Als erster Berliner Bezirk lässt Marzahn-Hellersdorf Schulden eintreiben. Professionelle Firmen sollen damit 2011 beauftragt werden. Die Senatsfinanzverwaltung und der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses haben dafür grünes Licht gegeben.

Finanzstadtrat Stefan Komoß (SPD) sagte dazu: „Wir haben 13 Millionen Euro Außenstände.“ Das sei fast die Hälfte der 27,5 Millionen Euro, mit denen der Bezirk selbst beim Land Berlin noch in der Kreide steht. Komoß will zunächst aber nur Schulden aus privatrechtlichen Forderungen wie Mieten, Pachten oder Hortverträge eintreiben lassen. Er hofft, auf diese Weise in den kommenden Jahren sieben Millionen Euro einzunehmen.

Der Handel mit Schulden ist längst in der Wirtschaft verbreitet, war in der Berliner Verwaltung aber bisher verboten.

Inkassounternehmen übernehmen für ihre Auftraggeber das Eintreiben der Schulden und werden dafür bezahlt. Da es keine Gebührenordnung für die Branche gibt, "berechnen sie ihre Vergütung gegenüber den Auftraggebern auf Grundlage freier kaufmännischer Kalkulation", heißt es auf der Internetseite des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen BDIU. Er beschreibt die Aufgaben eines Inkassounternehmens so: "Es nimmt eine Vermittlerrolle zwischen Gläubiger und säumigem Zahler ein. So kann das Unternehmen zum Beispiel - in Absprache mit dem Gläubiger - Stundungen gewähren und Teil- oder Ratenzahlungen akzeptieren, deren Eingänge es entsprechend überwacht."

Dem Verband gehören nach eigenen Angaben 557 Unternehmen an. Sie arbeiten für mehr als 500.000 Auftraggeber und halten zusammen ein Forderungsvolumen von mehr als 24 Milliarden Euro. Rund fünf Milliarden Euro führen sie pro Jahr dem Wirtschaftskreislauf wieder zurück.

rg/sei