Deutschland-Premiere

Google Street View zerstört Berlins Siegessäule

Der umstrittene Kartendienst Google Street View zeigt erste Bilder - aus Berlin. Die 360-Grad-Bilder zeigen unter anderem die Siegessäule vor Beginn der Sanierung - in zwei Hälften zerbrochen. Was an der Aufnahmetechnik liegt.

Draußen ist Berlin kalt und grau, drinnen, bei Google Street View, ist Hochsommer: Der umstrittene Service des Internet-Konzerns zeigt erste Bilder aus Berlin. Die Aufnahmen wurden im Sommer gemacht, und so bevölkern Menschen in kurzen Hosen und mit - zumeist - gepixelten Gesichtern die 360-Grad-Ansichten von Kanzleramt und Siegessäule. Google hat mit auf Autos montierten Spezialkameras schon sehr viel mehr Ansichten der Stadt fotografiert. Der Dienst aber wird in homöopathischen Dosen eingeführt. Es gab Widerstand: Mehr als 244.000 Haushalte in den 20 Städten hatten beantragt, ihre Wohnhäuser bei Google Street View unkenntlich zu machen.

In Berlin kann man nun virtuell die Willy-Brand-Straße vor dem Kanzleramt entlangfahren, allerdings nur ein paar hundert Meter, von der Paul-Löbe-Allee bis zur Otto-von-Bismarck-Allee. An der Siegessäule kommt man mit Google Street View einmal um den Großen Stern herum. Die Siegessäule ist auf den Fotos noch nicht hinter einem Getrüst verborgen - aber sie scheint zerstört zu sein: auf einer Aufnahme ist sie in zwei Teile zerbrochen. Das liegt an der Aufnahmetechnik: Für die Fotos in Berlin und in anderen Städten ließ Google Autos mit Spezialkameras die Straßen abfahren. Die einzelnen Bilder fügte das Unternehmen anschließend zu einem Panorama zusammen - im Fall der Siegessäule passen zwei Fotos nicht hundertprozentig, genau: Das Foto der Kamera, die nach oben gerichtet ist, und die Aufnahme der Kamera, die zur Seite fotografiert.

Die Geräte waren auf einem Stativ in 2,50 Meter Höhe installiert. Daher gab es in Deutschland auch Kritik, die Autos könnten „über die Hecke in den Garten schauen“. Gesichter von Passanten und Kennzeichen von Autos macht das US- Unternehmen mit einer Software automatisch unkenntlich. Auch die Fassaden ganzer Häuser werden verwischt abgebildet, sofern der Eigentümer oder ein Mieter Widerspruch gegen die Veröffentlichung eingelegt hat.

Bis Ende des Jahres sollen Ansichten aus den 20 größten Städten Deutschlands freigeschaltet sein. Eine kleine Stadt aber ist schon nahezu komplett bei Google Street View: Oberstaufen im Allgäu. Dort gab es zwar auch Widerstand gegen Google Street View - mindestens ein gepixeltes Haus ist in der Street-View-Ansicht zu sehen. Doch zum Start am Mittwoch veranstaltete man einen kleinen Festakt. „Als die Diskussion losging, war jeder dagegen. Wir sagten uns, wir sehen das anders“, sagte Bürgermeister Walter Grath.

Die Gemeinde hatte ihre offene Haltung zu Google Street View werbewirksam gezeigt, indem sie anlässlich der Fotoaufnahmen eine Torte backen ließ, mit der Aufschrift: „Street View. Willkommen in Oberstaufen.“ Über das Internet habe sich das Foto der Willkommenstorte rasch verbreitet, sagte Grath. Auch Google selbst sei so auf Oberstaufen aufmerksam geworden und habe den kleinen Ort als Ort für seinen Deutschland-Startschuss gewählt. „Google ist auf uns zugegangen“, sagte Grath.

Außerdem bei Google Street View. Der Theaterplatz in Dresden , die Hamburger Köhlbrandbrücke , der Königsplatz in München , Schloss Solitude in Stuttgart und eine Reihe von Fussballstadien .

Der Dienst ist inzwischen für 25 Länder verfügbar. In den USA deckt er nahezu das ganze Land ab. In Europa gibt es Straßenansichten unter anderem von Spanien, Frankreich, Italien, Großbritannien und Dänemark. Für die Ansicht muss der Nutzer den Kartendienst Google Maps (maps.google.de) aufrufen und einen Ort suchen. Ist Street View für den Ort freigeschaltet, ist am oberen Ende der Zoom-Leiste an der linken Seite der Karte ein gelbes Männchen zu sehen. Zieht man dieses mit der Maus auf die Karte, schaltet die Software auf die Straßensicht um.