Zwangsversteigerung

Kult-Kino "Kosmos" unter dem Hammer

Das ehemalige Kino in Berlin-Friedrichshain wird am Freitag zwangsversteigert. Die jetzigen Betreiber haben viel Geld in den DDR-Bau gesteckt und bieten mit.

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Das „Kosmos“ an der Karl-Marx-Allee gehört zu den bekanntesten Berliner Bauten aus der DDR-Zeit. Es ist schon lange nicht mehr Kino, aber immer noch ein gefragter Veranstaltungsort. Am Freitag kommt das Grundstück unter den Hammer. Am Vormittag ist der Termin für die Zwangsversteigerung im Amtsgericht Lichtenberg. Nicht etwa, weil der derzeitige Betrieb unrentabel wäre. Sondern weil der einstige Besitzer der Immobilie, die Ufa-Theater AG, schon vor Jahren Insolvenz anmelden musste. Deshalb ist das Kosmos in Zwangsverwaltung. Ein Versteigerungsvermerk war ins Grundbuch eingetragen worden.

Vom Kino zur Partylocation

Doch das Haus hat sich seither zur gefragten Eventlocation entwickelt. Nicht nur für Partys und Musikveranstaltungen. Auch Unternehmen und Institutionen mieten es für Kongresse, Messen oder Schulungen. Landesparteitage sind abgehalten worden. Auf der Referenzliste finden sich BVG und Commerzbank, Vattenfall und Bayer Scherng Pharma AG, Friseur und Dachdeckerinnung. Betreiber ist die Kosmos KG mit den Geschäftsführern Olaf Ponesky und Mirko Kahle. Sie haben am Freitag die Gelegenheit, Eigentümer zu werden. „Wir sind seit fünf Jahren Mieter und haben ein Vorkaufsrecht“, sagt Olaf Ponesky. Er hat viel Herzblut in das Projekt investiert, aber gemeinsam mit seinem Partner auch mehrere Millionen Euro. Dach und Fassaden seien saniert, Licht- und Tontechnik erneuert worden, sagt er. Die einfache Verglasung sei durch eine mehrfache ersetzt worden. das Kosmos sei gut gebucht, alle Säle des Komsos würden bespielt. Poneskay ist sich sicher. „Wir werden das Haus bekommen.“

Kahle und Ponesky haben Ahnung vom Geschäft. Gemeinsam führten sie die Großraumdisko „The New World“ im A-10-Center in Wildau. Das Objekt ist unterdessen verkauft. Man wolle eine Sache richtig machen und sich nicht verzetteln, sagt Ponesky. Der Sohn des Showmasters Hans-Georg Ponesky war in der DDR Discjockey, sein Partner Kahle war Restaurantleiter. Im August 2005 übernahm die Kosmos KG das Kinogebäude. Im Frühjahr 2006 wurde es nach aufwendigem Umbau wieder eröffnet. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Es hat zehn Säle und bietet mehr als 3000 Personen Platz. Für die heutige Versteigerung ist der Verkehrswert mit fast vier Millionen Euro angegeben. Das Grundstück ist etwa 7700 Quadratmeter groß.

Verlierer unter den Multiplexkinos

Der Bau ist 1959 von den Architekten Josef Kaiser, Herbert Aust und Günter Kunert geplant worden. Von ihnen stammen auch die Entwürfe für das nahe gelegene Kino International. 1961 eröffnete der Neubau, der mehr als zehn Meter von der Allee zurückgesetzt ist, glatte Fassaden und ein großes Foyer hat. Das Filmtheater hatte damals nur einen großen Saal mit etwa 1000 Sitzplätzen. Es war zu jener Zeit das größte Filmtheater in der DDR. In den 90er-Jahren ging das Haus an die Ufa Theater AG. Sie investierte fast 70 Millionen DM in die Immobilie. Unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes wurde das gesamte Haus modernisiert. Neun weitere Säle wurden eingerichtet, eine Tiefgarage gebaut. Doch kurz nach der Eröffnung kam die Konkurrenz in bedrohliche Nähe. Ein weiteres Multiplex-Kino wurde an der Landsberger Allee gebaut, das UCI Friedrichshain. Im folgenden Preiskrieg war das Kosmos der Verlierer, trotz seiner architektonischen Vorzüge und Tradition. 2002 meldete die Ufa Theater AG Insolvenz an.

Ab Freitagmittag soll das traditionsreiche Gebäude der Kosmos AG gehören – so hofft es deren Geschäftsführer Olaf Ponesky. Er plant für 2010 ein größeres Projekt im Haus, will aber erst nach der Versteigerung darüber reden. Nur eins ist klar. Am Äußeren des Hauses wird sich nichts ändern. „Es passt in das Ensemble an der Karl-Marx-Allee und soll genauso erhalten bleiben.“