Ärzte und Mitarbeiter von Einrichtungen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Berlin stehen erneut unter Betrugsverdacht. In ambulanten Versorgungszentren soll es nach Polizeiangaben seit 2005 massive Fälle von Scheinanstellungen und falschen Abrechnungen gegeben haben. Die Polizei durchsuchte am Donnerstag 152 Standorte – Kliniken und Privathäuser -, um Beweise gegen insgesamt 62 Beschuldigte sicherzustellen. Bei den Verdächtigen handelt es sich um Mitarbeiter des DRK und beteiligte Ärzte. Davon eine Handvoll auf Führungsebene, wie Oberstaatsanwalt Frank Thiel am Donnerstag sagte.
Die Polizei geht von einem Schaden in Millionenhöhe für die Kassenärztliche Vereinigung aus, so Polizeiangaben. In allen Bereichen der medizinischen Versorgungszentren des DRK soll demnach in den vergangenen fünf Jahren „banden- und gewerbsmäßiger“ Betrug in organisierter Form durchgeführt worden sein. Die medizinischen Versorgungszentren leisten ambulante Behandlungen von gesetzlich Versicherten.
In den Versorgungszentren sollen Ärzte zwar für bestimmte Wochenarbeitsstunden eingestellt gewesen, tatsächlich aber in anderen Bereichen der DRK-Kliniken eingesetzt worden sein, heißt es. Gleichzeitig sei die Abrechnung der angeblich von diesen Ärzten erbrachten ambulanten Leistungen gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung in Höhe der angemeldeten Stunden erfolgt.
Außerdem besteht laut der Polizei der Verdacht, dass kassenärztliche Zulassungen durch Täuschungen erlangt und Scheinanstellungen in den medizinischen Versorgungszentren vorgenommen wurden, um Behandlungen abzurechnen, die von den Inhabern der Zulassungen nicht geleistet wurden.
Durchsucht wurden die Büroräume der drei DRK-Kliniken in Mitte, Westend und Köpenick, der fünf Medizinischen Versorgungszentren, die Firmensitze der DRK-Kliniken und der Medizinischen Versorgungszentren, der Sitz des Vorstandes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Berlin sowie 86 Wohnungen, davon zwölf in anderen Bundesländern. Rund 300 Polizeibeamte waren im Einsatz.
AFP/sei



