländern, darunter Berlin, wegen Betrugs mit Medikamenten-Rezepten durchgeführt. Es wurden insgesamt acht Haftbefehle wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betruges vollstreckt. Es handelt sich um einen Apotheker aus Berlin und sieben Patienten. Die Apotheke am Kurfürstendamm unweit des Café Kranzler galt im Charlottenburger Kiez schon seit längerer Zeit als Anlaufpunkt für Drogenabhängige.

Der beschuldigte Apotheker stehe in Verdacht, zwischen 2007 und 2009 gewerbsmäßig Rezepte über hochpreisige HIV-Medikationen gegenüber den Krankenkassen abgerechnet zu haben, ohne die verordneten Medikamente an die Patienten auszuhändigen. Derzeit wird von einem Schaden von rund zehn Millionen Euro ausgegangen.

Laut Staatsanwaltschaft erschlichen sich die Patienten bei Ärzten erheblich mehr Rezepte, als sie brauchten. Sie sollen einen regelrechten „Ärzte-Tourismus“ betrieben haben. Die Rezepte sollen dann von dem Apotheker aufgekauft und gegenüber den Krankenkassen so abgerechnet worden sein, als habe der Patient die verordneten Medikamente erhalten. Der Wert pro Verordnung lag bei durchschnittlich 2000 Euro.

Im Zuge der Ermittlungen konnten den Angaben zufolge Vermögenswerte in Höhe von derzeit mehr als 200.000 Euro und mehrere Luxus-Autos gesichert werden. Darunter befanden sich drei Luxusautos der Marken Mercedes, MG und Chevrolet. Die Ermittlungen dauern an. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass eine Vielzahl weiterer Ermittlungsverfahren eingeleitet wird.

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