Bildungsstudie

Jeder zehnte Berliner Schüler ohne Abschluss

Einer von zehn Schülern hat in Berlin keinen Schulabschluss. Bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist die Situation sogar noch schlechter: Hier verlassen fast 20 Prozent die Schule ohne ein Abschlusszeugnis.

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Etwa jeder zehnte Jugendliche in Berlin verlässt die Schule ohne Hauptschulabschluss. Wie aus einer am Freitag vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht, erreichten in der Bundeshauptstadt im Jahr 2008 mehr als zehn Prozent der Schulabgänger keinen Abschluss. Das seien fünf Prozentpunkte mehr als in Baden-Württemberg, das den niedrigsten Anteil aufweist. Der Anteil der deutschen Jugendlichen ohne Abschluss beträgt in Berlin 8,8 Prozent. Bei den Schülern mit Migrationshintergrund sind es sogar 19,7 Prozent. Fast 61 Prozent der Schulabbrecher besuchten eine Förderschule. Der Hauptschulabschluss gilt als Mindestvoraussetzung für eine Lehre.

Die höchste Quote in Ostdeutschland hat Mecklenburg-Vorpommern mit knapp 18 Prozent - und hält damit auch bundesweit den traurigen Rekord. Den niedrigsten Wert der neuen Länder erreichte Thüringen mit 9,4 Prozent. Im Westen liegen die Anteile deutlich niedriger: von knapp 9 Prozent in Hamburg bis 5,6 Prozent in Baden- Württemberg.

Bundesweit erreichten 65.000 Schulabgänger (7,5 Prozent) 2008 keinen Abschluss. Die Untersuchung stellte große regionale Unterschiede fest. Im Vergleich der 14 Großstädte mit mehr als einer halben Million Einwohner weisen den Angaben zufolge nur Leipzig (16,4 Prozent), Nürnberg (13,8 Prozent) und Dresden (11,6 Prozent) höhere Anteile als Berlin auf. Die prozentual wenigsten Betroffenen gibt es in Stuttgart (7,3 Prozent), Bremen und Düsseldorf (je 7,6 Prozent), Köln (7,8 Prozent) sowie Frankfurt am Main (7,9 Prozent). Schlusslicht unter den Kommunen ist Wismar: Fast ein Viertel der Jugendlichen hat dort keinen Hauptschulabschluss.

Besonders alarmierend ist der Studie zufolge die Situation von Förderschülern, von denen je nach Bundesland 57 bis 97 Prozent keinen Hauptschulabschluss erreichten, in Berlin seien es 60,8 Prozent. Bundesweit komme mehr als die Hälfte der Jugendlichen, die 2008 die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen hatten, aus Förderschulen.

“Das Aussortieren und die getrennte Unterrichtung von Kindern und Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf erzielt nur unzureichende Lernerfolge“, schlussfolgerte Jörg Dräger, für Bildung zuständiges Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung. “Nötig ist daher der konsequente Umbau in Richtung inklusive Schule“, sagte er. Gemeinsames Lernen nütze sowohl starken als auch schwachen Schülern.

Kinder mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit stehen der Studie zufolge überdurchschnittlich häufig ohne Abschluss da. “Wenn wir das ändern wollen, müssen wir früh in gute Kitas und Ganztagsschulen investieren, statt spät zu reparieren“, sagte Dräger.

Der Untersuchung zufolge ist die Situation von Förderschülern besonders alarmierend. Je nach Bundesland erreichen demnach zwischen 57 und 97 Prozent von ihnen keinen Hauptschulabschluss. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen, die 2008 die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen haben, stammt nach der Studie aus Förderschulen. Knapp 27 Prozent besuchten die Hauptschule, die übrigen 20 Prozent verteilten sich auf andere Schulformen.

Frankfurt/Oder Schlusslicht in Brandenburg

In Frankfurt (Oder) verlassen die meisten Jugendlichen im Land Brandenburg ohne Hauptschulabschluss die Schulen. Es seien rund 13 Prozent, bundesweit habe die Quote bei 7,5 Prozent gelegen, ergab eine am Freitag vorgestellte Studie der Bertelsmann Stiftung. Bundesweit rangiert Brandenburg mit dem im Jahr 2008 erreichten Anteil von 10,5 Prozent wie alle neuen Bundesländer auf einem hinteren Platz.

Die bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Marie Luise von Halem, erklärte in Potsdam, die Studie zeige die Misere des Brandenburger Bildungswesens und gleichzeitig die Hilflosigkeit der Verantwortlichen. Das für das Schüler-Bafög zur Verfügung stehende Geld hätte eher in individuelle Förderung und Qualitätsverbesserung der Bildung in Kita und Grundschule verwendet werden sollen.

Das Brandenburger Bildungsministerium bezeichnete das schlechte Abschneiden des Landes als unbefriedigend. Weit über die Hälfte der Schüler ohne Abschluss komme aus Förderschulen, sagte der Sprecher. Und der Anteil nehme weiter zu. Die Mädchen und Jungen, die diese Bildungsstätten absolvierten, würden zwar einen Abschluss erhalten. Dieser werde aber nicht bundesweit anerkannt und sei mit einem Hauptschulabschluss nicht vergleichbar.