Tierpark

Schloss Friedrichsfelde öffnet wieder

Mit einem zweitägigen Fest wird am kommenden Wochenende das Schloss Friedrichsfelde im Berliner Tierpark wiedereröffnet. Es war im Laufe der Zeit vieles: Lustschloss, Prinzensitz, Gefängnis, Schule, Tierunterkunft und Verwaltung.

Das prunkvolle Schloss Friedrichsfelde aus dem 17. Jahrhundert bleibt nach seiner Sanierung keine leere Hülle. Dafür sorgen aber nicht allein die kostbaren Wandbespannungen und -teppiche, Bildtapeten und Täfelungen. Wenn das frühklassizistische Kleinod von 1685 am kommenden Wochenende (28. August) mit einem historischen Schlossfest mitten im Tierpark Berlin wieder eröffnet wird, hat der neue Hausherr – Tierparkdirektor Bernhard Blaszkiewitz ist es seit Januar 2009 – für viele der etwa 55 Räume bereits eine Nutzung gefunden. „Noch müssen sie aber mit Leben erfüllt werden“, sagte er am Montag, nachdem die Stiftung Stadtmuseum die Ausstellungsstücke zur Wohnkultur des Landadels von ihrer einstigen Dependance ins Spandauer Zentraldepot bringen ließ.

Der Tierpark hatte seit Jahren vehement vom Senat gefordert, das Schloss in seine Regie zu geben, zumal die Besucherzahlen immer mehr zurückgingen: 2007 kamen nur noch 2500 Menschen zur Besichtigung. Blaszkiewitz, der auch den Zoo leitet, sagte bei der Vorstellung des neuen Konzepts: „In vier großen Räumen des Schloss-Erdgeschosses werden wir erstmals mit einer Dauerausstellung die gemeinsame Historie der Berliner Tiergärten Revue passieren lassen.“ An der Schau mit vielen Fotos und Dokumenten werde mit Hochdruck gearbeitet. Sie soll von Ende September an zu sehen sein. Auch die Verwaltung des Tierparks zieht in das Schloss, ebenso der Förderverein, der für das Schloss nun verantwortlich ist. Im Dachgeschoss kommen die wissenschaftlichen Abteilungen unter, im Souterrain die wissenschaftliche Bibliothek beider Zoos. Sie soll öffentlich nutzbar sein.

Prunkstück des Schlosses bleibt aber der Festsaal in der ersten Etage, der auch künftig für Konzerte, Vorträge, Hochzeiten und Feiern genutzt werden soll. Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz sagte: „Es war eine richtige Entscheidung, die Einheit von Schloss und Tierpark wiederherzustellen.“ Für die Sanierung des Schlosses seien vom Land Berlin 3,5 Millionen Euro eingesetzt worden. Das Geld stamme zum Teil aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen in der ehemaligen DDR. Es sei gut ausgegebenes Geld, zumal das Schloss nun einen würdigen Mittelpunkt des größten europäischen Landschaftszoos darstelle, kulturell genutzt werde und alle wichtigen Räume öffentlich zugänglich seien.

Modernisiert wurden Teile der Fassade, die immer noch eingerüstet sind, Fußböden und Heizungen sowie die in der DDR entstandene monumentale Brunnenanlage. Unter dem Gründer und langjährigen Direktor des Tierparks Professor Heinrich Dathe (1910–1991) war das Schloss schon mal von 1967 bis 1981 rekonstruiert worden. Er hatte den vom SED-Politbüro verfügten Abriss mit großem Einsatz verhindert.

Die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) hat anlässlich der Wiedereröffnung des Schlosses der einstigen Residenz des Herzogs von Kurland ein neues, exklusives Dekor ihres Serviceklassikers Kurland (seit 1790 im Sortiment) gewidmet. Es ist unter dem Namen „Schloss Friedrichsfelde“ vom apricotfarbenen Ton des Festsaales inspiriert.

Die Großnichte des letzten adligen Schlossbesitzers, Johannes Karl Sigismund von Treskow, möchte sich bei ihren künftigen Besuchen im Tierpark und Schloss von einem Neo-Rokoko-Schränkchen inspirieren lassen. Helga Freifrau von Massenbach-Bardt (75) hatte es von ihrer Mutter geerbt, die das Juwel 1934 von den Treskows als Geschenk zur Hochzeit erhalten hatte. Sie sagte: „Es ist jetzt zwar im Besitz der Stiftung Stadtmuseum, gehört aber eigentlich ins Schloss.“ Staatssekretär Schmitz will sich für ihren Wunsch einsetzen. Die Großnichte lebt seit zehn Jahren in einer beschaulichen kleinen Wohnung in Karlshorst und nicht mehr in einem süddeutschen Schloss.

Das Schlossfest wird am 28./29. August 2010, jeweils von 9 bis 18 Uhr, gefeiert. Das Schloss öffnet ab 2. September 2010; Di., Do., Sbd./So. und feiertags, 11–17 Uhr. Es gilt der reguläre Tierpark-Eintritt. Infos unter www.schloss-friedrichsfelde.de