Mehr als acht Jahre lang rottete der Spreepark vor sich hin – bis Samstagabend: Am Nachmittag startete auf einem Teilareal des früheren Berliner Vergnügungsparks im nördlichen Plänterwald (Treptow-Köpenick) das Open-Air-Technofestival „Luna Land“: 30 DJs der internationalen Techno-, Rave- und House-Szene, darunter Tiefschwarz, M.A.N.D.Y. und Jamie Jones, legen dort noch bis Sonntagnacht auf. Sie bringen die Besucher auf drei Tanzflächen unter freiem Himmel, eine davon am 45 Meter hohen Riesenrad, mit ihren wummernden Beats zum Tanzen.
Dass der Spreepark lange Zeit ungenutzt war, bekamen im Vorfeld auch die Veranstalter zu spüren. Sie waren noch mit den letzten Aufräum- und Dekorationsarbeiten beschäftigt, als bereits die ersten Besucher am frühen Nachmittag eintrafen. „Wir mussten erst 20 Tonnen Schrott aus dem Spreepark schaffen“, sagte Roland Gruber (34), Mitglied des Deko-Teams, Morgenpost Online. Neben herumliegendem Gerümpel habe man zahlreiche Löcher an den Absperrzäunen beseitigen müssen. „Außerdem waren viele der Äste an den Bäumen völlig morsch, die mussten wir absägen, damit sie später nicht herunterfallen“, sagte Gruber.
Der Aufwand hat sich gelohnt: Die Festivalkulisse – kaputte Fahrgeschäfte, riesige Plastik-Dinosaurier und marode Hütten – kam sowohl bei den DJs als auch den Besuchern gut an. „Die Location ist der Wahnsinn“, meinte House-DJ Jonny Cruz aus Puerto-Rico. Der 28-Jährige ist vor drei Monaten nach Berlin gezogen. „Die elektronische Musikszene in Berlin ist die beste der Welt“, sagte er. „Und dieses Festival zeigt, warum.“ Cruz eröffnete zusammen mit seinem DJ-Kollegen Patrice Meiner aus Costa Rica die Show. Auch Meiner zeigte sich begeistert vom Veranstaltungsort – und ließ sich weder von sporadischen Regenschauern noch den zunächst wenigen Besuchern aus dem Konzept bringen: „Das wird eine Riesenparty.“
Ähnlich sahen das die 21-jährige Shahed Sharaba (21) und ihr gleichaltriger Freund David Elimelech aus dem israelischen Haifa. Das junge Paar hatte die vergangenen zwei Wochen die elektronische Musikszene der Hauptstadt kennengelernt und besuchte das „Luna Land“ Festival vor allem wegen der einzigartigen Kulisse. „Das ist großartig“, sagte Sharaba, „einen vergleichbaren Ort gibt es in Israel nicht.“ Elimelech stimmte zu: „Wir lieben Berlin. Wenn man House-Musik mag, findet man hier immer etwas Besonderes.“
Dass der lange verwaiste Spreepark zur Spielwiese für Raver wurde, war dabei eher Zufall: Veranstalterin Jenny Tan ging einmal in der Nähe spazieren, als ihr die Idee kam. „Riesenräder haben mich schon immer faziniert“, sagte die 29-Jährige. „Daher dachte ich mir: Aus dieser Ruine kann man etwas machen.“ Die Hamburgerin, die zuvor in New York City ähnliche Events organisierte, hat die Veranstaltung gemeinsam mit ihrer Mutter Christiane auf die Beine gestellt. Bezüglich der Organisation habe es zwar viele Sicherheitsbedenken seitens der Behörden gegeben. „Das hängt mit der Loveparade-Tragödie in Duisburg zusammen“, sagte Tan. „Aber wir haben eng mit den Behörden zusammengearbeitet – unser Sicherheitskonzept würde jetzt für 50.000 Menschen ausreichen.“ Ganz so viele werden es zwar am früheren Abend noch nicht werden. Aber immerhin: Bis Sonntagnacht sollen laut Tan bis zu 5000 Besucher im Spreepark abtanzen.







