Großrazzia

Polizei und Zoll fassen in Berlin Steuerbetrüger

Es ging um Steuerhinterziehung in Höhe von 17 Millionen Euro und illegal verkaufte Getränke: 200 Beamte von Bundespolizei und Zollverwaltung haben am Donnerstagmorgen 14 Objekte in Berlin durchsucht. Vier Männer wurden festgenommen.

Mehr als 200 Beamte der Polizei und des Zolls haben am Donnerstagmorgen in Berlin insgesamt 14 Wohnungen und Gewerberäume durchsucht und dabei vier Personen festgenommen. Die Männer, darunter der 47 Jahre alte Chef eines Getränkehandels, stehen im Verdacht, maßgeblich an Steuerhinterziehungen in Höhe von etwa 17 Millionen Euro beteiligt zu sein. Sie sollen am Freitag einem Ermittlungsrichter zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt werden.

Am frühen Morgen rückten die Einsatzkräfte zeitgleich an zwei Getränkeläden im Stadtzentrum, zwei Firmenlagern in Spandau und zehn Wohnungen im gesamten Stadtgebiet an. Wie der Sprecher des Zollfahndungsamtes Berlin-Brandenburg, Norbert Scheithauer, am Nachmittag mitteilte, ermittelt seine Behörde bereits seit Längerem gegen die jetzt Festgenommenen. Sie sollen im großen Stil in Berlin und anderen Bundesländern Getränke schwarz verkauft haben, die offiziell als Exportware für Osteuropa deklariert waren. Mithilfe fingierter Zollerklärungen und Ausfuhrbescheinigungen sollen auf diese Weise Umsatzsteuer und Brandweinmonopol-Steuern hinterzogen worden sein, da diese Steuern für zur Ausfuhr bestimmte Ware in Deutschland nicht erhoben werden.

Bei den Durchsuchungen in den 14 Objekten stellten die von der Polizei unterstützten Beamten der Zollfahndung nicht nur zahlreiche Computerdateien und Akten mit Geschäftsunterlagen sicher. Sie beschlagnahmten darüber hinaus 20 Lkw-Ladungen, Spirituosen, 600.000 Euro Bargeld, zwei Fahrzeuge und Munition. „Die Hälfte der in den beiden Berliner Firmenlagern sichergestellten Getränke müsste sich nach den vorliegenden Papieren jetzt eigentlich in der Ukraine befinden“, sagte Zollsprecher Scheithauer.

Wie lange die Verdächtigen bereits aktiv sind und in welchen Dimensionen sich ihre illegal erlangten Gewinne bewegen, ist noch unklar. Auch die genaue Höhe der entstandenen Steuerausfälle steht noch nicht fest. Möglicherweise wird sie die nach bisherigem Ermittlungsstand geschätzten 17 Millionen Euro noch überschreiten. Einzelheiten dazu erhoffen sich die Ermittler des Zolls durch die Auswertung der sichergestellten Geschäftsunterlagen, die nach Angaben eines Beamten einige Zeit in Anspruch nehmen wird. „Wir haben es hier mit einem überaus komplizierten Sachverhalt zu tun“, sagte der Ermittler.

Den 47 Jahre alten Hauptverdächtigen nahmen die Ermittler gegen 9 Uhr in seiner Privatwohnung an der Otto-Suhr-Allee in Charlottenburg fest. Während drei Beamte den Inhaber eines Getränkehandels abführten, durchsuchten Zollfahnder die Wohnung. Zum Inhalt des sichergestellten Beweismaterials machten die Behörden am Donnerstag zunächst keine Angaben. Nach Informationen von Morgenpost Online sollen allerdings Unterlagen beschlagnahmt worden sein, die den Tatvorwurf der Steuerhinterziehung erhärten. Im Falle einer Anklage und Verurteilung droht dem 47-Jährigen eine langjährige Haftstrafe.

Zu der Frage, ob neben dem Hauptverdächtigen und seinen drei ebenfalls festgenommenen mutmaßlichen Komplizen noch weitere Personen an den offenbar illegalen Geschäften beteiligt waren, machten Zoll und Polizei am Donnerstag keine Angaben. Genauere Erkenntnisse darüber könnten erst durch die Auswertung der sichergestellten Beweismittel gewonnen werden, hieß es.