Ein neuer Fahrplan bei reduziertem Tempo soll den S-Bahn-Verkehr im Berliner Umland wieder verlässlich machen. Darauf hätten sich die Teilnehmer eines Krisentreffens am Freitag in Potsdam geeinigt, sagte Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) am Freitag in Potsdam. Die S-Bahn habe angeboten, ihre Züge mit 60 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit fahren zu lassen und auf dieser Grundlage einen neuen Fahrplan zu erarbeiten. Er soll nach Abstimmung mit anderen Verkehrsunternehmen vom 24. Januar an gelten.
An der von Vogelsänger einberufenen Runde nahmen auch rund 20 Bürgermeister von S-Bahn-Kommunen, ein Vertreter der S-Bahn- Geschäftsführung und Landtagsabgeordnete teil. Die Runde will Anfang Februar erneut zusammenkommen, um den bis dahin erreichten Stand zu bewerten. Mit der zukünftigen Reisegeschwindigkeit bewegt sich die S- Bahn nach Angaben des für Planung Verantwortlichen beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), Jürgen Ross, wieder auf Vorkriegsniveau. Die Fahrzeiten würden sich für außerhalb gelegene Ziele voraussichtlich um drei bis zehn Minuten verlängern.
Eigentlich wäre die S-Bahn in der Lage, 120 Stundenkilometer schnell zu fahren. Aber schon Probleme mit den Bremsanlagen im Winter hätten sie zu Tempo 60 gezwungen. „Das ist natürlich eine fatale Situation.“ Generell wird es mit dem neuen Fahrplan laut Ross voraussichtlich einen 20-Minuten-Takt wie gegenwärtig etwa im Falle Potsdams geben. Über die künftige Geschwindigkeit habe bei dem Treffen keinerlei Begeisterung geherrscht, berichtete der Minister. Die Verlässlichkeit habe aber Vorrang. „Wir müssen jetzt möglichst den Schaden begrenzen.“
Wegen der dauernden S-Bahn-Ausfälle werde das Land Brandenburg im Januar nur 50 Prozent der vereinbarten Summe für die Verkehrsleistungen zahlen, sagte Vogelsänger. Das wären schätzungsweise 1,25 Millionen Euro im Monat. Insgesamt betrage derzeit der jährliche Etat für die Erfüllung von Verkehrsverträgen 335 Millionen Euro, von denen 29 bis 30 Millionen Euro im Jahr für die S-Bahn bestimmt seien.
„S-Bahn-Linien sind die Lebensadern in allen Regionen“, hob der Landrat des Kreises Oberhavel, Karl-Heinz Schröter (SPD) hervor. Wenn jetzt ein neuer Fahrplan komme, müsse darauf beispielsweise auch der Busverkehr abgestimmt werden. Dafür bleibe ausgesprochen wenig Zeit. Für das Bahn-Tempo sei der Bremsweg das „kriegsentscheidende Kriterium“. Aus seiner Sicht wären die technischen Probleme bei der S-Bahn lösbar, meinte Schröter, der selbst von Haus aus Ingenieur ist.
Der bisherige Zustand sei unerträglich, kritisierte der Bürgermeister von Hennigsdorf (Oberhavel), Andreas Schultz (SPD) und verwies auf die rund 3000 Pendler seiner Stadt. Diese war in den vergangenen Tagen wie die Stationen Strausberg Nord, Spandau oder Wartenberg zeitweise vom S-Bahn-Verkehr völlig abgeschnitten gewesen. Zu der ins Gespräch gebrachten Anschaffung neuer S-Bahn-Fahrzeuge für Berlin bemerkte Minister Vogelsänger, sie würde erst einmal kaum Entlastung bringen, da bis dahin vier bis fünf Jahre vergingen.
dpa/ap




