Medikamentenschmuggel

Potenzmittel sind bei Fälschern besonders beliebt

| Lesedauer: 3 Minuten

Foto: picture alliance / WILDLIFE

In Deutschland sind im vergangenen Jahr mehr als zehn Millionen gefälschte Tabletten sichergestellt worden, wie das Zollkriminalamt am Mittwoch in Berlin mitteilte. Besonders gewinnbringend lassen sich offenbar gefälschte Potenz- und Schlankheitsmittel verkaufen.

Der deutsche Zoll hat im vergangenen Jahr mehr als zehn Millionen gefälschter Tabletten sichergestellt. Bei etwa 70 Prozent handele es sich um sogenannte Lifestyle-Produkte – vor allem Potenz- und Schlankheitsmittel, sagte Wolfgang Schmitz, Sprecher des Zollkriminalamtes (ZKA), am Mittwoch in Berlin. Zusätzlich seien 14,5 Millionen Ampullen mit Anabolika beschlagnahmt worden. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Geschäft mit gefälschten Arzneimitteln weltweit pro Jahr einen Umfang von 75 Milliarden Dollar. Gemeinsam mit dem Pharmakonzern Pfizer hatte das Zollkriminalamt zu einem „Informationsforum Arzneimittelfälschungen“ eingeladen.

"Die Gewinnchancen sind nirgends höher als beim Handel mit gefälschten Arzneimitteln“, sagte Schmitz. Er verwies auf das Verfahren „Männerapotheke“, das seit 2008 bei der Staatsanwaltschaft Potsdam angesiedelt sei. Nach diesen Ermittlungen sei binnen drei Jahren ein Umsatz zwischen 25 und 30 Millionen Euro erwirtschaftet worden. Man gehe von einem Profit von 700 Prozent aus. Die Täter kämen oft aus der organisierten Kriminalität.

„Finger weg von dubiosen Angeboten.“

Zugleich sei auch dem Zoll klar, dass die Dunkelziffer hoch sei. „Unsere Frage lautet immer: Was haben wir nicht gefunden?“, sagte Schmitz. Deshalb werde auf Prävention gesetzt. Der Markt mit gefälschten Arzneimitteln könne nur funktionieren, weil es den Bedarf gebe. „Wenn die Abnehmer bereit sind, illegal Medikamente zu kaufen, weil sie vielleicht etwas billiger sind, sieht die organisierte Kriminalität ihre Chancen.“ Die Verbraucher rief er deshalb auf: „Finger weg von dubiosen Angeboten.“

Die gefälschten Produkte kämen zum Teil aus Asien, der Ukraine, der Türkei, aber auch aus dem EU-Ausland. Im vergangenen Jahr sei im ländlichen Raum in Deutschland eine Produktionstätte illegaler Medikamente entdeckt worden, sagte Schmitz. Deshalb liege die Zahl der beschlagnahmten Tabletten 2010 auch so hoch, in diesem Jahr werde sie wieder niedriger sein.

Neben Potenz- und Schlankheitsmitteln werden illegal auch Blutdrucksenker, Herzmittel, Impfstoffe, Antibiotika oder Krebsmedikamente vertrieben. Das geht aus einer Studie des US-Pharmakonzerns Pfizer von 2010 hervor. Das Unternehmen ist von den Plagiaten stark betroffen: Eines der am meisten gefälschten Medikamente ist dessen Potenzpille Viagra. Laut Unternehmensangaben wurden 2010 weltweit rund fünf Millionen gefälschte Tabletten des Präparats sichergestellt.

Für die Verbraucher kann der Konsum solcher Mittel gesundheitliche Schäden nach sich ziehen: Sie sind oft falsch dosiert, enthalten keinen oder den falschen Wirkstoff, sind womöglich unter unhygienischen Bedingungen hergestellt worden.

Martin Fensch, Sprecher des Pharmakonzerns Pfizer, erklärte, für den Verbraucher sei der unterschied zwischen einem echten und einem gefälschten Präparat nur schwer zu erkennen. Er empfahl, Medikamente über die Apotheke zu beziehen, dies sei ein sicherer Weg. Natürlich gebe es auch seriöse Versandapotheken. Absolute Vorsicht sei angezeigt, wenn für ein rezeptpflichtiges Mittel kein Rezept verlangt werde.

Den finanziellen Schaden für das Unternehmen wollte Pfizer nicht beziffern. Für die Pharmabranche habe die WHO weltweit Einbußen von rund 75 Milliarden Dollar errechnet, sagte Unternehmenssprecher Martin Frentsch. Er warnte Verbraucher vor allem vor gesundheitlichen Gefahren: In den gefälschten Medikamenten seien oft geringere oder falsche Wirkstoffe enthalten, die schlimmstenfalls zum Tod des Patienten führen könnten.