Volksfest

Berlin feiert Karneval mit Minister zu Guttenberg

Das wäre ein Rekord: Rund eine Million Menschen kamen zum Berliner Karnevalsumzug, so die Veranstalter. Das Thema auf vielen Motivwagen: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und seine Doktorarbeit.

Rund eine Million Menschen haben nach Schätzungen der Veranstalter am Sonntag beim großen Karnevalszug in Berlin den Höhepunkt der Narrenzeit gefeiert. Bei Sonnenschein und frostigen Temperaturen sangen und tanzten die Jecken in bunten Kostümen auf den Straßen in Berlin-Charlottenburg.

Berlin veranstaltete bereits zum elften Mal einen Karnevalszug – eine Woche früher als im Rheinland. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte den Narren ein Grußwort geschickt. Demnach hätten die Organisatoren des Umzugs bewiesen, dass der Ruf Berlins als „Anti-Karnevals-Metropole“ völlig unbegründet sei.

60 Festwagen, 10 Musikgruppen und 2.500 Teilnehmer bildeten den farbenfrohen Tross, der vier Stunden lang durch die Straßen der Hauptstadt zog. Die Zahl feiernder Gruppen sei im Vergleich zum vergangenen Jahr konstant geblieben, sagte der Zugmarschall des Vereins Karnevals-Zug Berlin, Rolf Vieting. Für 2012 kündigte er einen Zuwachs um 30 Prozent an. „Wir haben sehr viele Anfragen“, erklärte Vieting.

Der Umzug unter dem Motto „Die Welt ist rund – Berlin ist bunt“ fand in diesem Jahr eine Woche vor dem eigentlichen Karnevalswochenende statt. Acht Tage vor Rosenmontag war es Vieting zufolge einfacher, Gruppen aus dem Rheinland zu gewinnen. An dem frühen Termin wolle der Verein zunächst festhalten. „Berlin hat den Vorteil: Es ist eine große Stadt und hat breite Straßen. Wir können mehr Teilnehmer als im Rheinland ziehen lassen“, erklärte der Zugmarschall.

Viele Karnevalisten nahmen den wegen seiner Plagiatsaffäre unter Druck geratenen Bundesverteidigungsmister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) aufs Korn. Auf Wagen standen Sprüche wie „Es war einmal ein Doktor Guttenberg, nun hat er keinen Doktor mehr und ist nur noch bei der Bundeswehr“. Das Chaos bei der Berliner S-Bahn war ebenso ein Thema wie der Bau des Großflughafens Berlin-Brandenburg, der nach Ansicht einiger Jecken eine Steuerverschwendung ist. Eine Gruppe forderte, den bereits geschlossenen Flughafen Tempelhof unter Denkmalschutz zu stellen.

Der Umzug startete am Ernst-Reuter-Platz und endete in der Nürnberger Straße. Anschließend war eine "After-Zug-Party" in der Gotzkowskystraße in Moabit geplant.

Das Straßenfest wird seit 2001 jährlich organisiert. Berliner Karnevalsumzüge lassen sich nach Vereinsangaben bis in die Zeit von Friedrich dem Großen zurückverfolgen. In der jüngeren Vergangenheit gab es zunächst von 1956 bis 1958 Faschingsparaden. Nach der Wiedervereinigung 1990 gab es vereinzelte Umzüge.