Cottbus

Staatsanwalt ermittelt nach Karnevals-Unglück

Das Unglück mit zwölf Verletzten im Cottbuser Karnevalszug ist ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Die Behörde hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, vorerst gegen unbekannt.

Nach dem Unfall am Sonntag beim großen Karnevalsumzug in Cottbus haben Polizei und Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. Es sei eine Ermittlungsgruppe gegründet worden, um die Ursache des Unglücks herauszufinden, teilte die Polizei mit. Es werde wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung ermittelt, sagte Sprecherin Petra Hertwig am Montag. „Wir ermitteln in alle Richtungen.“ Das Verfahren richtet sich zunächst gegen unbekannt.

Acht der zwölf Verletzten konnten unterdessen wieder aus dem das Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum entlassen werden. Ursprünglich war die Polizei von elf Verletzten ausgegangen. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), an dessen Kabel einer der Karnevalswagen offenbar hängen geblieben war, wies die Schuld von sich.

Am Sonntagnachmittag war gegen 14.30 Uhr ein zwei mal zwei Meter großes und etwa sechs Meter hohes Kabelgerüst an der Strecke zwischen Wernerstraße und dem Staatstheater Cottbus umgestürzt und hatte zwölf Personen unter sich begraben. Unter den Verletzten war auch ein dreijähriges Kind. Acht der zwölf Verletzten sind nach Angaben von Krankenhaussprecherin Hofmann bereits wieder entlassen worden. Drei Erwachsene würden weiterhin auf der Unfallchirurgie betreut. Die Verletzungen seien nicht lebensbedrohlich und hätten auch keine Operationen oder eine Behandlung auf der Intensivstation erfordert. Sie hätten vor allem Schürfwunden am Kopf und Prellungen am Körper. Auch das dreijährige Mädchen ist noch immer im Krankenhaus. Es werde zur Beobachtung weiter auf der Station behalten, heißt es.

Anzeige gegen Unbekannt gestellt

In die Untersuchungen zu dem Zwischenfall an der Umzugsstrecke werden auch die Dekra und das Amt für Arbeitsschutz mit einbezogen, wie ein Polizeisprecher am Montag mitteilte. Es seien alle notwendigen, beweissichernden Maßnahmen eingeleitet und eine Anzeige gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Körperverletzung aufgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher. Sichergestellt wurden unter anderem ein TV-Kabel des RBB, ein Stahlseil, der am Unfall beteiligte Umzugsanhänger und das Kabelgerüst. Vermutlich hatte ein Umzugswagen das straßenüberspannende Fernsehkabel erfasst und dadurch das Gerüst zum Einsturz gebracht.

Der „Zug der fröhlichen Leute“ wurde nach dem Unfall nicht abgebrochen. Viele Schaulustige und auch der Präsident des veranstaltenden Karneval Verbandes Lausitz (KVL) hatten von dem Zwischenfall zunächst nichts mitbekommen. KVL-Präsident Frank Czepok und auch der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) besuchten die Verletzten am Sonntag im Krankenhaus.

Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), der ebenfalls am Umzug teilgenommen hatte, nannte die Fortsetzung des nach eigenen Angaben größten Karnevalsumzuges in den neuen Bundesländern mit 4000 Aktiven und 100.000 Schaulustigen an der Strecke eine „verantwortungsbewusste Entscheidung“. Der Unfall sei eine „tragische Facette eines ansonsten von Frohsinn gekennzeichneten Tages“, sagte Platzeck am Sonntagabend.

RBB weist Schuld von sich

Der RBB wies die Schuld an dem Unfall von sich. Das Gerüst, das die Kabel zur Live-Übertragung über die Straße leitete, sei mehr als sechs Meter hoch gewesen, sagte RBB-Sprecher Volker Schreck. Die Wagenhöhe war seinen Angaben zufolge auf 4,50 Meter begrenzt. Allerdings habe offenbar ein mit einem Segelschiff geschmückter Wagen diese Höhe nicht eingehalten, so dass der Mast des Schiffes das Kabel touchiert habe. „Der RBB hat gemäß aller behördlichen Vorgaben gehandelt“, betonte er.

Die Live-Übertragung sei durch den Vorfall nicht gestört worden, sagte Schreck. Das Stahlseil sei bei dem Unfall unbeschädigt geblieben. Zudem habe nur eine von vielen Kameras an dem Kabel gehangen.